Lock up – Überleben ist alles


‘How much can a man take. How far can he be pushed, before he fights back?’


Originaltitel: Lock Up (1989)
Regie: John Flynn Drehbuch: Richard Smith, Jeb Stuart & Henry Rosenbaum
Darsteller: Sylvester Stallone, Donald Sutherland, John Amos FSK: 18


Nach dem Brachial-Geschoss ’Rambo 3’ wollte Sylvester Stallone mal wieder etwas in Richtung Drama machen. Bei ihm bedeutet das: Knarre weg, Fäuste raus, den Oberkörper mit einem knappen Leibchen bedeckt und ab in’s Kittchen. It’s Prison-Flick-Time!

Stallone spielt den Häftling Frank Leone, der nur noch sechs Monate abzusitzen hat, mit den netten Wachmännern schäkert und regelmäßig Freigang bekommt, um seine Frau zu besuchen. Doch das Schicksal gönnt ihm sein Glück nicht.

“Sly, das ist zu deinem und
unserm Besten: Kein Rocky V!“
Eines Nachts wird er von brutalen Cops aus seinem Weichei-Knast gezerrt und in das Gateway-Prison zwangsverlegt, dessen Direktor es selbst “Das widerlichste Dreckloch der Welt.“ nennt. Jener Warden Drumgoole (Donald Sutherland) hat eine ganz persönliche Rechnung mit Leone zu begleichen. Vor einigen Jahren floh dieser nämlich aus Drumgooles Obhut, womit er ihn um seinen Job brachte und vor der Presse und den Offiziellen lächerlich machte. Jetzt revanchiert sich Warden dafür auf die brutalst mögliche Art. Und dass die Insassen selbst keine harmlosen sind, kann man sich denken. Frank versucht zu überleben…

…denn ’Überleben ist alles’.

Dass hier versucht wird, tatsächlich ein wenig in die dramatische Richtung zu schippern, merkt man schon beim Hören der Credits-Musik von ’Rocky’-Komponist Bill Conti. Das macht den Film leider nicht besser. Hier knüppelt eine Knastfilm-Routine auf die nächste ein. Ein matschiger Hof? Das regt zum brutalen Footballspiel an! Eine speckige Entgiftungskammer? Da schicken wir Stallone nur im Schlüpfer bekleidet rein und demütigen die Eiweißbeule bis zum Schweißsturm, das hat schon in ’First Blood’ funktioniert! ’Das Loch’? Rein mit ihm! Am besten gleich für zwei… ach Quatsch drei Wochen.

“Und ich sage ihnen,
der Hut steht mir nicht!“
Dass Frank Leone eigentlich ganz unschuldig im Knast sitzt, rundet diese dreiste Ansammlung übelster Klischees perfekt ab (hab ich die Montage zu Soul-Musik erwähnt?). Dabei spielt Stallone nicht schlecht. Sein Charisma und Können, das er in vielen Filmen bewiesen hat scheint auch hier durch. Donald Sutherland gibt einen faden Bösewicht ab. Ich bin überhaupt der Meinung, dass ihm sympathische bzw. zwielichtige Rollen viel besser stehen, aber da stimmt mir sicherlich nicht jeder zu. Dass Sutherland die Stamm-Synchro von Leslie Nielsen verpasst bekam, half mir persönlich auch kein Stückchen weiter. In Nebenrollen sind John Amos (’Stirb Langsam 2’), Tom Sizemore (’Natural Born Killers’), Frank McRae (’Red Dawn’) und ein beeindruckend fieser Sonny Landham (’Nur 48 Stunden’) zu sehen. Sogar Danny Trejo, der ja die eine oder andere persönliche Knasterfahrung hatte, ist kurz zu sehen. Das schablonenhafte Schema lässt den Darstellern leider keinen Freiraum. Auf Erniedrigung folgt Triumph, auf Triumph folgt ein harter Spruch und dann ist auch bald wieder die Erniedrigung dran. Dazu klimpert Conti melancholisch auf dem Piano. Dieses vorhersehbare Treiben wird bis zum Erbrechen zelebriert und ist schlichtweg zuviel des Guten. Würde der Film seinen Weg wenigstens konsequent durchsetzen, könnte man ihm das vielleicht verzeihen, aber wir wissen ja ganz genau, wer am Ende durch die Tore in die Freiheit schreitet und seiner Frau wieder in den Armen liegt, während uns eine schmalzige Ballade in Sicherheit wiegt.

’These boobs were made for sweating & that's just what they do.
One of these days these boobs are gonna blow all over you!’

’Lock up’ versucht auf der untersten Ebene, Gefühle im Zuschauer zu wecken. Geschafft: Ich finde den Film einfach zum Kotzen, muss andererseits aber auch Stärken bei der technischen Machart (vor allem der Optik) und dem Schaupiel (mit Ausnahmen) kreditieren. Trotzdem: Wer wirklich gute Knastfilme sehen will, der sollte über Los gehen, diesen Sado-Schinken auslassen und sich an die Herren Darabont und Siegel wenden.

Hudson