Lance - Stirb niemals jung


‘At the age of 18, every government agency wanted him... dead or alive.’


Originaltitel: Never Too Young to Die (1986) Regie: Gil Bettman
Drehbuch: Stuart Paul, Steven Paul, Anthony Foutz, Gil Bettman & Lorenzo Semple Jr.
Darsteller: John Stamos, Vanity, Gene Simmons FSK: 16


"Stargrove! Flying like you've never flown"
"Stargrove! Runnin' through a danger zone"
"Stargrove! Are you gonna stand alone?"

Vanity Unfair
Welcher Stargrove nun beim klirrenden Titelsong gemeint ist, wird leider nie geklärt. Daddy Drew, Spezialagent und starker Typ oder Söhnchen Lance, Highschool-Hupe und Turner-Ass? Egal, beide Stargroves haben ihre Vorteile, sehen sich aber nicht allzu oft, da sie auf unterschiedlichen Ecken der Erde im ’Einsatz’ sind. Während Lance beim Turn-Wettbewerb böse auf die Fresse fällt, erwischt es Daddy noch eine Nummer böser. Er wird vom transsexuellen Wahnfried-Schurken Ragnar umgelegt, der auf der Suche nach einer Diskette mit gar teuflischem Inhalt über jede Menge Leichen geht. Die Disk landet ausgerechnet bei Lance, der dank der geheimnisvollen Schoko-Schönheit Danja bald über die Vergangenheit seines Daddys informiert wird und schließlich dessen Erbe antritt, um Ragnar und seiner Rockerbande das Handwerk zu legen…

Mean Gene goes Frank'n'Furter
’Lance - Stirb niemals jung’ aka ’Never too young to die’ wird von zerstreuten Zeitgenossen gerne als unfreiwillig komischer Action-Trash zertifiziert und abgetan. Und das mit dem Action-Trash ist ja vielleicht sogar noch halbwegs nachzuvollziehen (wenn man die Relation zu Godfrey Hos Ninja-Streifen und ähnlichen Kaboom-Gebilden außen vor lässt), aber "unfreiwillig komisch"? Come on! Man engagiert nicht Einweg-Bond George Lazenby, um einen Geheimagenten zu spielen und packt KISS-Fronter Gene Simmons in die schrillen Outfits eines durchgeknallten Tunten-Priesters, wenn man einen ernst gemeinten Action-Thriller in Planung hat. Wenn dann noch John Stavros (der Billy Warlock der 80er) die Hauptrolle des Hawaiihemd tragenden Turnerboys übernimmt, der Daddys Tod an der Seite von Ex-Model Vanity mit viel Bummbumm drum herum aufklären und rächen soll, dann ist Columbus ihm sein Ei schnell gepellt: ’Lance’ ist pures Unterhaltungskino komödiantischer Natur, wie einst schon Jim Wynorskis ’The Lost Empire’ oder Schoten der Sorte ’Interzone’ und ’Black Eagle’. Nicht überzeugt? Dann lasst uns die Checklist abhaken:

Hail to Uncle Jesse!

Die Todeskralle? Check.
Gene Simmons als Transe? Check.
Turn-Action vs. Gang-Mischpoke? Check.
Kiesgrubengeballer zu Pop-Rhythmen? Check.
Asia-Nerd mit Tobias Meister-Synchro? Check.
Saxophon-Geplärre zu verspielter Liebesszene? Check.
Robert Englund als bärtig bebrillter Computer-Experte? Check.
Rockerbanden mit toupierten Haarfrisuren auf heißen Öfen? Check.
Sprüche der Sorte: "Nehmt sie, meine Raupen und schindet sie!"? Check.
American Native-Henchman Branscombe Richmond als Waschbär Punker? Check.
Gene Simmons enthüllt unter irrem Gelächter seine zweite Identität, die jedem Zuschauer, der Ulrich Gressiekers Stimme kennt, von vornherein bekannt war? Check.

Spätestens beim Finale ist klar: Der Käse wurde hier extra dick aufgelegt und das schien allen Beteiligten bewusst gewesen zu sein.

"Lance, eine Frau schlägt man nicht. Du bist ein Macho, du kleiner Wüstling."
"Du verhältst dich wirklich wie ein Weib!"
"Ich BIN ein Weib und ich BIN ein Mann!"

Banden, Kutschen, tolle Haare - Und das noch vor der Apokalütze

Mein Herz lacht, wenn ich nach all den Jahren regelmäßigen B-Movie- und Trashkonsums noch Filme wie ’Lance - Stirb niemals jung’ für mich entdecken kann. Und alles andere lacht mit. Hier haben wir’s mit abgedrehtem, buntem und zuweilen leicht leierndem Eighties-Pulp zu tun, der ohne Mittagspause Action, Sprüche und nackte Tatsachen präsentiert. I rest my cäse.


Hudson