Kampf der Titanen


‘You will feel the power. Live the adventure.
Experience the fantastic.’


Originaltitel: Clash of the Titans (1981)
Regie: Desmond Davis Drehbuch: Beverley Cross
Darsteller: Harry Hamlin, Laurence Olivier, Burgess Meredith FSK: 12


’Kampf der Titanen’. Da schlägt mein Herz gleich unweigerlich schneller.
Das ’warum’ ist ganz leicht geklärt. Das Effekt-Epos war einer meiner ersten Ausflüge ins große Kino. Klar, ich hatte vorher schon andere Filme auf der großen Leinwand gesehen. Selbst im Osten gab es damals mehr als genug Stoff für Kinder. Aber für ’Die fliegende Windmühle’ und ’Der lange Ritt zur Schule’ war ich schon zu alt und ’Asterix erobert Rom’ hatte ich mittlerweile bereits 5 mal gesehen. Das Ferienlager sollte es richten. Eines Nachmittages gab es dort zur Abwechslung von dämlichen Sportfesten und Wanderungen einen Ausflug in die nächst gelegene Stadt und zwar direkt in die heiligen Hallen des örtlichen Lichtspieltheaters.
Was passierte, war folgendes:

Wer ist hier der Boss? ...
Der König von Argos ist offensichtlich sauer. Seine Tochter Danae hat einen Sohn geboren und der Gute hat keine Ahnung von wem. Zur Bestrafung werden sie und Söhnchen Perseus in einen Sarg gesteckt und in die tobende See verfrachtet. Dies wiederum erzürnt den Vater des Kindes und das ist kein anderer als (ihr ahnt es sicher bereits) Göttervater Zeus, der Casanova des antiken Griechenlandes. Zeus bestraft König Acrisius und mit ihm sein ganzes Volk, indem er die Stadt Argos von Poseidons Wasserungeheuer kurzerhand zerstören lässt.
Die Jahre vergehen und Perseus wächst unter der Obhut seiner Mutter (und gelegentlich seines allmächtigen Vaters) auf der abgelegenen Insel Seriphos zu einem stattlichen Jüngling heran. Doch das Schicksal in Gestalt der Göttin Thetis verschlägt ihn bald nach Phönizien. Thetis ist erzürnt, dass Zeus ihren Sohn Kalibos entstellt und verflucht hat. Kalibos, dem einst die Hand der Prinzessin Andromeda und mit ihr das Königreich versprochen war, haust nun in den Sümpfen außerhalb der Stadt Joppe, die in Angst vor seiner Rache lebt.

... Calibos!
War er schon zu Lebzeiten ein Untier und Tyrann, ist aus ihm nun auch ein fleischliches Monster geworden, das Andromedas Zuneigung nie mehr gewinnen wird. Aus Zorn darüber befiehlt Thetis, dass auch Andromeda keinen anderen Mann nehmen darf und schickt darüber hinaus noch den jungen Perseus in die Stadt, in der sich viele Freier für die Prinzessin ansammeln. Eine Prüfung gilt es für jeden Bewerber zu bestehen, doch keinem gelang es bis jetzt und als Strafe für das Versagen winkt der Scheiterhaufen. Nichts, was unseren Helden Perseus abschrecken würde. Mit Hilfe des zauseligen Theaterschreibers Ammon, drei magischen Geschenken der Götter (ein Schwert, ein Schild und eine Tarnkappe) und dem fliegenden Ross Pegasus gelingt es Perseus, das Rätsel zu lösen und damit bei Königin und Königreich zu punkten. Die Hand der Prinzessin gehört ihm und der ganze Rest dazu. Doch für die jungen Liebenden bleibt nicht viel Zeit, denn Königin Cassiopeia ist töricht genug, ihre Tochter bei der Vermählungszeremonie als “…schöner selbst, als unsere Schutzgöttin Thetis…“ zu bezeichnen. Das hört Schutzmutti Thetis, die ohnehin mehr als aufgebracht ist, nicht gern und erbost verlangt sie, dass Andromeda in 30 Tagen dem Seeungeheuer des Poseidon geopfert werden muss. Da hilft kein Murren und Knurren, Perseus muss ein neues Abenteuer angehen. Und zwar eines, das alles bisherige in den Schatten stellt...

