Knochenbrecher im Wilden Westen

aka

Karate Jack – Ich bin euer Henker

aka

Der Mann mit der Kugelpeitsche


‘One Man Stands Alone In His Fight For Justice’


Originaltitel: Mio nome è Shanghai Joe, Il (1972) Regie: Mario Caiano Drehbuch: Carlo Alberto Alfieri, Fabrizio Trifone Trecca & Mario Caiano
Darsteller: Chen Lee, Klaus Kinski, Gordon Mitchell FSK: 18


“Gutbügel weiterhin!“

SCHAWÄÄÄNG!
’Knochenbrecher im Wilden Westen’
aka ’Karate Jack – Ich bin euer Richter’
aka ’Der Mann mit der Kugelpeitsche’

Ja was denn nun? Einfach alles!

Der Knochenbrecher/Karate Jack/Mann mit Kugelpeitsche, ein chinesischer Immigrant, der auch unter dem Namen ’Shanghai Joe’ (Chen Lee) bekannt ist, hat sich das ’Land der unbegrenzeten Möglichkeiten’ sicher anders vorgestellt. Unbegrenzt ist hier nämlich nur die unmögliche Art der Weißen, die allesamt Rassisten, Brutalos und Idioten sind.

"No born in USA? Bad for you!"
Joe will nach Texas wird aber vom Kutscher in irgend einem Kuhkaff abgesetzt (“In der Großstadt verkaufen sie dich nur als Kanarienvogel!“). Auch die restliche Bevölkerung ist alles andere als freundlich zu dem Neuankömling. Als es drei Halunken in der Kneipe zu weit treiben, sehen wir zum ersten mal, dass mit dem ’Gelben’ (wie er geschmackloserweise von allen genannt wird) nicht zu Spassen ist.
Auch bei seinen Versuchen, als Cowboy Anstellung zu finden, macht er sich keine Freunde (und das obwohl er rückwärts von drei Meter Distanz auf ein Pferd springen kann!) und jeder Job endet mit einer Keilerei, bei der die ungehobelten Bleichgesichter eins auf den Hut bekommen. (“Übrigens, wenn du ein paar Zähne brauchst… da hinten liegen ein paar Dutzend rum!“)
Als ihn ein paar zwielichtige Halunken zum ’Viehtrieb’ anheuern, glaubt er zunächst, einen guten Verdienst gefunden zu haben. Bald stellt sich jedoch heraus, dass es sich bei dem ’Vieh’ um mexikanische Sklaven handelt, die beim ersten Anzeichen von Soldaten auch gleich von den Widerlingen abgeknallt werden. Als Joe sie aufhalten will, nehmen sie ihn gefangen und schmeißen ihn mit dem wildesten Stier von ganz Texas in eine Arena. Doch der Asiate ist zäh wie Leder. Er entkommt und beginnt, in den Reihen der Schurken aufzuräumen. Aber auch die Herren mit der weißen Weste und dem Teer in der Seele bleiben nicht untätig und heuern die berüchtigsten Killer (u.a. Pedro, den Kannibalen und Klaus ’Skalp-Jack’ Kinski) an, um dem ’Gelben’ den Garaus zu machen…

Eingelocht!

Regisseur Mario Caiano (ein ehemaliger Weggefährte von Sergio Leone, welcher ihn auch mit Hauptdarsteller Chen Lee bekannt machte) wollte das beste aus zwei der damals populärsten Genres (Spaghetti-Western und Chop-Suey-Wuxia/Handkante/KungFu-Flick) zusammenschmeißen und den Anhängern dieser Gattungen geben, wonach sie schon lange lechzten.
Er suchte einen guten chinesischen Schauspieler für die Hauptrolle und fand einen Japaner mit chinesischem Namen. Chen Lee passt dennoch ganz gut in die Schuhe des stoischen Titelhelden, auch wenn er weder die Austrahlung eines Clint Eastwood, noch die Grazie eines Bruce Lee oder die Agilität eines Jackie Chan vorweisen kann.

Unser Klausi macht
mal wieder den Clown!
Die anderen Figuren sind genretypisch urig, Klaus Kinski (’Leichen pflastern seinen Weg’) wie immer eine Augenweide. In einer Nebenrolle ist auch Gordon ’She’ Mitchell zu sehen.
Die Art und Weise wie hier mit dem ’Mythos Amerika’ umgegangen wird, ist allerings mehr als fragwürdig. Kurz gesagt: Die Amerikanischen hust*Ureinwohner*hust sind ausnahmslos dumme, widerliche Schweine und Fremden-Hasser, die nur Spott und Hohn für den Chinesen übrig haben. Die Autoritäten sind ignorant und korrupt und 30% der Bevölkerung besteht sowieso nur aus psychopathischen Killern. Die einzig ’Guten’ sind die Unterdrückten, in diesem Fall arme Mexikaner, sodaß der ziemlich brutalen Gewalt auch ein gerechtfertigendes Pathos im Nacken sitzt. (“Dieses Amerika kannst du dir an den Hut stecken!“)
Geschossen und geprügelt wird zwar reichlich, doch verfügt Chen Lee, wie bereits erwähnt, nicht über die körperlichen Fähigkeiten der ’Eastern-Asse’, hat aber trotz allem eine Art ’Pai Mai’ - Ausbildung hinter sich, die seinen Körper „…zugleich geschmeidig und stahlhart…“ machte.
Schön sind auch die depperten Sprüche, die hin und wieder gerissen werden (“Vorsicht, gleich tropft ihnen der Rassenhass aus den Nasenlöchern!“) und noch viel schöner ist die Musik, die sehr nach Morricone klingt, aber erstaunlicherweise von einem seiner Nebenbuhler, Bruno Nicolai (’Caligula’), ist.

Bei Männern, die den Rasierpinsel im Haupthaar tragen gilt: VORSICHT!

’Der Mann mit der Kugelpeitsche’ ist ein verdammt launiger, zuweilen bizarrer, und reichlich reißerischer Trip über Eastern/Western Genre-Grenzen. Wer gerne mal einen japanischen, milchtrinkenden (dachte immer, die halten das für widerliches Teufelszeug?!) Chinesen in Schlag-Jeans, sehen will, der mit bloßer Hand Augen ausreißen kann, der braucht jetzt nicht weiter zu suchen.

Hudson