Leathernecks



Originaltitel: Colli di cuoio (1988)
Regie: Ignazio Dolce Drehbuch: Kai N. Plan
Darsteller: Richard Hatch, Vassili Karis, James Mitchum FSK: 18


‘Everywhere I go, all I ever seem to hear is BANG BANG, BANG BANG!’ hieß es einst bei Dr. Dre. Was der gute Doc als Anspielung auf seine alte Hood verstand, trifft für mich immer dann zu, wenn italienische Vietnam-Filme über den Bildschirm flimmern.
Kurz gesagt: Sinnloses Geballer für eine bessere Welt.

Nacken aus Leder, Bäuche aus Stahl

Es sind keine Unbekannten, die heute unseren Weg kreuzen. ’Bye, bye Vietnam’-Regisseur Ignazio Dolce schickt seinen damaligen Hauptdarsteller Richard Hatch (’Kampfstern Galactica’) erneut ins vietnamesische Feuchtbiotop, wo er ein kleines Dorf mit angeblich strategischer Importanz vor Charlie schützen soll (die gleiche Leier wurde ja auch in ’Platoon Leader’ aus dem selben Jahr gespielt). Als Lt. Caldwell (Hatch) seine Männer auf einer Erkundungsmission durch den Dschungel führt, überraschen sie einen Waffentransport an den Vietcong, der aus den eigenen Reihen zu stammen scheint. Hauptverdächtiger ist ein französischer Waffenschieber, den es ausfindig zu machen gilt. Als Caldwell in Begleitung eines Captains der Spionage-Abwehr tiefer in den Dschungel eindringt, bestätigt sich ein furchtbarer Verdacht… Im Dschungel ist es warm und nass!

The infamous Colonel Furtz

“Weißt du, hier in Vietnam steigen alle Typen mit billigen Huren ins Bett. Ich geb dir’n guten Rat, Junge. Lass deinen kleinen Freund in der Hose. Sonst kann’s dir passieren, dass er eines Tages wie ein Streuselkuchen aussieht.“ [drückt auf die Play-Taste eines Band-Gerätes. Stimme vom Band:]
“Ich sitze hier und denke an dich und spüre wie ich ganz feucht werde zwischen meinen Beinen. Ich frage mich, was ich als erstes mit dir tun würde. Ich weiß es und du weißt es auch. Aber ich würde es niemals wagen, es zu schreiben, weil sonst die Seiten Feuer fangen würden.“

Bitte vervollständigen sie diesen Satz:
'Krieg ist die ..... !'

Solange Vietnam-Actioner Spaß machen, kann ich über alle Unzulänglichkeiten, wie fehlender Plot, fehlende Botschaft, fehlendes Schauspiel-Engagement und fehlendes Budget hinwegsehen. Und mit ’Spaß’ ist natürlich die passende Action flotter Art gemeint. Da aber auch die bei ’Leathernecks’ eher eine untergeordnete Rolle spielen und stattdessen fröhlich Vietnam-Klischees verzapft werden müssen, sinken Laune, Adrenalin und der Daumen bald gen Teppich. Klar kommt es auch zu Geballer und Gewums, allerdings hob man sich die wirklich schweren Geschütze bis zum unglaublich pathetischen Finale (SloMo-Sterben Deluxe!) auf und bis dahin hat man längst die Faxen dicke. Von gut inszenierter Action ist das Gedrömel insgesamt aber so weit entfernt, wie Ignazio Dolce von Oliver Stone.
Die ’Ledernacken’ lassen sich zwar oberflächlich zu unterscheiden (der Chef, der Sarge, der Schwarze, der Nerd, der Irre und der Vergewaltiger), werden von ihren Darstellern aber so lustlos verschwitzt verkörpert, wie ein Fischbrötchen auf Landgang. Richard Hatch macht da keine Ausnahme und spuckt selbst alle Jubelminute einen hirnlosen Dialog-Pömpel auf die Tonspur (z. B. als er einen Süd-Vietnamesen in seiner Einheit beschreibt: “Er ist Rechtsextremist. Ist doch klar, dass er den Vietcong hasst.”)

Eddie Deezen war in Nam?

Fazit: Stumpf wie Blei, doof wie Brot und langweilig wie Malen-nach-Zahlen in Zeitlupe. Aber wenn Richard Hatch seinem toten Kumpel am Ende zuflüstert “Der Krieg ist wenigstens für dich zu Ende, mein Freund.“, haben es die Macher tatsächlich geschafft, wenigstens einmal das Wort an ihr Publikum zu richten.


Hudson