König Salomons Schatz


‘The story of a fantastic journey
into the heart of Africa a century ago...’


Originaltitel: King Solomon's Treasure (1979) Regie: Alvin Rakoff
Drehbuch: H. Rider Haggard, Allan Prior & Colin Turner
Darsteller: John Colicos, Britt Ekland & Patrick Macnee FSK: 12


Makeshift Matte Painting Motion Pictures Presents:

Neulich im Gentlemen's Club der kolonialen Obrigkeit: Statt aus Senftüten zu schlürfen und Wittgenstein zu zitieren, säuft Grummel-Opa Rahmenhandlung den Portwein leer und besinnt sich zurück auf die umwerfenden Unternehmungen Allan Quatermains.
Eine Rückblende später sehen wir eben jenen stattlichen Frührentner der abenteuerlichen Unterhaltung im afrikanischen Busch einen Eingeborenen abknallen, weil er diesen für einen Geparden hält.

SORRY!

Unter dem gefleckten Tierprint-Poncho findet Quatermain bei seinem Opfer ein Medallion, das er flugs mit in die Heimat zum Beratungs-Palaver nimmt (schon wieder ’ne Szene im Gentlemen's Club).

Et is noch Suppäh daaa!
Das Lokalitäten-Hin-und-Her wird durch eine weitere Reise in den Busch perfektioniert, diesmal in Begleitung des stoffeligen Sir Henry Curtis (David McCallum, ’Gesprengte Ketten’ ’Solo für O.N.C.E.L.’) und des etwas weniger stoffeligen Captain Dingenskirchen (Patrick Macnee, ’Mit Schirm, Charme und Melone’ ’Don’t Look Back in Anger’), die wohl genug von Earl Grey, Snooker und Arschbreitsitzen haben und dem Ruf des Fernwehs folgen.
Es dauert nicht lange, bis man in Afrika erneut auf wild gewordene Hindernisse in Lendenschürzen trifft, jedoch durch freundliche Stammesgenossen des einheimischen Supermackers Umslopogas (Ken Gampu, ’Die Götter müssen verrückt sein’) aus der Bredouille geknüppelt wird, nachdem die Hälfte der Expedition niedergemetzelt und das Geschehen durch eine anachronistische Explosion aufgelockert wurde. Gerade als ein blondes Nutella-Mädel und ein dicker, lustiger Koch zur völlig überflüssigen Comic-Relief-Erweiterung auftauchen und ich mich frage, weshalb mir dieser bis dahin eher ermüdende Aufguss der Quatermain-Saga von den üblichen Verdächtigen empfohlen wurde, taucht es auf:

Das erste Gummimonster!

Und Freunde, da packt’s mich wie Pawlow ihm sein Hund.
Ich meine, ich könnte mich auf den Streifen auch einlassen, wenn seine Figuren mir irgendetwas zum Kauen gäben, aber die größten Konflikte in ’König Salomons Schatz’ scheinen der Achselschweiß der britischen Gents und die vorzeitige Deflation des Reise-Soufflés zu sein. (Letzteres ist Austauschgut gegen einheimische Boote.) Und dass keiner weiß, was er zum Dinner in der Verbotenen Stadt ™ anziehen soll (Zitat).

“Sie haben nicht mal Camembert!“ (noch’n Zitat!)

Da klammere ich mich dann ruhig auch an die ulkige Darstellung falscher Riesenschlangen, echter Leistenkrokodile und charmanter Knetsaurier, die von Regisseur Alvin Rakoff (’Deathship’) nebst wackeligen Riesenkrabben und mit Iro-Applikationen vollgekleisterten Riesenleguanen auf die Expedition loslässt. Weniger elegant sind die wabernden Rückprojektions-Umrisse, die immer wieder auftauchen, wenn unsere Helden vor mächtig gewaltigen Fantasielandschaften umherstolpern. Okay, okay; es sind größtenteils nur schicke Naturaufnahmen, aber der blaue Schimmer um die Wampe von Koch Fettleibix fällt einfach auf.

There's a quite some walking, dancing and catastrophe...ing in this flick.

