Die Rückkehr des King Kong

aka

Schlachtfest der Giganten

aka

King Kong gegen Godzilla


‘The Two Mightiest Monsters Of All Time!’


Originaltitel: Kingu Kongu tai Gojira (1962)
Regie: Ishirô Honda Drehbuch: John Beck, Bruce Howard, Paul Mason, Willis H. O'Brien, Shinichi Sekizawa & George Worthing Yates
Darsteller: Tadao Takashima, Kenji Sahara, Yu Fujiki FSK: 18


“Es gibt mehr Dinge im Himmel und auf Erden, als unsere Schulweisheit sich träumen lässt!“ Irre, wenn die TOHO-Studios schon englische Dichterfürsten zitieren, können Kaiju-Fans sicher sein, dass sie etwas Großes erwartet.

Und siehe da: Der Film braucht erfrischend wenig Zeit, um in Fahrt zu kommen. Zehn Minuten nach dem Shakespearschen Anpfiff treibt good ole ’Big G’ in seinem halbaufgetauten Eisberg wohin? Genau: Nach Tokio. Dort angekommen gibt es gleich eine Kostprobe seines Könnens. Panzer fahren auf, Gebäude werden zertreten, Menschenmassen fliehen … ich bin zu Hause! Doch das ist alles nur Vorgeplänkel, denn jetzt sind wir auf der Reise zum japanischen Äquivalent von ’Skull Island’. Ein Pharmakonzern hat nämlich Wind davon bekommen, dass dort eine Frucht wächst, die heilsame Kräfte freisetzt.

Mensch, geht aus'm Bild!
Wir wollen Kingu Kongu sehn.
Also schickt man eine kleine Delegation auf die Insel, um abzuernten. Braun geschminkte Japaner, die als Eingeborene herhalten müssen, sind schnell mit handelsüblichem Tand beruhigt, doch auf der Insel wohnt noch etwas anderes (“Ein lebender Gott. Ich habe mir seinen Namen aufgeschrieben. Er lautet King Kong!“). Indeed, King Kong, der König des Dschungels, von dem der Expeditionsleiter meint, er wäre nur so groß, weil er zu viel von den Wunderbeeren genascht hätte. Zu Promozwecken soll der Riesenaffe nun ebenfalls nach Japan transportiert werden. Kurz vor der Ankunft im Heimathafen geschieht dann jedoch das Unvermeidliche: King Kong kann fliehen. Doch er ist ja nicht das einzige Riesenmonster vor Nippons Küste! Was nun kommt, sollte jeder halbwegs geschulte Monsterfan wissen...

“Experten glauben, dass die beiden Urwelttiere sich über hunderte von Kilometern wittern können. Und da mit großer Wahrscheinlichkeit ein instinktiver Hass zwischen Vertretern so verschiedener Rassen besteht, ist es möglich, dass wir Zeugen eines gigantischen Kampfes zwischen King Kong und Godzilla werden!“

Da da da Dam!
Möglich? MÖGLICH!?! Es ist verdammt nochmal huntertprozentig SICHER, dass wir den zu sehen bekommen, denn genau deshalb sind wir ja hier und genau das kriegen wir dann auch. Ishiro Honda schaffte es 1962 einmal mehr (und zum ersten Mal in Farbe), sein beliebtes Riesenmonster spaß- und fachgerecht auf den Schirm zu bannen. Die Entstehungsgeschichte dieses Films ist recht interessant. Willis O’Brien (das Trick-Genie hinter dem Original-’Kong’ von 1933) hatte in den 50er Jahren die Idee für ein weiteres ’King Kong’-Sequel. Dabei sollte es der Riesenaffe mit einem riesigen, aus Tier-Kadavern bestehenden ’Frankenstein’-Monster aufnehmen. Als die Idee von keinem US-Studio angenommen wurde wandte sich der Produzent an die TOHO-Studios, die daraufhin das vorliegende ’Schlachtfest der Giganten’ produzierten.

Brutzel, brutzel!
Der Film hat alles, was ein Kaiju-Classic benötigt. Und das sind neben riesigen Gummimonstern und der Musik von Akira Ifukube (die verdächtig nach dem ’This Island Earth’-Score klingt) natürlich überagierende Nippon-Akteure, die zappeln, glotzen und sabbeln (“Godzilla ist der reinste Flammenwerfer. Er röstet King Kong!“) was das Zeug hält. Dem geneigten Zuschauer dürfte das Zuschauen dieser Pappenheimer mindestens genau so viel Spaß bereiten, wie die zahlreichen Methoden, die von den Menschen erdacht werden, um die Monster zu manipulieren/stoppen/überwältigen. Dabei haben die zwei Herzchen doch genug mit sich selbst und der japanischen Modelleisenbahn-Landschaft zu tun. Die Kostüme beider Monster sind so trashig designt, dass einem allein beim Zuschauen schon das Bier warm wird.

"Schneller, schneller!"
King Kongs Fellbelag ist dem darunter steckenden Schauspieler eindeutig zu groß (Die Arme! Die Arme!!!) und wenn die Beleuchtung an den Nacht-Sets (nicht) stimmt, sieht Godzis Kopf aus, wie die Omme von Kermit dem Frosch.
Die anderen Tricks passen sich diesem liebenswerten Schrott-Niveau perfekt an. So wird beispielsweise der Angriff eines ’Riesen’Kraken auf das Eingeborenen-Dorf mit Hilfe von Rückprojektion dargestellt, was auf der einen Seite zwar sicherer für die Protagonisten ist (denn, diese Riesenkraken können die Pest am Arsch sein, das sag ich euch;), auf der anderen Seite allerdings immer dann nur allzu deutlich wird, wenn die Protagonisten Fackeln, Speere und andere Wurfgeschosse gegen die ’Leinwand’ werfen. Und spätestens, wenn der schlafende King Kong von drei Hubschraubern und einem Bündel riesiger Luftballons durch die Pampa gehebelt wird, bleibt kein Auge trocken.

“Wir wollen die Stadt verlassen.“
“Warum? Ist etwas passiert!“
“Godzilla!“

I love Kaiju! How about you?

’Die Rückkehr des King Kong’ ist nur der erste in einer Reihe von vielen TOHO-Schmuckstückchen, die man einfach lieben muss. Ich tu’s und ihr solltet dem ’Schlachtfest der Giganten’ wenigstens eine Chance geben!


Hudson