Ein Königreich vor unserer Zeit



Originaltitel: Wizards of the Lost Kingdom II (1989)
Regie und Drehhbuch: Charles B. Griffith
Darsteller: Mel Welles, Robert Jayne, David Carradine FSK:12


Das ist sie also, die Fortsetzung der ’85er Trashgranate ’Wizards of the Lost Kingdom’.
Und vertraut kommt uns auch schon der Einstieg in den Film vor.
Wieder mal schraubt Produzent Roger Corman Szenen aus vorangegangen Fantasyproduktionen zusammen, um einen einigermaßen stimmungsvollen Prolog zu fabrizieren. Eine Erzählerstimme berichtet von den Mächten der Finsternis, die das Land unterjochen, eine Menge drängelt sich schreiend durch die Gassen einer Kulissenstadt und Schwerter klirren! Hat sich also nicht viel getan.

Mit dem lustigen, dicken Wurzelpeter Kadmon, der laut Erzähler der letzte gutmütige Magier ist, bekommt der Film aber schon die ersten Sympathiepunkte.

"Finger weg! Du Suppenhuhn
hast hier gar nix zu melden!"
Sein Meister Vanir kriecht urplötzlich aus dem Suppenkessel und befiehlt ihm, den jungen Tyor zu finden. Wie? Ganz einfach, Tyor „trägt mein Zeichen in der Achselhöhle seines rechten Arms.“ Auf witzige Art und Weise macht sich Kadmon diese Information zu Nutze und findet Tyor (der leider völlig talentfreie Robert Jayne). Er klärt ihn über sein Schicksal als ’Auserwählter’ auf, der losziehen muss, um Ort X von Übel Y zu befreien. In diesem Fall die Welt von den drei Zauberern Loki, Donar und Zarz.
Tyor verabschiedet sich auf ’herzerwärmende Art und Weise’ von seiner Mutter („Pass auf dich auf!“ und weg) und lernt auf der Reise von Kadmon die Grundlagen der Hohen Magie (sprich Gummihühner und Schweineohren herbeizaubern).
Bald schon halten die Wanderer Einkehr in ein Wirtshaus, wo sie den berühmten ’Finsterer’ suchen. Dieser wird gespielt von David Carradine (der hier die Heldenrolle übernimmt, die Bo Svenson im ersten Teil hatte. Beide standen übrigens 14 jahre später für ’Kill Bill’ vor der Kamera).

Archiv-Massenschlachten...
Der Finsterer ist mittlerweile Wirt eben jener typischen Fantasyspelunke, trägt aber immer noch ein Schwert auf dem Rücken. (Daher ist auch das Spielchen mit Kadmon, auf Teufel komm raus seine Identität nicht preiszugeben, völlig unsinnig!)
Da er als Wirt aber nicht viel taugt und weder als Dekorateur (Kuhfelle an der Wand), noch als Gastegeber (Wer nicht die Schnauze hält bekommt ein Stiletto zwischen die Rippen) großen Erfolg hat, denkt er tatsächlich über das Angebot der Wanderer (nämlich sie zu begleiten) nach. Seine Antwort lautet letztlich: Nein!(!!)
Nach dieser innovativen Plotententscheidung, gönnte sich der Drehbuchautor erstmal eine Zigarettenpause und ließ Roger Corman das machen, was er scheinbar am besten kann: Geld sparen.
Und zwar, in dem er den Prolog (die gute alte Dorfplünderung) aus seiner ’85er Sandale ’Barbarian Queen’ einfach als Traumsequenz Tyors verwendet. Quasi ein feuchter Alpdruck mit Schreienden Menschen, Feuer und einer halbnackten Barbarenbraut.
Und wenn mann vom Teufel spricht…
Denn plötzlich ist auch Lana Clarkson da, die ihre Rolle der Amathea aus ’Barbarian Queen’ wiederholt. Das erklärt natürlich…eigentlich nichts!

...Schweine-Maske
&
Zeichentrick-Blitze...
Es stellt sich heraus, dass sie das Schwert von Ehrmann finden müssen (hier spare ich mir mal jeglichen Kommentar). Dieser Ehrmann befindet sich im Kerker von Loki, einem der drei bösen Zauberer. Dort angekommen finden unsere Helden u.a. auch drei Jungfern, eine lächerliche Version von Lon Chaneys Wolfsmensch (großzügige Beschreibung) und einen Schweinedämon (beide tragen übrigens Schlafanzüge). Mit der Hilfe Ehrmanns, der auf einmal Erman (sprich Örmen) heißt und ein ziemlicher Frauenheld ist, besiegen sie Loki und seine Schergen und zetteln draußen im Hof noch eine Revolte an (eine Szene, die wieder aus einem anderen Corman-Schinken reinkopiert wurde).
Auf geht’s zum nächsten der drei bösen Zauberer, namens Donar. Dieser Federboa tragende Strolch wird gespielt von Sid Haig, der auch in ’Kill Bill’ mitmischte (Tarantino muss wohl ein Fan dieser Streifen sein) und hier zu seinen
’Exploitions’ Wurzeln als fieser Weiberschläger zurückkehrt (Sie: „Ich hab Migräne!“ Er: (Peng!) „JETZT hast Du Migräne!“).
Gottseidank kann Tyor auch ihm und der Verführungs-Magie seiner ’Sexpriesterin’ beikommen. („Nein, du hintelistige Teufelin. Zeig mir wo das Schwert ist, oder ich spiesse dich auf, dass dir Hören und Sehen vergeht.!“
„Du bist so blöd. Du weißt gar nicht was du verpasst!“
„Wenn ich nur wüsste, was sie meint!“
„Hätt ich nicht gedacht. Er widersteht meinem Sex!“)
So macht sich die illustre Schar schließlich auf zu Zarz, dem letzten und übelsten der drei Schufte.

