Karate Tiger IV


’A team is not a team if you don't give a damn about each other.’


Originaltitel: Best of the Best (1989) Regie: Robert Radler
Drehhbuch: Phillip Rhee & Paul Levine
Darsteller: Eric Roberts, Phillip Rhee, James Earl Jones FSK: 16


Aahh, Karate Tiger IV, ein Film, den ich als junger Spund, für einen Klassiker hielt. Schaun wir mal, was die Zeit aus unserer Beziehung gemacht hat.

Aus allen Ecken und Enden der Vereinigten Staaten werden die besten Karatekas zusammen getrommelt, um eine Nationalmannschaft zu bilden, die gegen die Champions aus Korea antreten soll. Stellen wir kurz die Hauptfiguren vor:

"Mensch, Schiri, lass mich erst
landen und zähl mich dann aus!"
Eric Roberts als Alex Grady, ein guter, hart arbeitender amerikanischer Autoschweisser, mit kaputter Schulter aber Kampfeswillen.
Phillip Rhee (der auch in den drei Fortsetzungen mitspielte, und schon als Bodyguard des bösen Dr. Klahn im Cult-Comedy-Classic ’Kentucky Fried Movie’ mitwirkte) spielt den amero-asiatischer Karatelehrer, der ein Trauma zu bewältigen hat, da er als Kind seinen Bruder bei einem Kampf gegen einen jungen koreanischen Kämpfer verloren hat.
Chris Penn (’Reservoir Dogs’) ist in einer Rolle zu sehen, in der man ihn nicht vermutet hätte, nämlich der des toughen (und arroganten) texanischen Kickboxers Travis Brickley.
James Earl Jones ist Coach Couzo, der bärbeißige, aber aufrichtige Trainer des zukünftigen Teams. Ausserdem in der Mannschaft sind der Buddhist Virgil und der Italo-Amerikaner Sonny, ein durchaus gutgemischter Haufen also.
Als uns in kurzen Zwischenschnitten dann auch die Koreanischen Gegner präsentiert werden, wird klar: Das sind harte Kerle, die nicht mit einer einfachen Handkante zu erledigen sind. Bevor es ins Trainingscamp geht, dürfen die Jungs nochmal in die Kneipe, was in einem Prügelfilm bedeutet: Saloonklopperei (eine der Art; wo letztlich jeder männliche Gast teilnimmt…herrlich.). Hier sehen wir auch unsere Fighter zum ersten richtig mal in Action, während Coach Couzo lakonisch sein Schnäpperken an der Bar schlürft.

Die drei von der Kampfstelle.
Als es zum Training geht, merken wir, das es kein Zuckerschlecken wird. Egal, wie viele Montagen mit rennenden, punchenden, stemmenden und schwitzenden amerikanischen Bodies eingespielt werden (nur echt mit düdelnden Achtziger Songs im Hintergrund), im Vergleich zum ultraharten Training der Koreaner (die den Soundtrack selbst machen und meist ’Ko-re-a’ schreien) ist das Ami-Rumgehampel nur Pille Palle.
Zwischendrin kommt es im Camp immer wieder zu Auseinandersetzungen zwischen den Kämpfern, von denen einige auch persönliche Probleme jenseits des Sports haben. So kommt auch das dramatische Element nicht zu kurz.
Allerdings hat der Film sehr stark mit seiner Glaubwürdigkeit zu kämpfen. Immer wieder gibt es zu seltsame Over-Acting-Ausbrüche (ich schaue da in Richtung von Herrn Roberts) und bei manchen Dialogen kommt es unweigerlich zum Zähneknirschen. Als Alex zum Beispiel Tommy ein Babyfoto seines Sohnes zeigt, kommt dabei dieses Gespräch zustande:
„Walter ist jetzt schon fünf.“
„Er wird aber bald sechs, oder!?“
„Ja, woher weißt du das?“
„Ich arbeite mit Kindern.“…äh, was?
Auf der anderen Seite gibt es manchmal herrlich (gewollt) alberne Sprüche, die den Film auflockern („Der Bus steht genau 19 Uhr Ante Portas und zwar pünktlich.“ „Wer ist Tante Portas? „Na die Busfahrerin!“)
Einige Auftritte namhafter Darsteller, wie zum Beispiel der von Oscar-Gewinnerin Louise Fletcher (Schwester Ratchett aus ’Einer flog übers Kuckucksnest’) als Mutter von Alex, wissen durchaus zu gefallen.
Roberts Schauspiel reicht, wie gesagt, von dramatisch, über witzig bis hin zu hoffnungslos selbstüberschätzt (Zappeliges Over-Acting trifft auf Spruchgrimassen). Die anderen Schauspieler machen ihre Sache jedoch ausnahmslos gut.
Die dramatischen Interferenzen stören zwar das Training, aber am Ende treten sie doch alle gut vorbereitet an. Nach dem Turnier, das auf jeden Fall hätte aufregender seien können, kommt es dann zum oberschmalziges Finale, während dem sich alle in die Arme fallen und flennen, naja.

"Joah, is noch frisch. Wie machst du das?"

Wie gesagt, als Teenie hatte ich den Film über alles geliebt, aber ich liebte auch Filme wie ’Polyp - Die Bestie mit den Todesarmen’, nur um das hier mal zu relativieren.
Vergleichsmöglichkeiten gab es da für mich noch nicht so viele. Und so muss ich gestehen, dass die Schwächen des Films mir erst im reiferen Alter ins Auge fallen. Trotzdem behalte ich ihn in guter Erinnerung. Manchmal trägt man die Liebe für einen Film eben nur im Herzen, wenn man ihn gerade nicht sieht. Tja…

Nool