Nicht so wild, nicht so schlümm, folgt doch hernun die geheimnisvolle Stadt am Arsch der Welt, am Fuße eines Vulkans und inmitten eines Grabens voll mit Giftschlangen. Oder um es mit Quatermain zu sagen: “Die wissen, wie sie sich verteidigen.“
Hier wartet die längst vergessene Dynastie der Phönizier auf Asterix unsere Helden, welche sie mit offenen Armen, und im Fall der blonden Königin (Britt Ekland, ’The Wicker Man’), mit gespreizten Beinen erwarten. Dass die Matriarchin sich ausgerechnet an den tuckig synchronisierten Sir Curtis ranschmeißt, sorgt für fragende Gemüter, leere Gläser und amüsierte Zuschauer.

Yeah, no comment, huh?

Die bereits erwähnten Defensivmaßnahmen der Stadt hat’s natürlich nicht umsonst. Hier wartet nämlich König Salomons Goldschatz, der von einem machtgierigen Priester bewacht wird… hey Moment mal, kommt mir das nicht irgendwie bekannt vor?
Ganz recht, oh aufmerksamer Flausenleser: In diese Verfilmung des beliebten Stoffes von H. Rider Haggard, wurden nämlich Elemente aus diversen Quatermain-Büchern gepackt. Unter anderem auch aus jenem, das acht Jahre später als Grundlage für den zweiten Teil der Verfilmungen mit Richard Chamberlain und Sharon Stone diente. Hier spielte Henry Silva den Hohepriester und auch wenn der seiner Zeit eher durch zauselige Sperenzchen irritierte, fehlt dem vorliegenden Streifen genau so etwas in der Darstellerriege. Jemand, der heraussticht.

Dicke weiße Friedenstaube,
Ruder übern Seeeeee
Macnee und McCallum sind gelinde amüsant, wenn auch nie fern vom Rande der Zuschauerbelästigung und der großartige Ken Gampu, der schon in meinem Survival-Favoriten ’Der Todesmutige’ den noble savage zum Besten gab, hatte in der Rolle des Umslopogas beim nachfolgenden Streifen von 1985 (Teil 1 mit Chamberlain und Stone… kommt ihr noch mit?) wesentlich mehr zu bieten.
Was mir hier am wenigsten gefällt, ist die Darstellung/Vernachlässigung der Hauptfigur. Allan Quatermain ist in seinem eigenen Streifen nicht etwa leading man oder gar Rampensau, sondern eine Nebenfigur, die mit Flinte und fieser Fresse die Fisimatenten seiner Begleiter verteidigt.
Dabei will ich es den Machern nicht einmal ankreiden, mit John ’Kor’ Colicos einen eher angerostet wirkenden Knollnasen-Onkel mit schütterem Haar und furchiger Visage für die Rolle engagiert zu haben. Wenn es so etwas wie einen Quatermain gab, sah er höchstwahrscheinlich genau so aus und nicht wie Stewart G., Richard C. oder gar Patrick S.: Gelebt, zerfurcht und mit einer gewissen No-Bullshit-Attitude. Aber Colicos macht gar nichts draus, bleibt kaum beachteter Stichwortgeber und das Bemerkenswerteste an ihm ist letztlich die trashige Tierprintschleife, die seinen Hut ziert.

DON'T BOTHER THE SNAKES!

Gesponsert wurde die Abenteuer-Mische aus seichten Dialogen, Pappmaschee-Armageddon und elastischer Juckel-Menagerie aus der schmalen Talertasche Harry Allan Towers’, seines Zeichens Rechteinhaber diverser Franchises (u.a. ’Sumuru’ & ’Fu Man Chu’) und Movie-Mogul mit Händchen für preiswerte Schundverfilmungen (’Gor’). Trotz des offensichtlichen Geldmangels und der gemächlichen ersten Hälfte, die lediglich von erwähnten Kautschuk-Bedrohungen unterwandert wird, wuchtet der Film schließlich mit unterhaltsamem Budenzauber vor prächtigen Swasilandschaften und explodierenden Styropor-Neubauten ins verdiente 80-Minuten-Ziel. Das mag nach halbherzigem Lob klingen, aber für eine Unternehmung ins Zauberland der afrikanischen Phönizier in römischen Rüstungen am Rande des Pudding-Vulkans von Popopappeknetel ist das nur recht und vor allem billig.


Hudson