Karate Cop


‘In the future there is no law and no order.
Only John Travis, The last cop on Earth.’


Originaltitel: Karate Cop (1991) Regie: Alan Roberts
Drehbuch: Denny Grayson, Ronald L. Marchini & Bill Zide
Darsteller: Ronald L. Marchini, Carrie Chambers, Michael E. Bristow FSK: 18


Nich, nich...?!

„I thought all lawmen were dead.“
„Yeah, well this one’s still kicking.“

Da issa wieder. Ron Marchini aka John Travis, ehemals ’Omega Cop’ (’Omega’, wie in „der Letzte“), heuer ’Karate Cop’ (Karate, wie in ’aufs Maul’) und immer noch auf dem Trittbrett von ’Mad Max’ unterwegs.

Ron Marchini...
Kann man nix machen.
Im ersten Teil hielt man sich nur an grobe Anlehnungen - eine Special Force von letzten Cops, ein einsamer Wolf und grimmig dreinschauender Motorrad-Bulle, le dystopie c’est fini - beim Nachfolger klaut man gleich den kompletten Plot vom ’Vollstrecker’ (’Mad Max 2’ that is).
Sprich: Eine Horde von in Leder, Nieten und Football-Geschirr gepressten Kotzfressen bedroht eine Siedlung der wehrlosen und größtenteils aus Kids bestehenden ’Freebies’, weil… na ja, weil man halt einen Grund braucht, um einen coolen Arschtreter den Tag retten zu lassen.
Das klingt wenig originell, aber in Anbetracht des katastrophalen Vorgängers lasse ich mir da lieber die olle “Besser gut geklaut als schlecht selbst gebröselt“-Keule gefallen. Obwohl “besser“ auch in Relation zu setzen ist. Noch “besser“ wär’s, wenn man ’nen richtigen Schauspieler anstelle von Marchini auf die Hauptrolle angesetzt hätte.

Und während der im Bild weiter oben
noch seinen Text übt, wird im Villariba
der Postapokalypse schon gefeiert!
Seine Gegner sind diesmal grobschlächtige Mutations-Ömmel mit den üblichen Frisur-Exzessen, die amüsanterweise von genau den gleichen Geigen gespielt werden, die auch schon in Teil eins die Schurkeninnung vertraten. Ihr Anführer, der Supreme Commander Lincoln, ist ein Sleazeball wie er im Buche steht. Er veranstaltet in seiner Arena Todeskämpfe zwischen verschwitzten Untergebenen und hält derweil eine Sexsklavin an der Leine, welche wiederum später im Film ihre eigene Sexsklavin an der Leine hält. Ein gar treffliches Beispiel für die allgegenwärtige Überspitztheit des Films, vor allem im Vergleich zum drögen ’Omega Cop’.

Dennoch streckt sich ’Karate Cop’ mithilfe von Füller-Szenen bis an den Rand der Schmerzgrenze. Der dünne Plot gibt - genau wie der Hauptdarsteller - einfach nicht genug her, um den Zuschauer für Travis' Halligalli zu begeistern. Allzu emotionale Resonanz sollte man sich von diesem Film, in dem die gefühlsbetonteste Szene das Überreichen eines Schokoriegels an den Helden ist, ohnehin nicht erhoffen.

Bock auf ’ne Runde ’Giani Sisters’?
Ich will mal gnädig sein und kackfrech behaupten, dass die Aufmachung für einen Streifen dieses Kalibers und Budgets einigermaßen gelungen ist, auch wenn hier offensichtlich ausschließlich in den Hinterhöfen und Gassen von Compton-Mitte gedreht wurde und alte C64-Brotkästen für Computer-Terminals verwurstet werden. Schwamm drüber, dafür sind die Prügeleien einigermaßen… pfuuh, ich schätze aus der Sache komm ich nicht mehr raus.
Wenn die Macher das Gewemse nur nicht mit klimprigen Synthie-Sounds oder hypnotisierend schunkelnder Country-Musik unterfüttert hätten. Aber die beste Schlägerei hier spielte sich halt in einer Kneipe ab. Und wenn da nun mal Country aus der Jukebox plärrt… wat willste machen?

Ja, er hier. Schwamm drüber.
Immerhin bietet der Streifen ab der zweiten Hälfte ein einigermaßen akzeptables Tempo, unterhaltsame Zutaten (u.a. einen Teleportations-MacGuffin, Mutations-Make-Up, Stiletto-Rasur, Nebelmaschinen, sowie einen sleazigen Cameo von David Carridine) und genügend absurde Szenen, um halbwegs unbeschadet in den Feierabend zu kommen.
Das Highlight ist hier die Punchline eines ausgedehntes Karate-Gerangels, als Travis seinen Widersacher in bester ’Raiders’-Tradition einfach über den Haufen knallt und sich mit “Adios you ugly motherfucker!“ verabschiedet. Die Szene endet schließlich damit, dass unser Held vor einer drohenden Explosion in Sicherheit hechtet, nur um am Ende des Countdowns (courtesy of your friendly ’red-digital-readout’) Zeuge einer Fehlzündung zu werden, die von Marchini gewohnt hohl, aber ungewohnt amüsant mit den Worten “Nothing works anymore“ kommentiert wird. Genau das ist die Art und Weise, mit der man auch im Low-Budget-Bereich seine Lücken in der Portokasse unterhaltsam in den Kontext bügeln kann.

Call him Snaker, Son of Racoon Face!

Amüsant ergänzt wird der Vorfall durch eine Episode, in der die rechte Hand von Lincoln (gespielt von niemand geringerem als Michael E. Bristow, der in ’Omega Cop’ den unvergesslichen ’Racoon Face’ zum Besten gab - und somit das einzig Unvergessliche an dem Streifen), ein Mutant namens Snaker, Travis mit einer Schusswaffe konfrontiert, “DIE!“ schreit und nicht auf den Helden schießt, sondern auf den Tank des Motorrads, das direkt neben ihm liegt und natürlich kurz darauf explodiert. Albern, aber interessant. Vor allem in Anbetracht der kurz zuvor dem Publikum verweigerten Super-Explosion. Vielleicht als Wiedergutmachung oder als Seitenhieb auf das immerwährende Verlangen des Zuschauers nach bedeutungslosen, aber möglichst dicken Explosionen zu verstehen. Maybe the makers were in on the joke.

Das hier lass ich hier einfach mal unkommentiert stehen...

„Assholes to ashes. Dictators to dust!“

Dass dieser Gag zum Finale totgetreten wird, über den Abspann dann auch noch die vielleicht schmalzigste Popballade seit Erfindung des strahlensicheren Ohropax gerödelt wird und der Film, ganz objektiv betrachtet, ein pelziges Gefühl auf den Hirnlappen hinterlässt, sei an dieser Stelle mal großmütig vergeben.
Nach ’Omega Cop’, der neben den Spätstreifen von Donald G. Jackson (’Toad Warrior’) und P.A.-Pampe a la ’Empire of Ash’ im Enddarm der Endzeit einzuordnen ist, war ich auf das Allerschlimmste gefasst, denn Sequels von Gurken sind meist noch schlimmere Gurken. Aber ’Omega Cop’ in Sachen Schlechtness zu toppen, wäre schon wieder ein Achievement gewesen.
Ergo: Klar ist ’Karate Cop’ Grütze im bigger picture of life and art and stuff, aber aber im Vergleich zum Vorgänger, darf ich an dieser Stelle fast ein Lob aussprechen. Fast. Erwartungen sind offensichtlich der Schlüssel zum Spaß an solchen Streifen. Keep it low.


Hudson