Laserkill - Todesstrahlen aus dem All


‘Billy was a kid who got pushed around... Then he found the power’


Originaltitel: Laserblast (1978) Regie: Michael Rae
Drehbuch: Franne Schacht & Frank Ray Perilli
Darsteller: Kim Milford, Cheryl Smith, Gianni Russo FSK: 18


Eddie Deezen, y'all!

“Weißt du, ganz unter uns, ich glaube, es war ’ne fliegende Untertasse!“
“Der hat sie nich alle. Hat ’Krieg der Sterne’ fünf mal gesehen.“
“Ich weiß ganz genau, wann ich’n Stern sehe! Das war ganz was anderes.“

Billy hat ‘nen schlechten Tag: Seine Mutter macht sich ohne Vorwarnung aus dem Staub (mit reichen Freunden nach Acapulco), der senile Vater seiner Freundin lässt ihn nicht zu ihr durch (weil er ihn für einen Militärspion hält) und der lokale Redneck-Sheriff (samt bekifftem Deputy) verpasst ihm einen Strafzettel für jugendlich aufbrausende Raserei.
Als er auch noch an der Tankstelle von Eddie Deezen und dessen Kumpel schikaniert wird, ist die Erniedrigung komplett. Kein Wunder! Wenn Eddie Deezen dein Bully ist, hast du offensichtlich was verkehrt gemacht im Leben.
Billy düst in die Wüste und findet im heißen Sand die ungleich heißere Laserpistole aus Szene eins. Ach, von Szene eins hab ich ja noch gar nicht erzählt…

LASERKILL!

Hier kommt der Kniff: ALIEN SCHIESSEN ALIENS AB! Mit Todesstrahlen (aus dem All). Und die totschießenden Aliens (zwei Stop-Motion-Saurier und Design-Verwandte von E.T.) versäumen es, die Totschießwaffe des soeben pulverisierten Aliens zu entsorgen. Et voilà: Szene eins!
Schnell hat Billy die Funktionsfähigkeit der Waffe überprüft und ist sich bald auch ihrer gewaltigen Feuerkraft bewusst. Was er nicht weiß: Mit jeder Benutzung verändern die Kräfte der Waffe ihren Träger (Grünspan-Alarm!). Und schnell wird klar, dass ’Laserblast’ (Originaltitel) den Versprechungen des Titels nicht gerecht werden kann, wenn gerade nicht gelaserblastet wird.

“Der viele Kuchen macht mich immer fetter… und was ist mit Strahlenschäden?“
“Wovon redest du?“

LASERKILL!

Um die sprichwörtliche Schnarchnummer handelt es sich bei ’Laserkill’ zwar nicht, aber das bisschen Substanz, das hier geboten wird, beschränkt sich auf halbgaren Body-Horror und ein paar eingestreuten Teenangst-Hülsen (“Der Himmel sieht aus wie ’ne Tasse. Eine riesige blaue Tasse.“ “Ja und wir sind der Satz. Bodensatz, sonst nichts.“).
Auf der Habenseite sind die Special FX (vor allem die ulkigen Stop-Motion-Saurier-Aliens) von Steve Neill (’Ghostbusters’) und David Allen (’Willow’) und die unzähligen Explosionen courtesy of Todesstrahlen aus dem All.

LASERKILL!
Leider ist das Tempo völlig im Eimer, die Musik von Richard Band (dessen Bruder Charles auch produzierte) kommt ausschließlich aus der schiefen Tube des Synthie-Leierkasten und Hauptdarsteller Kim Milford ist am ehesten durch seine Frisur zu definieren und den Umstands, das er die ganze Zeit über mit offenem Hemd oder gleich ganz oben ohne durch die Wüstenei stolziert.
Versiertere Darsteller wie Keenan Wynn (’Spiel mir das Lied vom Tod’), Gianni Russo (’Der Pate’) und Roddy MacDowall (’Planet der Affen’) sind lediglich in Nebenrollen untergebracht, dafür gibt’s den wahrscheinlich ersten Seitenhieb auf die mittlerweile von Seitenhieben totgeprügelte ’Star Wars’-Franchise (bzw. ein Seitenschuss, der ein Billboard vom Straßenrand fegt), den womöglich sinnlosesten Auto-Stunts der Filmgeschichte (Stichwort: Rollover of Random Doom) und später einen beinahe noch sinnloseren Monolog:

“Da flog ich also 35.000 Fuß hoch in ein Feld gefrorener Yoyos und der Windfaden riss. Ich blieb cool. Ich bin ruhig rausgeritten, ganz easy, denn Nirwana war ja gleich an der nächsten Ecke. Ich schwamm durch den Regen und krachte gegen Betty Krocket. Sie schrie: “Junge, alles was du kriegst, ist Milch,“ Ich sah sie an. Ich sagte: “Baby, du bist gar nichts.“ Sie hat es kapiert und ist verdunstet.“

LASERKILL!

Laserkill der Käsegrill kann den zähen Füller-Formaggio mit seinen FX-Sperenzchen leider nicht hinfortblasten, um in der Theke oben mitzureifen, ist aber noch in sicherer Distanz zu unerträglicher Schimmelgülle wie ’Track of the Moonbeast’. Für Fans von Don Dohlers effektlastigen Backwood-Alien-Schlockern und ähnlich absonderlicher Spätsiebziger-Relikte vielleicht brauchbar, filmhistorisch aber insofern schon wertvoll, da dies wohl der einzige Film ist, in dem Eddie Deezen die Worte “Ich werd ihm alle Knochen brechen!” über die Lippen gehen.

Man nannte ihn nicht umsonst Eddie "DIE FAUST" Deezen!



PS: Wer der Meinung ist, dass die Anglisierung der deutschen Sprache erst in den letzten zwanzig Jahren Überhand genommen hat, der ergötze sich an folgendem Ausruf am Würstchengrill: “Hey Leute, es gibt heiße Fränkförter!“


Hudson