Leon


‘Honour or revenge, he has no choice...’


Originaltitel: Lionheart (1990) Regie: Sheldon Lettich
Drehbuch: S.N. Warren, Jean-Claude Van Damme& Sheldon Lettich
Darsteller: Jean-Claude Van Damme, Harrison Page, Deborah Rennard FSK: 18


Was man davon hat, auf L.A.'s Straßen mit Drogen zu dealen, erfährt Francois am eigenen Leib, als ein paar üble Halunken kurzerhand den Benzinkanister über seiner Birne entleeren und ihn anzünden.
Im Sterben liegend wünscht er sich nur noch, ein letztes Mal seinen Bruder Leon (Jean Claude Van Damme, ’Double Impact’) zu sehen.

"Und wenn du damit fertig bist,
schrubbst du das Deck, Timur!"
Dieser ist allerdings bei der Fremdenlegion, die gerade mal wieder einen Schuchen-Staat belagert und sich herzlich wenig um Leons Urlaubsgesuche schert. Also muss der knallharte Legionär aus dem Lager flüchten, was natürlich nicht ganz reibungslos von statten geht (Mit anderen Worten: Es gibt gewaltig was auf's Fressbrett!). Im Heizungskeller eines Öltankers findet er Asyl und entkommt so in das Land der unbegrenzten Prügeleien.
Kaum von Bord gesprungen (!) wird Leon auch schon Zeuge eines ’Street Fights’, bei dem dickärmige Gossenprügler sich für Geld die Kimme versohlen lassen. Da er selbst mittellos ist, lässt sich Leon auf einen Kampf ein, gewinnt und macht die Bekanntschaft des wandelnden Wettbüros Joshua (Harrison Page), der ihn bald in die exklusiven Prügel-Kreise der High Society Diva Cynthia (Deborah Rennard) hineinschleust, die für reiche, degenerierte Kunden spektakulär brutale Wett-Schaukämpfe austragen lässt. Als er erfährt, dass sein Bruder tot ist, lässt sich Leon auf die Machenschaften der zwielichtigen Dame ein, um wenigsten für das Wohl seiner kleinen Nichte und ihrer Mutter zu sorgen. Doch seine ehemaligen Kameraden sind dem Deserteur längst auf den Fersen…

’Leon’ gilt unter Van Damme Fans als das Meisterwerk ihres Idols schlechthin.

'Leon - der SpoWi'
Was für die Jungs aus der Nordkurve aber als ’Citizen Kane’ durchgeht, ist für Exquisit-Cineasten ein hohler Klopper mit kitschigem Beigeschmack.
Ich persönlich war nie ein allzu großer Fan des belgischen 'Martial Artists', doch muss ich gestehen, dass mich seine Filme nie langweilen und ich sie mir doch alle Jubeljahre zur Brust nehme (teils auch aus sentimentalen Gründen... Was haben sich unsere Lehrer nur damals dabei gedacht, als sie uns während der Klassenfahrt (6.Klasse) ins Kino zu 'Mit Stählerner Faust' schickten?! Ah, die Gute Alte Zeit!).
Und ’Leon’ ist tatsächlich einer der besseren Streifen des Mannes mit der Beule. Zwar nervt die Musik ein wenig (übermäßiger Einsatz von Saxophon), aber das dramatische Element gibt der Story den nötigen Schwung, und wenn die Fights auch einzig und allein dem Zweck möglichst brutaler Gewaltdarstellung dienen, sind sie doch anständig choreographiert, rauh und spannend anzusehen.
Leider erweisen sich einmal mehr Van Dammes schauspielerische Grenzen als Schwachpunkt des Vehikels. Wenn er gerade nicht seinen Kontrahenten die Seele aus dem Leib prügelt, läuft der Mann dermaßen planlos und durch's Bild, dass man ihm vor Mitleid sein Pausenbrot schenken möchte. Vielleicht wollte er uns ja auf diese Weise den 'Flüchtigen im fremden Land' näher bringen...wer weiß?

'Nights in white Satin'
Auch sonst sind die darstellerischen Leistungen im Film nicht wirklich berauschend. Deborah Rennard will ’Femme Fatale’ sein, ist aber nur ’Bornierte Bitch’. Selbst die bei Genre-Fans beliebte Body-Building Grinsekatze Brian Thompson (’Mortal Kombat 2’), in der ihm angestammten Handlanger-Rolle, wirkt ungewohnt farblos.
Einziger Lichtblick ist hier Seriendarsteller Harrison Page, als Leons Manager, der den Hauptdarsteller bei jeder sich bietenden Gelegenheit mühelos an die Wand spielt. Ebenfalls mit von der Partie; ’Rambo 2’ Bösewicht Voyo Goric als emotional unentschlossener Legionär und Van Damme Spezi Michel Qissi (’Karate Tiger 3’, ’Bloodsport’) als dessen Handlanger. Selbst ’Tae Bo’ Boy Billy Blanks schaut kurz vorbei. Der schärfste Hund im Ring ist allerdings Endgegner Atilla, der wie ein schlanker Bruder von André the Giant daher kommt, mit Blofeld-Gedächtnis Katze auf dem Arm und den gewaltigsten Koteletten seit Lemmy Kilminster. Hier ist die Grenze zur Posse eindeutig gesprengt und ein hysterisches Kichern macht im Saal die Runde.
Das sentimentale Ende nach dem derben ’Final Fight’ erweicht dann selbst ganz harte Brocken und spätestens hier verzeiht man ’Leon’ die gröbsten Schnitzer und akzeptiert den Film als das, was er ist...oder eben nicht.

Der Dicke und der Belgier.

’Leon’ ist einer der besseren Van Damme Schinken, was aber nicht unbedingt am Hauptdarsteller liegt. Dessen Fans haben den Film sowieso schon in der Vitrine zu stehen. Allen anderen kann ich nur sagen: Wenn ihr mal wieder einen Abstecher in die frühen 90er machen wollt, als die Kerle noch kämpften und nicht tanzten, dann zieht euch den Streifen rein, und für die Ladies ist immer noch Van Dammes Nacktarsch drin.

Hudson