Kapitän Sindbad


‘326 Magic Tricks Light The Screen As Sinbad Fights The Evil El Carim!’


Originaltitel: Captain Sindbad (1963)
Regie: Byron Haskin Drehbuch: Ian McLellan Hunter & Guy Endore
Darsteller: Guy Williams, Heidi Brühl, Pedro Armendáriz FSK: 6


Aus der Reihe: Schöne Kindheitserinnerungen aus der Glotze und was daraus wurde…

Baristan, im Orient zu Zeiten von ’1001 Nacht’:
Der üble Schurke El Kerim (Pedro Armendáriz) hat die Macht vom schwachen König an sich gerissen. Prinzessin Jana (Heidi Brühl) ist verzweifelt, hofft jedoch auf die Hilfe ihres Verlobten, Kapitän Sindbad.

Heidi Brühl: Die bunten Jahre
Dieser ist derweil auf den sieben Weltmeeren unterwegs und erlebt mit seiner Crew (u.a. ein stummer Moor, ein dicker, bärtiger Mann namens Bender, und ein Wikinger, dessen Helm auch bei einer Sturmflut auf der Rübe sitzen bleibt) die dollsten Abenteuer, die dank des Eingreifens von Magier Galgo ein jähes Ende finden. Über diesen eigentlich netten, aber auch verrückten Zauber-Knilch herrscht nämlich El Kerim mittels eines Zauberrings.
Aus dem Meer gefischt und in Baristan angelangt, will sich Sindbad dem Despoten stellen, macht jedoch die bittere Entdeckung, dass El Kerim unverwundbar ist. Sein Herz wurde entnommen (!) und im Elfenbeinturm hinter den sieben Sümpfen bei den sieben Stümpfen versteckt.
Bevor sich Sindbad und seine ’Merry Bunch’ dorthin aufmachen können, muss der Held jedoch erst in der grausamen ’Arena’ El Kerims gegen ein unsichtbares Ungeheuer kämpfen…

’Kapitän Sindbad’ rockt den Orient aber sowas von weg, das ist schon nicht mehr feierlich.
Nachdem ich nun dieses ’persönliche Statement’ aus den Fingerspitzen geschleudert habe, widmen wir uns einer ernsthaften Besprechung des vorliegenden Filmes.
Quark!

“Rede, Schuft! Bist du für
die Farben verantwortlich?!“
Ernsthaft fällt heute aus. Ernst ist krank und haften will auch keiner für ihn, also hier meine Geschichte:
Als kli-kla-kleiner Junge war ’Kapitän Sindbad’ einer der ersten Filme, die meine kli-kla-kleine Kinder-Welt in Erstaunen brachte.
Vor allem faszinierte mich das letzte Drittel, in dem Sindbad und seine Freunde in das finstere Land wanderten, das (man mag es kaum glauben!) direkt hinter einer riesigen Mauer (!) lag und nur durch eine Tür von der Außenwelt getrennt war.
’Wer baut so etwas?’ Fragte ich mich damals.
’Wer denkt sich so etwas aus?’ Frage ich mich heute.
Der Film zeichnet sich noch durch weitere Absurditäten aus, die das Kind im Manne wecken und wohl jeden Logik-Faschisten in die Flucht schlagen.
So sieht Schurke El Kerim aus, wie ein feister, glatzköpfiger ’Don Kosake’ und hat die zweifelhafte Ehre, einer der wenigen ’Villains’ zu sein, die tatsächlich dümmer sind als der Großteil ihrer ’Henchmen’.

Furchtlose Männer in
feuchten Pluderhosen
Heidi Brühl schmachtet und trotzt sich durch’s Bild, als wäre Guy Williams tatsächlich der ausgefuchste, furchtlose Seefahrer, den er auf der Leinwand charmant (aber nicht ohne gewisse Tölpelei) zum Besten gibt.
Die Sets erinnern an die märchenhaften DEFA-Zeiten, statt Matte Paintings gibt’s matte Malereien und auch die Tricks (sowohl optisch, als auch praktisch) sind sehr durchwachsen, jedoch äußerst liebenswert.
Auch ist der Film stellenweise sehr schaurig und grausam (jedenfalls für die angesetzte FSK 6), selbst wenn mich als hust*Erwachsener*hust die Gummi-Krokos eher zum Lachen bringen. Zu unfreiwilligem, aber herzlichen Schmunzeln kommt es überhaupt des Öfteren. So meint Sindbad, nachdem er und seine Mannen tief ins Herz der Finsternis vorgedrungen sind und schon einige gute Männer den Tod fanden:
“Also Leute, ich nehm’s keinem übel, wenn er nicht mehr weiter will.“

Zum Genre-Kolortit-Check: Ein Folterknecht und sein Mini-Me, riesige Greifvögel mit Steinbrocken in den Klauen, Todes-Sümpfe, lang gezauberte Arme, drehende Köppe, Elefanten die auf Köppe treten, Kutschen die über Schluchten springen, eine riesige Faust die mit dem Finger wedeln kann … Hast du nicht was vergessen? …
Ach ja: Einen riesigen Drachen erledigt man am besten, wenn man ihm einen Papp-Felsen auf den Leib schmeißt und ihn damit einfach umkippt.

Sieh in die Augen des Drachen und verzweifle!

Ich kann es nur noch einmal wiederholen: ’Kapitän Sindbad’ ist ein knallbunter Fantasy-Abenteur-Spaß für Groß und Klein, für Trash-Fans und Flausköppe, für Regen und für Sonnenschein und er rockt wie dieser verdammte Papp-Felsen!

Hudson