Krokodile


‘From The Slimy Depths Of The Ocean...
Nature Explodes With Savage Fury!’


Originaltitel: Chorake (1981)
Regie: Sompote Sands Drehbuch: Kaum Was Da
Darsteller: Nat Puvanai, Tany Tim, Angela Wells FSK: 16


’Krokodile’ aka ’Der Killer Kaiman’ beginnt mit dem sprichwörtlichen Sturm im Wasserglas. Das Wasserglas ist hier ein kleines Wasser-Set, das mittels mächtigem Hin- und Herschütteln gewaltig ins Schwappen kommt und, ergänzt durch Tsunami-Archiv-Augfnahmen und einem Voice-Over (Vergewaltigung der Natur! Passt bloss auf, ihr Menschen! Diese Geschichte könnte wahr sein!), den Film passend trashig einläutet.

Neulich beim Kroko-Doc
Wie Mutter Natur so will, beschert man uns hier ein mutiertes Riesenkrokodil, das, nachdem es sich an Entchen und Affen überfressen hat, Menschen auf seine Speisekarte setzt. Das bekommen zuerst ein Doktor und sein Kumpel zu spüren, die mit Frau und Kind im Strandurlaub sind. Das Kroko macht sie zu Witwern und damit zu engagierten Croc Huntern, auch wenn die örtlichen Behörden zunächst eine Hai-Attacke vermuten (“Ein Krokodil im Meer?!“ “Ich weiß, es klingt absurd.“). Doch die beiden Männer bleiben eisern, schwadronieren im Vorbeigehen den halben Film zu Grunde und machen sich schließlich mit einem Fischer auf’s offene Meer, um dem Biest Einhalt zu gebieten…

“KROKODILE!“schreit es in dem köstlichen deutschen Trailer zum Film, der mich überhaupt erst auf dieses Machwerk thailändischer Genre-Kost gebracht hat.
Ihr kennt diese Situation: Geiler Trailer, schnelle Cuts, Riesenkroko macht alles nieder, eine Stimme schreit ununterbrochen den Titel; da muss ich zugreifen, was mach ich noch hier? Film beim örtlichen ’An & Verkauf’ für 2 Tacken besorgt, in die alte VCR-Leiermaschine eingeschmissen und auf die große Gaudi gewartet. Und dann das

Die unehrenhaften Erben von
Captain Ahab und Ned Land
Unbegabte Labertaschen die jede Spannung zunichte machen, Close-Ups auf Krokodil-Augen (ja, immer noch die beste Art, dem Zuschauer zu vermitteln, wie riesig das Vieh ist), und Archiv-Aufnahmen aus der Alligator-Fütterung im Zoo von Bangkok.
Auf der Habenseite: Mini-Sets, die zwar als solche zu erkennen sind, aber beim Angriff durch das Riesenkroko (in diesem Fall dann natürlich lediglich ein normal großes Croc, das in die Bauten geworfen wurde) fachgerecht zerstört werden (Godzilla und Gamera lassen grüßen) und ein riesenhaftes Papp-Krokodil, das auch schon mal (statisch) neben vier Büffeln plaziert wird, um zu zeigen: Schaut her, liebe Zuschauer; diese vier Büffel sind kleiner als das halbe Krokodil (dessen Augen des Nachts im Wasser leuchten wie zwei Zwillingssonnen).
Dazu ein paar abgetrennte Gliedmaßen, ein halbnackter Protagonist mit Hosenträgern, die vorne nur bis zur Brust gehen (wtf?!), schreiendes Volk, das in Panik die Stimmung hebt und ein Finale, welches das Krokodil schließlich auf hoher See (Badewanne) ein Motorboot (Spielzeug-Klasse) zerlegen und zum Flipper (Hopp, mach Salto!) werden lässt und somit dem Fass die Dauben sprengt.

Jaha, den Discovery Channel könnt ihr euch sparen.
Das wahre 'Wild Life' gibt's nur mit Covern wie dem obigen!

Fazit: ’Krokodile’ schwindelt schon im Titel, schließlich hat’s hier nur einen Schuppen-Killer und der entpuppt sich bald als ’Jaws’-Verschnitt übelster Machart. Was soll’s: Ein Strudel-schlagendes Gummi-Croc suhlt sich durch überflutete Sandmännchen-Sets… Wenigstens kann man drüber lachen.


Hudson