Der Kampfgigant


‘Armed and Extremely Dangerous’


Originaltitel: Double Target (1987) Regie: Bruno Mattei
Drehbuch: Rossella Drudi, Claudio Fragasso & Bruno Mattei
Darsteller: Miles O'Keeffe, Donald Pleasence, Bo Svenson FSK: 18


Vor langer Zeit in einem vietnamesischen Büro:

“Meine Frau ist im Konzentrationslager gestorben!“ “Umerziehungslager,
Mr. Ross. Wo die Frauen unserer Bevölkerung, die von westlichen Invasoren korrumpiert waren wieder lernen, mit unseren Prinzipien umzugehen.“

Da sich Veteran Bob Ross (Miles O’Keeffe) mit dieser Antwort nicht zufrieden gibt und auf das Recht pocht, seinen Sohn aus dieser tragischen Beziehung unter seine Obhut zu nehmen, lotst ihn der vietnamesische Offizier ins Hinterzimmer, wo (Kenner diverser Vietnam-Schinken von ’Rambo 2’ bis ’Platoon - Ohne Rückkehr’ ahnen es bereits) die waren Drahtzieher allen Übels (in den Achtzigern) sitzen: Die Russen. Und zwar in Form von Bo Svenson (’Ein Haufen verwegener Hunde’). Dieser bietet Ross einen Deal an, welchen der ehrenhafte Soldat natürlich abschlägt. Wieder zu hause stehen schon die nächsten Militär-Heinis bei Ross auf der Matte. Senator Blaster (Donald Pleasence ist Senator Blaster!) will Bob erneut nach Nam schicken, wo dieser a.) eine wichtige Mission fürs Vaterland erledigen soll und b.) die Chance bekommt, seinen Sohn zurückzuholen. Blaster ist zwar ein feuchtes Handtuch mit moralisch fragwürdigen Motiven, aber immerhin auch Amerikaner. Also willigt Ross ein und macht sich im U-Boot auf den Weg zurück in die grüne Hölle, wo ihn Haie, Schlangen, Terroristen, Russen und andere Widrigkeiten erwarten. Doch das kann einen Mann wie ihn nicht erschüttern, schließlich ist er:

“Bob Ross. Hochdekorierter Kriegsheld. Mitglied der Spezialeinheit. An taktischen Waffen ausgebildet. Hubschrauber-Pilot. Vernichtete zwei Geheimstellungen der Vietcong auf eigene Faust. Ganz allein. Neunzehn Vietcong getötet.
Sechs Himmelfahrtskommandos erfolgreich ausgeführt.“

Also Moment mal! Erstens: Welche der etlichen Spezialeinheiten war denn das? Die Ledernacken? Die Wildgänse? Die Leoparden? Und er hat zwei Stellungen zerhauen und dabei nur neunzehn von Charlies Leuten erwischt. Also ich will ja nicht zynisch werden, aber der Johnny aus Arizona hatte da glaub ich mehr auf der Kuhhaut. Außerdem spreche ich mich gegen den inflationären Gebrauch des Wortes ’Himmelfahrtskommado’ aus. Also ein oder zwei Himmelfahrtskommandos, gut und schön. Vielleicht drei. Aber sechs? Da müssen die anderen davor ja eher Spaziergänge auf dem ’Stairway to Heaven’ gewesen sein. Bitte bei den Tatsachen bleiben!

Wer schaut da zu tief ins Glas?
Okay, das ist eine dämliche Bitte. Denn hier sind wir im Hause Mattei, dem Genie hinter Exploitation-Krachern der Marke ’Contaminator’, ’Cobra Force’ und ’Riffs 3’, die aus Tradition im schönen Italien unter möglichst preiswerten Bedingungen gedreht wurden.
Und weil er gerade Zeit hatte, durfte kein geringerer als Claudio Fragasso (’Troll 2’) hier am Drehbuch mitarbeiten, was so gut wie immer bedeutet: Komm, eine Kelle Trash geht noch! Das geht schon los, wenn Ross sein Briefing bekommt:
“Ich kann sie nicht leiden, Blaster. Wegen Schreibtischhengsten wie ihnen, wurden wir an der Front verheizt. Gut Colonel, ich akzeptiere. Aber ich erwarte ihre Unterstützung.“
“Und wenn die fünf Tage vorüber sind, dann lass ich sie verrotten in Vietnam. Mit ihrem Sohn. Und ich werde keine schlaflose Nacht deswegen haben.“
“Tun sie das, Senator. Hoffen sie lieber, sie töten mich. Denn wenn ich aus dem Dreck rauskomme, werde ich ihnen ihren verdammten Inhalator in den Hals stopfen! Und ihren Bürokratenarsch polier ich auf“

Das ist doch mal ein Wort. Warum denn mit diesen Drohungen bis später warten, wenn sie gleich zu Beginn aufgetischt werden können? Dramaturgische Logik? Drauf geschissen. Hier gibt’s den vorzeitigen Beleidigungs-Erguss.

