King Kobra



Originaltitel: Jaws of Satan (1981)
Regie: Bob Claver Drehbuch: James Callaway & Gerry Holland
Darsteller: Fritz Weaver, Jon Korkes, Gretchen Corbett FSK: 18


Es fährt ein Zug nach Nirgendwo. Drin sitzen Tiertransporteure mit einer Kobra im Gepäck, die mehr als nur zwei Giftzähne zu bieten hat. Dieses Biest ist ein entfernter Verwandter der berüchtigten Hypnose Kröte und sorgt gleich zu Beginn dafür, dass eines ihrer Herrchen freiwillig aus dem Zug springt. Auch der zweite Mann und der Rest des Zugpersonals sind bald hinüber und so stoppt der Zug dann auch schließlich genau da, wo er auch hinwollte: Im Nirgendwo. Nirgendwo ist eine amerikanische Kleinstadt mit den typischen Tierhorror-Bewohnern: Ein Pfarrer, eine Ärztin, ein auf’s Geschäft versessener Bürgermeister, eine Wahrsagerin und etliche Backwood-Deppen. Nachdem einige Exemplare der letztgenannten Gattung durch Schlangenbisse getötet werden, schickt die nette Dr. Sheridan nach dem Schlangen-Profi Dr. Hendrix, der sich zwar gleich in sie verkuckt, jedoch nichts außergewöhnliches an dem Fall findet. Aber die Toten häufen sich und so wird Pfarrer Farrow, der gerade in einer Glaubenskrise steckt, von der örtlichen Kaffeesatz-Leserin auf eine prophetische Mission geschickt…

“Was wir brauchen ist ein Haufen Schlangenjäger. Die machen den Wald schon leer.”

Schlangen und Frauen...
Was wohl die Kirche dazu sagen würde?!

So sehr ich es auch versuche, ich kann mich einfach an keinen ’Schlangen greifen Menschen an’-Streifen erinnern, der mir je wirklich gefallen hat. Sicher, die schlüpfrigen Biester gehören zu den meistgehassten Kreaturen und einige von ihnen können auch bannich gefährlich werden. Dass jemand also einen (oder auch zwei, oder drei…) Film daraus macht, mag zwar im Zuge des Tierhorror-Hypes der Siebziger und Achtziger finanziell nicht unklug gewesen sein, ist jedoch beinahe immer in die Hose gegangen (mal abgesehen von dem Streifen mit Klaus Kinski und der schwarzen Mamba). Das liegt vor allem auch daran (und ich bin es selbst leid, diesen Quatsch in jedem zweiten Tierhorror-Review zu erwähnen), dass auch ’King Kobra’ an dem uralten, zu Tode getretenen Schema F krankt, das die Protagonisten früher oder später immer zu ein und demselben Dialog führt:
“Würden sie wenigstens die Bevölkerung warnen?“
“Je weniger die Bevölkerung weiß, umso besser für sie.“
“Sie wissen, wie gefährlich die Schlangen sind!“
“Ich gehe dieses Risiko ein.“

"FREVEL!"

Da helfen auch weder der verliebte Herpetologe (furchtbar synchronisiert: Jon Korkes, ’Syngenor’), noch Pfarrer Fritz Weaver (’Schwarzer Sonntag’), für den die Mission gegen die ’Jaws of Satan’ (Originaltitel) persönlich wird, als ’King Kobra’ seinen greisen Mentor anknabbert.
Leider bleibt die Ergänzung des übernatürlichen Faktors eine halbgare (mit reichlich bescheuertem Ausgang) und auch die Love Story zwischen den beiden Wissenschaftlern ist von recht unpassenden Dialogen (“Großartig, machst wohl alles mit Liebe. Sogar die Brötchen.“) und noch unpassenderen Szenen (Stichwort: Backpfeifen-Austausch) gebeutelt. Immerhin ist Pfarrer Farrow der erste Tierhorror-Protagonist, der auf die ewig gleiche Drohung des *hier bitte den, die wirtschaftlichen Interessen einer Kommune vertretenden, Funktionär ihrer Wahl eintragen*, er würde im Falle der Panikmache eingelocht werden, mit der berechtigten Frage: “Unter welcher Anklage?“ beantwortet. Als Gegenantwort kommt natürlich: “Da fällt mir schon was ein.“ (Des Tierhorror-Scripte verfassenden Drehbuchautors Antwort auf alles!)
Erwähnenswert ist auch, dass dieser Film das Leinwand-Debut von ’Dumpfbacke’ Bundy, Christina Applegate herself, beschreibt und die Produktion (leider) keine (erkennbaren) Gummischlangen, sondern nur echte, lebende Exemplare engagierte.

Kobra, überneh... Schon gut, ich lass es.

Bleibt letztlich nur noch das (im Bereich des Tierhorror von mir allzu oft) ausgesprochene Abraten vom Konsum dieses (immerhin optisch brauchbar inszenierten) Machwerks. Oder um es mit Barry White zu sagen “Don’t bother the snakes! Leave aaaaaall the snakes alone!“


Hudson