Karate Tiger


‘Tonight, he either fights for his life or he'll be running for the rest of it.


Originaltitel: No Retreat, No Surrender (198) Regie: Corey Yuen
Drehbuch: See-Yuen Ng, Keith W. Strandberg & Corey Yuen
Darsteller: Kurt McKinney, Jean-Claude Van Damme, J.W. Fails FSK: 16


Taschentiescher
Die Dojo-Mafia macht die Runde an der Westküste der Vereinigten Staaten. Nachdem sie Jasons Vater aus L.A. vertrieben haben, versucht der zum Krüppel geschlagene Mann, mit seiner Familie in Seattle eine neue Existenz aufzubauen. Jason interessiert sich allerdings nur für Bruce Lee und dessen Kampftechniken. In der Garage hat er sich einen kleinen Übungsraum eingerichtet, in dem er wie ein wilder Stier trainiert. Befreundet ist der Junge lediglich mit dem ausgeflippten Nachbarsjungen R.J. der sich eines Tages mit dem fetten Bully der Gegend anlegt, was für ihn und seinen neuen Kumpel Konsequenzen haben soll. Als sich Jason im lokalen Dojo anmelden will, hetzt der üble Fettsack die anderen Teilnehmer gegen den Neuling auf. Auch auf der Geburtstagsfeier seiner Flamme Kelly wird der Junge gemobbt und sein Vater hat auch bald die Nase voll von Jasons Affinität zu Bruce Lee und seinen ständigen Raufereien. Als alle Stricke reißen, tritt der Knabe schluchzend vor das Grab seines Helden fleht ihn um Hilfe an (“Sensei Lee, ich habe niemanden, an den ich mich wenden kann. Niemanden außer dir!“). Und siehe da, kurze Zeit später erscheint der Geist des berühmten Asskickers und lehrt ihn den Weg des Chi. Da tauchen die Dojo-Mafiosi wieder auf und versuchen auch in Seattle ihre üble Masche abzuziehen…

“Komm mir nicht in die Quere, Fatzke. Sie gehört mit.“
“Sie trägt noch keinen Ring oder?“
“Schwer von Capé? Ihr Bruder ist mein Sensei, sie ist bereits versprochen. Und zwar mir!“

Na wenn das so ist… Wer will schon mit den uralten Traditionen US-amerikanischer Dojo-Senseis brechen. Die versprechen ihre Töchter, Schwestern und Nichten ja alle naselang den besten Prügelbrüdern ihrer Haudrauf-Stube.

‘Trainings-Montage - The Movie’ ...

... trifft auf Versatzstücke aus diversen ’Rocky’-Filmen (insbesondere Teil 4) und ’Karate Kid’, sägigen Achtziger Jahre Pop, furchtbar kitschige Dialoge (“Tu ihm nicht weh, Dean!“ “Hörst du das, Fatzke? Sie weiß, wer der beste ist!“) und echte Arschtreter mit Kampfnamen wie Dean ’Sternschnuppe’ Ramsey.
Inszeniert wurde das Handgemenge von Martial Arts-Ikone Corey Yuen, was in Anbetracht der dilettantischen Fights doch sehr zum Wundern einlädt.
Als bösen Russen-Fighter Ivan Kraschinsky the Russian sehen sie die belgische Kampfbeule Jean Claude van Damme in seiner ersten echten Filmrolle (sieht man von seinem Part als ’Gay Karate Man’ in ’Monaco Forever’ ab). Der hat hier nicht viel zu tun, außer böse zu gucken (einmal zieht er sogar einen gekonnten Sylvester Stallone-Gedächtnisflunsch) und feste mit Füßen und Fäusten auszuteilen.

JC, du magst hier der Arsch sein,
aber hau ihn trotzdem um, okay?
Hauptdarsteller-Jämmerling Kurt McKinney (’Sworn to Justice’) ist als Identifikationsfigur ungefähr so brauchbar wie Brave Sir Robin und kann sich zum Finale rühmen, den bösen Jean Claude besiegt zu haben, nachdem dieser vier andere Männer in Reihe auf die Bretter gelegt hat. Gratuliere, Flachzange.
Der Rest der Cast bietet ulkiges Over-Acting. Besonders nervtötend sind die dauergrinsende Jheri Curl-Matte J.W. Fails und der fette Goofball Kent Lipham, der Schokocremetorten fressend durch die Hood läuft. Den Vogel schießt allerdings Jasons Vater ab, der von Timothy Baker (’Blood Fist 2’) wie ein unfähiger Ausdruckskünstler gespielt wird.
Für die Rolle von Bruce Lees Geist wurde Tai Chung Kim engagiert, der schon in ’Spiel des Todes’ für die damals kürzlich verstorbene Ikone als Double einspringen musste. Die Figur des Sensei Lee wird hier übrigens gewohnt souverän von Thomas Danneberg synchronisiert.

“Wer ist dieser Fettwanst?“
“Hau ab jetzt, Bruce Lee. Deine hölzerne Puppe wartet auf dich zu Hause.“

White Russian für alle!

’Karate Tiger’ war mal so etwas wie ein Kultfilm unter uns Kids, Ende der Achtziger. Wenn ich mir das heutzutage mal durch den Kopf gehen lassen, kommt mir selbst das grobe Kichern. Der Film ist ganz großer Käse, aber langweilig ist er wirklich nicht und im bierlaunigen Kreis alter Freude sicher ein Heidenspaß. Da kann man sich gegenseitig mit seiner Vorliebe für diverse Kinomauken der Vergangenheit und dem alten Credo “Kein Rückzug, kein Aufgeben!“ aufziehen.

Hudson