Keeper of Time


‘Let the adventure begin.’


Originaltitel: The Keeper of Time (2004)
Regie: Robert Crombie Drehbuch: Eugene Efuni FSK: ungeprüft (Rated PG)
Darsteller: Michael O'Hearn, Adam T. Dawson, Alexander Parker


Als sich Roger Corman und seine Company ’New Concorde’ anno 2004 dazu entschlossen, keine neuen Filme mehr zu produzieren und sich nur noch auf den Verkauf der zahlreichen Titel ihres umfangreichen Kataloges zu beschränken, nutzte der erfolgreiche Produzent einmal mehr seinen ausgeprägten Geschäftssinn.
Zeitgleich mit der ’Herr der Ringe: Rückkehr des Königs’-DVD erschien ’The Keeper of Time’ (im Gegensatz zu PJs Meisterwerk Straight-to-DVD), ein Fantays-Filmchen, das sich (ähnlich dem 2003 veröffentlichten ’Todesjäger’-Remake ’Barbarian’) nicht von ungefähr an das große Vorbild anlehnte und für Corman noch einmal gewinnbringende Konsequenzen nach sich ziehen sollte.

Random Castle of Evil™

In der ’Post 2000’-Version von Roger Cormans Fantasy Universum (nennen wir’s mal Cormania), einem Land vor unserer Zeit, als es noch Drachen (aus Budget-Gründen gestrichen) und tapfere Helden (die sind dabei) gab, lebte einst ein böser Zauberer namens Tor, der alle Jünglinge mit potentieller Magiebegabung von seiner Killerfee Alosia dahinmeucheln ließ, um als einziger die Trophäen diverser Wizardry-Wettbewerbe abstauben zu können.

Klop, Klop, der Mob
Alosia gelingt es, beinahe alle zukünftigen sogenannten ’Keeper of Time’ (warum auch immer, die Zeit wird hier weder gehütet, noch manipuliert) zu töten. Nur der junge Tim überlebt ihren bösen Giftapfelanschlag, der jedoch seine Eltern ins Grab schickt. Beschützt vom California-Dreamboy Krieger Bullrock (Michael ’Barbarian’ O’Hearn) und im Magie-Grundkurs unterwiesen vom glatzköpfigen Zauberkoch Udo führt Tims Weg vorbei an vielen… nun gut einigen Gefahren, bis hin zum Schloss des weisen, weißen Zauberers Martirus, der dem letzten ’Keeper auf Time’ einen Plum-Pudding kocht und ihm beibringt, wie er den bösen Tor besiegen kann…

“Close your eyes and look inside. What do you see?“
“Nothing, my eyes are closed.“

"Ja, schau ihn genau an. Wenn du immer deinen
Kohlrabieintopf aufisst, wirst auch du eines Tages so aussehen!"

Wenn ‘Barbarian’ Cormans ’Deathstalker’-Remake war, dann ist ‘Keeper of Time’ eine Neufassung von ‘Wizards of the Lost Kingdom’. Nur leider ohne Trashmonster und vor allem ohne Gulfax und hier kommen wir dann auch zu meinem Hauptkritikpunkt an diesem ’Herr der Ringe’-Nachschuss. Cormans Fantasy-Filme waren bis zuletzt vollgestopft mit skurrilen Gestalten, absurder Hackepeter-Action und Frauen mit großen Augen.
Hier beschränkt man sich auf schicke Landschaftsaufnahmen (trotz billig wirkender Video-Optik), harmlose Schwertfuchteleien und kindgerechtes Magie-Gedöns.

"Und den Plumpudding nicht
vergessen! Dann bekommst
du auch einen großen ...äh..."
Der mehrmalige Mr. Universe Michael O’Hearn glänzt mit tumben Dialogen (“Who are you?“ “Your only chance to live.“), ausdrucksloser ‘Mens Health’-Cover-Fresse und gestähltem Chippendale-Body. Putziges ‘Comic-Relief’ durch Einweg-Akteur Adam T. Dawson und das zentrale Zauberbalg lassen keinen Zweifel offen, dass ’Keeper of Time’ auf Kinder zugeschnitten ist. Aber das war ‘Wizards of the Lost Kingdom’ damals auch. Hier fehlen einfach der Biss, die Albernheit und die nackten Tatsachen früherer ’Cormania’-Schinken. Trotz dieser Mankos hat mir das Teil irgendwie gefallen. Das mag nun daran liegen, dass ich Cormansche Fantasy von Natur aus liebe (ich bin überhaupt ein verpeilter Fantasy-Narr) oder weil ich mir sicher bin, dass mich ein Film wie dieser als Kind ausnahmslos begeistert hätte.

“I’m not good at words. At first you have to stop asking questions. Cry or do something else.”

"I SEE YOU... TOO!"

‘Keeper of Time’ plätschert angenehm, aber recht ereignislos am Auge des unbedarften Fantasy-Fans vorbei. Nichts an dem Film ist wirklich furchtbar und genau so wenig ist herausragend. Für den letzten Cormanschen Fantasy-Titel hätte ich mir allerdings ein weniger ’LotR’-derivates Schmusefilmchen, als einen waschechten Trash-Klopper der Marke ’Barbarian’ oder ’Mächte des Lichts’ gewünscht. Dies ist jedenfalls das Ende einer filmischen Ära, an die ich mich nur allzu gerne zurückerinnere. Dass Corman mit dem Hundertstel des Budgets eines aufgeblasenen Fliegenschisses wie ’Eragon’ (zumindest) die gleiche qualitative Wirkung erziehlt, spricht mal wieder Bände über unser aller Lieblings-Schund-Produzenten.

Sag zum Abschied leise Servus!


Hudson