Herr Corman, was haben sie sich dabei gedacht?

...Killer-Glatze Sid Haig...
Nein, ich rede nicht von ihren üblichen Produktions-’Standards’, den billigen Effekten und wirklich hundsmiserablen Schauspielleistungen. Das alles macht ja Spass wie eh und je!
Auf was ich hier ’anspiele’ ist die bodenlose Dreistigkeit, nach Gutdünken ihre alten Filme auszuschlachten und komplette Szenen und Sequenzen als neuen Film zu verkaufen. Mindesten zwanzig Minuten Filmmaterial stammen aus ’Barbarian Queen’. Anfangs dachte ich noch, der Mann will ein großes Universum a la Tolkien schaffen, Querverweise einbauen, bekannte Charaktere zurückholen und so die Illusion einer komplexen, phantastischen Welt schaffen. Pustekuchen! Hier wird einfach nur geplündert, wo es gerade passt. Für einen Gelegenheitsglotzer mag das uninteressant sein, der sieht den Film als Einzelstück.
Aber ein Hudson der an der Filmhochschule 'Barbaristik’ und ’Fantasylehre’ studiert hat und demnach alle ’Corman-Sandalen’ auswendig kennt, kann ihm das einfach nicht durchgehen lassen.

Die Schauspieler (inklusive Carradine) sind noch schlechter als beim Vorgänger, lediglich Mel Welles als kauziger Kadmon hält den Zuschauer bei Laune. Auch die deutsche Synchro ist unprofessionell und lächerlich. Da sich Corman aber noch deutlicher als beim Vorgänger auf die Humorschiene gewagt hat, fällt das nicht wirklich ins Gewicht.

& D. Carradine mit Schwert!
Keine Frage, dies ist ein
ROGER CORMAN Streifen!
Vor allem die Kostüme unterstützen den Lachfaktor deutlich. So gliedert sich Zarz gut in den Pantheon der Bösewichter des Cormanschen Fantasy-Universums ein, da er genau wie der Finsterling des ersten Teils (Shurka, wir erinnern uns) ein Fledermaus-Käppi trägt (mit Verlaub, sogar ein noch fledermausigeres Käppi). Zur restlichen Aufmachung nut so viel: Nie zuvor sah man Darsteller so bemüht den Kontakt mit Kulissen meiden, aus Angst sie umzukippen. Gummimonster sind natürlich auch wieder mit von der Partie. Der ’Finsterer’ zum Beispiel kämpft in Zarz’ Kerker gegen ein Monster, dass ich hier aus Mangel an Alternativen ein riesiges Spinnenoktopusgebiss nennen möchte.
Carradine ist es dann auch, der uns mehr als jeder andere die Dialogperlen des Drehbuchs präsentiert („Erinnert sich noch jemand an den Beschützer?“ „Dieses Monster wurde vor Jahren von den vereinigten Helden getötet.“
„Aber es existiert ein Zwillingsbruder, irgendwo da unten im Kerker!“)
Und über die Musik möchte ich lieber den Mantel des Schweigens hüllen…ach was soll’s: Sie ist erbärmlich und hört sich an, als würde ein sehr unmusikalischer Mensch in eine Giesskanne blasen.

Zum Finale lachen dann selbst die Hühner (wenn sich Corman welche leisten konnte), als doch tatsächlich der Höhepunkt aus ’Das Imperium schlägt zurück’ kopiert wird („Füge dich dem Unvermeidbaren!“) Am Schluss ist natürlich alles wieder gut und es werden noch die Jubelszenen aus ’Barbarian Queen’ reingeschnitten! Wenigstens wird die gute Amathea letztlich zur Königin ernannt. Eine Ehre, die ihr in ’Barbarian Queen’ (trozt offensichtlicher Andeutung im Titel) verwehrt blieb. Und mit dem Satz „Sie müssen weiterziehen in das Land hinter den Bergen, wo noch immer der heilige Widder wartet!“ ist auch der Grundstein für eine Fortsetrzung gelegt. Ich bin gespannt.

Bis dahin möchte ich mich mit Tyors letztem Zaubespruch verabschieden, der Spruch, der am Ende das Böse verschwinden ließ: „Weg ih, Weg ih, Ecki!“ Haha, stimmt!

Hudson