Hexen, Hexen

Obwohl ’Kampf der Titanen’ sich die Zeit nimmt, um den Zuschauer mit der Geschichte, den Figuren, der Stimmung vertraut zu machen, weist der Film keinerlei Längen auf. Es gibt hier einfach so viel mehr zu entdecken, als lumpige 100 Minuten rechtfertigen würden. Und selbst, wenn sich der Film nicht haargenau an die eigentliche Sage um Perseus hält, ist ’Clash of the Titans’ einer dieser Titel, die immer wieder Lust auf ’Nochmal!’ machen.

Mickey trainiert jetzt Eulen
Schon unter den Göttern tummeln sich Stars und Schauspielschwergewichte. So gibt Bond-Girl Ursula Andress die liebreizende (wenn auch leicht in die Jahre gekommene) Aphrodite, ’Harry Potter’-Hexe Maggie Smith spielt die arglistige Göttin Thetis und Stunt-Legende Pat Roach (’Jäger des verlorenen Schatzes’) ist als handfertiger Götter-Schmied Hephaistos zu sehen. Und wer, wenn nicht Lawrence Olivier hat die notwendige Eleganz, den Charme und die Strenge, um Göttervater Zeus adäquat zu verkörpern?!
Harry Hamlin verkörpert Perseus als romantischen Helden und Burgess Meredith (’Rocky’) gibt den kauzigen Weisen Ammon jenseits seiner sonst überspitzten Charaktere. Keine der Darstellungen enttäuscht.
Zum perfekten Unterhaltungs-Spektakel wird der Film durch die Magie des legendären Trickkünstlers Ray Haryhausen (der hier auch als Produzent fungierte). Neben der stimmigen Ausstattung und den phantastischen Kulissen (die, zugegeben, hin und wieder von eher schodderigen Matte-Collagen unterwandert werden), ist die Effekt-Arbeit das Highlight schlechthin.

"Und du bist auch wirklich 'ne Jungfrau?"
Eine derartige Vielfalt an fabulös designten Wunderwesen gab es bis dahin nirgends zu sehen. Vom gewaltigen ’Transport-Geier’, über das menschliche Biest Calibos und tödliche Riesenskorpione, bis hin zum gewaltigen Kraken, gibt es eine eindrucksvolle Gestalt nach der anderen zu bestaunen. Die kleine Blech-Eule Bubo (eindeutig aus den Überresten einer alten R2-Einheit zusammengebastelt) sorgt für Albernheiten und bringt damit nicht nur die Kleinen zum Lachen.
Klar hat jeder seinen ganz speziallen Harryhausen-Kreatur-Favoriten, aber die Medusa ist wohl die eindrucksvollste, faszinierendste und zugleich furchterregendste Schöpfung des Meisters (und das noch über ihren Tod hinaus). Das Zusammenspiel von gespenstischem Design und eleganten Bewegungen sucht in der Geschichte der Stop Motion Animation bis heute ihresgleichen.
Und doch ist sie ’nur’ ein Teil einer fantasievoellen Reise durch die Welt der griechischen Mythologie. Ich sagte es bereits: Es gibt so viel zu sehen in ’Kampf der Titanen’. Sei es der Fluss Styx und dessen Fährmann, der gräuslige Charon, Zeus’ Setzkasten, die Schatten-Transformation Kalibos’, die Gefangennahme des Pegasos, der Kessel der drei Stygischen Schwestern und und und…

BAD ASS, BABY!

Kurzum: ’Kampf der Titanen’ ist ein grandioses Fantasy-Abenteuer und eines, das nicht nur seiner Tagline gerecht wird, sondern darüber hinaus auch als Vermächtnis des Genies Ray Harryhausen in die Filmgeschichte eingehen wird. Seinem Beispiel hätte so manch Filmschaffender folgen sollen: Hör auf, wenn es am schönsten ist!


Hudson