Die liebestollen Dirndl von Tirol


‘They NEVER say no!’ [sic]


Originaltitel: Liebe durch die Hintertür (1969)
Regie: Franz Antel Drehbuch: Kurt Nachmann
Darsteller: Teri Tordai, Ivan Nesbitt, Paul Löwinger FSK: ungeprüft


Aus der Rubrik “Ein Sixties-Streifen mit Rudolf Schündler und Ralf Wolter kann ja nicht komplett für die Tonne sein!“

Und dann setzt der Theme-Song “Nackedi, Nackedu, Nackedei (dei dei)“ ein (ein ein).

„Na du hast wohl ’n kleinen Hasen unterm Pony. Mir hier so die Bude zu zerbumsen.“

Zapfen und Zechen in Zitzenhausen
Situationskomödie nennt man es wohl, wenn die Nutten von Gang 6 in einem Münchner Wohnhaus bei ihrer neuen Nachbarin anklopfen und sich bei der finanziellen “Vaginalogie“ (oder wie auch immer man das weibliche Äquivalent zum Schwanzvergleich nennt) herausstellt, dass sich die Gute namens Inge mit ihren mageren 1200 im Monat als Lohnbuchhalterin, und nicht etwa als Bordsteinschwalbe verdingt. Uhuhuhuh... oh dear! Niveau und Genre wären also geklärt, auf zum Setup!
Um die neugewonnene Freundschaft zu feiern, nimmt Inge ihre vier Nachbarinnen mit nach Tirol, wo die Abacus-Schubse zufällig gerade einen Bauernhof geerbt hat. Man kennt das.
Die sogenannten “Erbbienen“, wie man sie vor Ort gleich liebevoll getauft hat, werden von den moralischen Instanzen des beschaulichen Kaffes mit kritischen Blicken, von den lokalen Mannsbildern aber mit offenen Armen empfangen. Als sich die Erb-Immobilie als marodes Barackengebilde entpuppt, nutzen Inge und ihre Freundinnen die Avancen der dauergeilen Bauern zu ihrem Vorteil. Für landwirtschaftliche Mitarbeit werden ganz freizügig die allseits angepriesenen “Naturalien“ angeboten. Oder um es auf den Punkt zu bringen: Sex für Kartoffelernte, was halten sie davon?

“Ein Schluck LSD…“
“LSD?“
“Ja, ’Liebes-Sex-Destilat’!“

Ihr wollt meine Bildunterschrift zu
diesem Pic nicht lesen, glaubt mir.
Eieieiei, was hab ich mir denn hier wieder aufgehalst? Normalerweise ist ja unser Spooner für solchen debilen Schweinkram zuständig, aber der hat grade den Arsch voll mit seinem eigenen Film (…“Innenarchitekten“ hätt ich beinahe geschrieben!) und um sein Klientel bei Laune zu halten, darf ich jetzt hier als aushelfende Ferkelfilm-Fachkraft herhalten.
An dieser Stelle kann, muss und will ich aber allen Lustspiel-Liebhabern und Fickelflick-Fans eine Absage erteilen. Bei den ’Liebestollen Dirndln’ herrscht nämlich die ganz leere Bluse. Hier ist rein gar nix zu holen. Und das ist nicht meine Meinung als politisch korrektere Version von Sleazy Spoon, sondern als gelangweilter Zuschauer und Flausenbeobachter mit offenem Herzen für jeden Scheiß (aber geschlossener Hose für diesen hier).
Die Posse von der netten Inge und den Wirrungen auf ihrem Tirolergut (später kommen noch die Freier aus der Stadt mit ins Spiel, ebenso landwirtschaftspolitisches und finanzielles Gelaber …uach) ist so öde, wie die Versprechungen des Titels irreführend sind.
Nicht, dass irgendjemand einen Schmarren wie diesen hier der Story wegen anschauen würde, aber bis auf ein paar Brüste am Anfang (und auch nur da), ein paar dämliche Sprüche und Norbert Gastells bayrischen Akzent, gibt’s hier keinen Flausen-Nährwert whatsoever.
Ja, Ralf Wolter kalauert sich gewohnt spitz durch das Gebälk, aber das in viel zu niedriger Frequenz und Rudolf Schündler beim aggressiven Grabbeln zuzuschauen, ist auch nicht so edgy und amüsant wie es klingen mag (Spooner would probably beg to differ).
Wenigstens werden hier endlich mal schonungslos die Konsequenzen übermäßigen Drogenkonsums gezeigt, als durch eine lustvolle Rauschzustand-Perspektive von einem Schweinearsch fugenlos zu einem nackten, weiblichen Hinterteil übergeblendet wird. Schonungslos.

„Bürgermeister Vogel? Here is Peter Amrain from America.”
„Oh, Herr Minister… Äh Herr Mister!“

Szene wie diese zeigen: Der Film wird seinem Titel nur zur Hälfte gerecht.

Machen wir’s kurz: ’Die liebestollen Dirndl von Tirol’ ist bis auf ein paar echt schöne Landschaftsaufnahmen eine einzige Enttäuschung. Die ästhetisch wertvollen moving pictures bekommt ihr aber auch gerne gratis von meinem Papa, einem 71 jährigen Rentner mit schniekem Camcorder und beruhigender Begleitstimme. Schreibt mir einfach und ich leite es an ihn weiter. Er zeigt seine Arbeit gerne rum! An dieser Stelle bleibt mir nichts anderes übrig, als mit ’Wild, Willing & Sexy’ (international), ’Liebe durch die Hintertür’ (nicht international) und ’Naughty Roommates’ (USA! USA!) wenigstens noch die Alternativtitel des Filmes aufzuzählen und mich zu empfehlen.


Hudson