Die Killer-Akademie


‘Extermination is not just a business. It's a way of life.’


Originaltitel: Crimewave (1985)
Regie: Sam Raimi Drehbuch: Ethan Coen, Joel Coen & Sam Raimi
Darsteller: Reed Birney, Paul L. Smith, Brion James FSK: 12


Als Sam Raimi-Fan muss man sich natürlich früher oder später mit allen Werken des Regieteufelchens befassen (obwohl, ’Aus Liebe zum Spiel’ spar ich mir dann doch für’s Rentenalter auf) und so ergatterten meine filmgierigen Grabbeln endlich ’Crimewave’ aka ’Die Killer-Akademie’, Raimis Zweitwerk von 1985.

Crimewave
’Crimewave’ (bleiben wir bei diesem Titel, denn eine ’Killer-Akademie’ war hier nirgends zu finden) ’handelt’ von … ja wovon eigentlich?
Die Story wird rückblickend von Vic erzählt, einem nerdigen Losertypen, der gerade die ’Grüne Meile’ der ’Hudsucker Penitentiary’ zum Elektrischen Stuhl antritt. Vic ist unschuldig, was uns in der folgenden ausführlichen Rückblende gezeigt wird. Er hatte nur das Pech, zur falschen Zeit an die falschen Typen zu geraten. Als da wären: Ein durchgedrehtes Killer-Pärchen (Brion James & Paul L. Smith), ihr Opfer (der Eigner eines Geschäfts für Einbrecher-Warnsysteme) und ihr Auftraggeber (der Partner des Eigners)…

“Euch miesen Typen werd ich jetzt den Matsch aus der Fontanelle hauen!“

Der Name der Strafanstalt deutet schon darauf hin, dass hier auch die Coen Brüder am Werk waren, die ja damals mit Sam Raimi das eine oder andere Süppchen gemeinsam kochten. Hier, so muss ich bei aller Liebe zu Raimi und den Coens zugeben, haben sie sich reichlich verkocht.

Shockwave
Man merkt schon nach wenigen Minuten, dass es sich bei dem Film um typisches Coen-Material handelt. Klar, die Brüder haben (mit Raimis Zuarbeit) schließlich auch das Script verfasst. Warum in aller Welt, haben sie dann aber nicht einfach auch gleich die Regie übernommen und stattdessen ihren vor visuellen Ideen überschäumenden Kumpel Raimi auf den Stuhl mit dem Namen hinten drauf gelassen? Nun möge der eine oder andere denken ’Wieso, Script vonne Coens, Regie vom Sam, was will der denn? Klingt doch spitze?’ Ja, das klang es auch für mich. Wer aber den Film gesehen hat, wird zugeben müssen, dass Raimis ’Stooges’ Humor, die comicartigen Soundeffekte, der Slapstick und der optische Wahnwitz einfach nicht zur ’Coen-lastigen’ Story um Gangster, Nepper, Verlierer & Bräute passen. Es fühlt sich einfach falsch an!
Zudem lässt ’Die Killer-Akademie’ eine stringente Handlung schmerzlich vermissen. Gags werden aneinandergereiht, Protagonisten wechseln im 10-Minuten-Takt. Um durchzublicken, was hier eigentlich vor sich geht, sollte man den Film am besten zweimal sehen (was bei einem Raimi-Film besonders komisch ist, nicht dass ich ihm nicht eine 2. Chance geben würde!)

Hairwave
Die zentralen Auftritte von Paul L. Smith (’Dune’) und Brion James (’Blade Runner’) als völlig durchgeknallte Auftragskiller (’We kill all sizes’) variieren zwischen amüsant und anstrengend. Bruce Campbell haut ganz ordentlich auf die Kacke und verfeinert seinen schmierigen Ladykiller Renaldo mit Grimassen und Sprüchen wie “Hey, Baby. Warum kommst du nicht mit auf meine Bude. Auf ’nen Scotch mit Sofa?“.
Eigentlich sollte uns’ Bruce die Hauptrolle spielen, aber clevere Produzenten waren der Meinung, Pappkopp Reed Birney (der danach in der TV-Versenkung verschwand) eigne sich besser dafür. Zugegeben, den Nerd spielt er überzeugend, aber the Bruce hätte diese Herausforderung mit Bravour gemeistert. Dieselben cleveren Produzenten ’untersagten’ Sam Raimi übrigens auch die Zusammenarbeit mit seinem Cutter Kaye Davis und seinem Leib- und Magen-Komponisten Joseph DeLuca (’Evil Dead’, ’Army of Darkness’). Damit ist womöglich auch der ungezügelt komikhafte Score zu erklären.
Die Stärken des Films liegen voll und ganz auf Seiten der visuellen Brillianz des Regisseurs. In Sachen Optik-Tricks, bei irren Kamera-Fahrten und cleveren Effekt-Aufnahmen macht Raimi keiner etwas vor und seine Fantasie ist schier grenzenlos. Hier kann er sich zum ersten Mal so richtig schön austoben und schon alleine dafür ist ’Crimewave’ einen Blick wert.

Ähm... Nockenwave?

Insofern sehe ich den Film als technische Fingerübung für die darauffolgenden Meisterwerke, in denen Sam Raimi dann auch wieder sein eigenes Süppchen kochte und in seinem Metier werkelte. Raimi-Komplettisten können ’Crimewave’ natürlich nicht umgehen. Mein Fazit: Eigenartig zusammengewürfelte Klamotte, mit herrlich visuellem Budenzauber und ein paar schrägen Performances beliebter B-Stars, aber zum Filmgenuss nur bedingt geeignet.


Hudson