The Last Man on Earth


‘Alive among the lifeless... alone among the crawling creatures of evil that make the night hideous with their inhuman craving!’


Originaltitel: The Last Man on Earth (1964)
Regie: Ubaldo Ragona & Sidney Salkow Drehbuch: William F. Leicester, Richard Matheson, Furio M. Monetti & Ubaldo Ragona
Darsteller: Vincent Price, Franca Bettoia, Emma Danieli FSK: unbekannt


Trostlose Bilder empfangen uns: verlassene Straßen, desertierte Bürgersteige, bewegungslose Stadtansichten, nicht vorschriftsmäßig geparkte Autos, ein alter Mann, der auf zerwühltem, muffig aussehendem Bette liegt.
Fashion-Junkies, Gesundheitsfreaks, Superstar-Gläubige unter uns werden nun ihre schicken, modisch verkleinerten Nässchen rümpfen: iiiieh, der ist ja alt! Bääh, der trägt ja nicht einmal einen Pyjama, der schläft ja in seinen Alltagsklamotten, wie uncool! Wääääh, der is ja auch noch in Schwarz-Weiß!

Täglich grüßt die Apocalypse
Doch ich rufe: Obacht! Haltet ein! Senkt euren Blick, beugt euch und knickst! Denn der, den zu schauen euch erlaubt, ist der große, der einzigartige (und leider seit langem verstorbene) Vincent Price!
Und wenn der Name allein euch Rüpeln nicht Grund genug ist, Respekt zu zeigen, so sollte es denn Vincents Position sein: immerhin ist er der "Last Man on Earth"!
Grunzend, gähnend, knackend erhebt sich Doktor Robert Morgan von seiner Bettstatt (diese Szene erinnerte mich stark an Shaun aus 'Shaun of the Dead', wie dieser gegen Ende des Films gähnend und torkelnd und Zombie-artig durch seine Wohnung stapft). In die Küche wandert Bobbie, macht sich Kaffee. Dann geht's zum Funkgerät, ein Standardruf wird in den Äther abgelassen: Hallo? Irgendjemand da draußen? Keine Reaktion. Bobbie erhebt sich, trinkt einen weiteren Schluck Kaffee, die Tasse in der Hand wandert er zur Haustür, hebt einen schweren Riegel, tritt nach draußen und begutachtet Spiegel, Kreuze und Knoblauchkränze, welche den Eingang zieren.

Knobi-Shopping
Zurück geht's dann in die Wohnung, Vorräte inspizieren, Holzpflöcke produzieren an einer Drehbank (O-Ton: "Kann es mir einfach nicht leisten, zimperlich zu sein."), Tasche packen... und hinaus zieht es unseren Helden, in die freundliche, postapokalyptische amerikanische Kleinstadt - denn der Nachteil am “der-Letzte-sein“ ist natürlich der, dass man (nicht nur sprichwörtlich) alles allein zu erledigen hat.
Durch verlassene Straßen, an herumliegenden Körpern vorbei (Doktor Morgan: "Um die werde ich mich später kümmern.") lenkt Robert seinen schwarzen Kombi. Vorräte wollen aufgefüllt, das Auto betankt, Pflöcke in Brüste getrieben, die Leichen in der Grube ("the Pit", haha, ein Schelm und Kenner wer da an Poe denkt) eingeäschert werden. Und dann, hopp hopp, zurück ins Nest, denn die Sonne hat ihren Niedergang angetreten - und wir wollen doch nicht nachts, als letzter Mensch und so weiter, auf den Straßen von den lebenden Toten überrascht werden, oder?

I alone...
Gedreht im Jahre 1962, nimmt "The last Man on Earth" vieles von dem vorweg, was spätere Filme des Genres als vermeintliche Neuheit einführten. Hautnah wird der beklemmende Alltag des Doktor Robert Morgan geschildert, ein wunderbar agierender Vincent Price schafft scheinbar mühelos den Spagat zwischen Melodramatik und nüchterner Verzweiflung. Ein scheinbar niedriges Budget zehrt etwas an dem positiven Gesamteindruck, ebenso treten einige Logikfehler auf (Knoblauch bleibt drei Jahre lang frisch, wenn er gekühlt wird? Nicht in diesem Leben, Mr. Morgan), diese sind jedoch eher drollig denn störend.
Was mich jedoch tatsächlich an "The last Man on Earth" beeindruckt hat, war, dass er weiter ging denn alle modernen Zombie/ Apokalypse Klassiker heutiger, moderner Zeiten. Den Zuschauer erwartet nach einer langen Rückblende - 'Wie alles begann', Juchhu! - ein interessanter, und darüber hinaus unerwarteter Twist, welcher den Film aus der Kategorie 'Ganz Gut' herauskatapultiert, und das mit einem Schwung, welcher dies zu Unrecht vergessene Stück Zelluloid bis ganz nach oben trägt, hinauf auf den Film-Olymp.
Was das im Genauen ist, werde ich an dieser Stelle nicht verraten - jeder Interessierte sollte sich selbst ein Urteil bilden, und das geht nun einmal am besten, indem man sich selbst die Mühe macht, die Glotze einzuschalten. Den DVD-Player bitte nicht vergessen, denn offiziell, so scheint's, ist der Film niemals in Deutschland erschienen.

... NOT!

Also, alle zwanzig Daumen nach oben; ich wünsche Euch Glück bei der Jagd nach diesem schillernden Stück aus der Rumpelkammer, will meinen: Klassiker. Und schließlich: viel Spaß beim Schauen und Staunen!
(War das jetzt zu euphorisch? ... Nein, ich denke nicht.)


Franx