Kung Fu Wonderchild



Originaltitel: Ling huan tong zi (1986) Regie: Tso Nam Lee
Drehbuch: Hsin-Yi Chang
Darsteller: Shan Chen, Lin Hsiao Lan, Hai Hsing Li FSK: unbekannt


Seelen im Tonkrug, jetzt bei McDoof!
Wir befinden uns im alten China... und damit im Land der grausigen englischen Dubs für solcherlei Filme. Das stört allerdings wenig, wenn gleich zu Beginn fiese Wandteppiche angreifen und einem alten Mann samt zartem Töchterchen nach dem Leben trachten. Wie es der Zufall nun will, hat Opa Weißbart auch so seine Tricks auf Lager und lässt direkt die Flammen sprechen.
Enter the Villain: Ein rötlich-graubärtig bäriger Typen mit grob übertriebenem Schulterzwirn, der selbst einem Jason Donovan die Schamesröte ins Gesicht gedrückt hätte. Dieser vornehme Herr ist wohl so 'ne Art böser Priester, der von Weißbart einen silbernen Schädel abgreifen will. Da dieses edle Stück aber so eine Art Familientalisman ist, wird es ihm der Weißbärtige wohl nicht mit 'ner Schleife drumrum überreichen. Da muss man sich schon drum prügeln... Und schon sind wir in der wunderbaren Welt des taiwanesischen Eastern. Da werden Laser aus Fingern geschossen, leblose Gegenstände umher geworfen und grob mit Nebelmaschinen hantiert. So ganz nebenbei werden dann das liebreizende Töchterchen und der Opa ausgelöscht und per Flaschentrick (ihr habt doch alle den Dieb von Bagdad gesehen, oder???) um ihre Seelen erleichtert.

Haircrimes - the chinese way
Die Protagonistin dieses knallebunten Kung Fu Fantasyflick, welcher ganz offensichtlich eher das jüngere Publikum ansprechen soll, ist Lin Hsiao Lan. Dieses niedliche und kurzgewachsene Mädel spielt hier eine sehr ähnliche Rolle wie in ihren beiden Krachern "Magic of Spell" und "Magic Warriors", nämlich einen halbwüchsigen Jungen (!!!) mit außergewöhnlichen und vor allem magischen Kung Fu Skills.
So ganz nebenbei lernen wir auch einen sentimentalen Vampir und seine beiden kleinen Töchter kennen, die aussehen wie die Puppen, die sie mit sich herumtragen. Und da alle chinesischen Vampire mit ausgestreckten Armen hüpfen (das weiß der nicht asiaphile Cineast spätestens seit den 'Sieben goldenen Vampiren' aus dem Hause Shaw/Hammer), wird sich im Kreise der Lieben auf genau diese Weise unterhalten... mit ausgestreckten Armen. Diese liebreizende Familie trifft auf die schmucke und überaus wehrhafte Lady in Weiß (Yukari Oshima), die - wie die beiden Vampirbälger - ihre Mutter bzw. ihre Familie sucht. Das finden die beiden Gören toll und versuchen Papi Vampir mit aller Kraft daran zu hindern, das Mädel in Weiß anzuknabbern. Da darf er auch gern mal stolpern und sein Gesicht auf einem frischen Haufen Stuhlgang betten.

Evil Toons - the asian way
Das hat allerdings wenig mit der Story zu tun. Vielmehr geht es um die Abenteuer des Enkelsohnes, eines Kochs in einer Kung Fu Schule, der zusammen mit zwei deppernden Schülern in allerlei abenteuerlichen Wirrwarr gerät. Durch diverse Umstände kreuzen sich dann die Wege des Jungen und der Lady in Weiß (laut imdb heißt sie Hai Chiu Hse, der Knabe nennt sie aber nur Sister Chiu) bei einem nächtlichen Ritual des bösen Priesters vom Anfang, der seine in Tongefäße eingesperrte Seelenbeute aussaugt.
Zwischendrin regiert hier der absolute Hang zum Taiwan/Hong Kong-Kino-typischen Debilhumor mit vorpubertären Pinkelscherzen, wobei auch die Flatulenz nicht zu kurz kommen darf, inklusive verhaltener "Hihi, guck mal, Arsch und Titten" Witze.
Ansonsten werden bei 'Kung Fu Wonderchild' wirklich alle Register gezogen, wunderbare Wirework Fights treffen auf nette Martial Arts Choreographien und Miss Oshimas herrliche High Kicks. Die meisten Flausenleser werden sie wohl am ehesten aus dem unvergleichlichen "Story of Ricky" kennen, in dem sie Yomi - Huang Chaun gespielt hat, den androgynen Killer.

"Shut up! I am your master!
I will urinate wherever I want!"
Was den Streifen aber komplett abhebt sind die vielen krachig-bunten und trashigen Special Effects. Hier wird geflogen und gelasert was das Zeug hält, Pappmachémasken gibt es zu Hauf und die üblichen Haircrimes dürfen auch nicht fehlen. Oder um es mal mit den Worten von Uncle Crazy zu sagen:
Rechts unter dem Pic spielt die Musik!

Dieser Film hat alles: Vampire, Dämonen, Geister, belebte Skelette und sogar einen wunderbaren Zeichentrickdrachen von dem sich die Protagonisten allesamt verhauen lassen dürfen. Zum Schluss rollen dann sogar noch Köpfe und es werden die Raketenwerfer ausgepackt! For real!
Großartig und fast so geil wie "Magic of Spell", den ich an gleicher Stelle auch noch besprechen werde. Es gibt viele solcher wahnwitzigen Streifen aus Taiwan und Hong Kong und die gilt es zu entdecken. Wir bleiben dran!



PS:

What the ... ?!


Goatscythe