Die durch die Hölle stieren!
Wenn es dann nach Nam geht, nimmt man natürlich nicht den Lieferanten-Eingang. Man kommt per U-Boot! Was tut es zur Sache, dass kein Geld für Unterwasser-Aufnahmen oder ein einigermaßen ansprechendes Modell da ist. Ein statisches Bild vom Yellow Submarine später weiß der Zuschauer einfach, dass sich unser Held jetzt unter Wasser befinden Und wenn Miles dann im Taucheranzug auftaucht (aus dem U-Boot, gelle), dann erwartet ihn nicht nur der Feind an der Wasseroberfläche sondern natürlich auch ein gottverdammter Weißer Hai, der erst die Bösen verspeist und sich dann an unseren Protagonisten heranpaddelt, welcher ihn schließlich fachgerecht in zwei Hälften sprengt (Archivmaterial aus ’The Last Jaws’ ;). Genau so wird Exploitation gefertigt Freunde!
Dabei klauen Mattei und Fragasso so schamlos bei ’Rambo 2’, dass man ab einem gewissen Punkt nur noch lachen und auf den nächsten ’Direct Ripoff’ warten kann:

Ausrüstungs-Montage im Rotlicht – Check.

Schlange im Dschungel. Zitat: “Das ist eine Kobra. Sehr giftig.“ – Check.

Russischer Bösewicht im Helicopter – Check.

Ein Trautman-Lookalike (Mike Monty!) belehrt den Befehlshaber.
“Es ist eine Farce gewesen. Nur eine Farce. Wie der Krieg in Vietnam!“ – Check.

Die einzelnen Kampfhandlungen aufzuführen würde den Rahmen sprengen.
Aber eins kann ich euch versprechen: Es knallt hier noch und nöcher, die Fetzen fliegen, die Rohre glühen, die Motoren dampfen, der Sprengmeister macht Überstunden, die Stuntleute leiern das Trampolin aus und Bob Ross’ Bodycount steigt ins Unermessliche. Miles ’Ator’ O’Keefe macht zur Abwechslung mal gar keine üble Figur, sein stoisches, emotionsloses Spiel passt perfekt in die ’Rambo’-Rolle. Da merkt man kaum, dass er’s gar nicht anders kann. Während Bo Svenson die Bälle einen Tick zu flach für Material wie dieses hält, schlurft, keucht und schwitzt sich Donald Pleasence (’Halloween’) als Senator Blaster (!) durch seine Szenen, als Stünde er kurz vor dem Malaria-Ausbruch. Ebenfalls mit dabei: Italo-Zausel Luciano Pigozzi (’The Executor - Der Vollstrecker’), Sergeant vom Dienst, Mike Monty als zwischen Reserviertheit, Strenge und Jubel hin und her gerissener Offizier und der ewige Nebendarsteller/Stunt-Schorschi Ottaviano “Hi, Bob. Ich bin Toro, dein Kontakter.“ Dell'Acqua, der hier endlich mal in einer vergleichsweise größeren Rolle mitmischen darf. Ergänzt wird das Sehvergnügen durch eine Prise eingestreuten Tier-Horror (neben Hai und Schlange gibt’s auch ein paar riesige Killerspinnen zu belächeln) und einen Mund voll amüsanter Sprüche, die fast schon an Brandtsche Dödel-Synchros erinnern.

Ich sagte ja, er ist ein feuchtes Handtuch.

Was Matteis ’Contaminator’ für ’Aliens’ war, ist ’Der Kampfgigant’ für ’Rambo 2’: Ein super-schundiges, dreistes, aber auf seine Art abwechslungsreiches und unterhaltsames Rip Off, dass den Zuschauer ungläubig in den Sessel sinken lässt und ihn von einem Knallbonbon zum nächsten treibt Das ist Action-Trash in seiner pursten Form und dafür braucht sich wirklich niemand schämen.


PS:

Während Ho Chi Minh trüb dreinschaut ... lacht Ronald Reagan sich schlapp.

Hudson