Kaal - Das Geheimnis des Dschungels


‘Time to die’


Originaltitel: Kaal (2005)
Regie & Drehbuch: Soham Shah
Darsteller: Ajay Devgan, Vivek Oberoi, John Abraham FSK: 12


Bollywood, fuck yeah!

Survivor: Bollywood
Nein, keine Angst, bei ’Kaal’ gibt es zwar auch die eine oder andere Tanzszene zu sehen, aber vor dem Dampfhammer, den wir aus Indiens Filmhauptstadt gewohnt sind, bleiben wir größtenteils verschont. Und ja, Indiens Superstar und ’Kaal’ Produzent Shahrukh Khan ist tatsächlich in einer solchen Szene zu sehen, das war’s dann aber schon mit ihm, schließlich hat der Mann, der mittlerweile wahrscheinlich schon zum 4. Hauptgott seines Landes gewählt wurde, noch andere Sachen zu tun.

Die Story dreht sich um einen indischen Nationalpark, in dem tödliche Tiger ihr Unwesen treiben. Protagonisten sind der adrette Raubtier-Experte Krish und seine nicht minder schnieke Frau Riya, die dem Ruf der Natur folgen und die Vorfälle im Park klären wollen.

"Roar! Ihren Führerschein
und Fahrzeugpapiere bitte!"
Dabei kommen ihnen vier dämliche Touristen jugendlichen Alters in die Quere, die auf ein Abenteuer aus sind und erst einmal ein paar einheimische Tiere mit dem Jeep überrollen. Da das Gefährt der beiden Forscher den Geist aufgibt, müssen sie die Spaßgesellen als Mitfahrgelegenheit nutzen. Es dauert nicht lange, bis die Biester ihre Spur aufnehmen, dafür aber umso länger, bis tatsächlich eine gefährliche Situation daraus entsteht. Aber das ist nun einmal Bollywood und das braucht erfahrungsgemäß etwas Zeit. Schließlich bietet sich ein ominöser, Kajal-gestärkter Dschungel-Chief der Gruppe als Führer an. Doch der Weg aus dem Busch erweist sich als katastrophale Strapaze…

’Kaal’ ist ein echter Abenteuer-Thriller mit Tierhorror-Elementen, angereichert mit dem typischen Kitsch, den man auch aus den bunteren Bollywood-Produktionen gewöhnt ist. Und damit meine ich nicht nur eine völlig deplatzierte Tanznummer, die einem Protagonisten im Traum erscheint, als er gerade im Dschungel pennt, während ein paar Tiger um ihn herum schleichen.

Ja wat nu: Kaal oder Kajal?
Nein, auch die hysterischen Darsteller, immer hübsch geschminkt, theatralisch im Gehabe und posierend, als würde ein Starfotograf von ’Vanity Fair’ hinter’m nächsten Busch lauern. Im Ernst, manche Szenen hier erinnerten mich an das olle ’Take That’ Video ’Pray’. Die Viedoclip-Ästhetik beschränkt sich allerdings nicht nur auf die Darsteller, sondern ist an allen Ecken und Enden spürbar. Farblich aufgebrezelte Optik, Zeitlupe, Verzerrer, schnelle Schitte auf der visuellen Seite und überkandidelt heiße Rhytmen, wummernde Drums, schrille ’Kriegsschreie’ und allerlei tösende Geräusch-Proben auf der akkustischen (u.a. wird zum Beispiel gerne ein kurzes Sample aus einem singenden Männer-Chor als Mittel unterstreichender Dramatik benutzt).
Gezwungen mystisches Gehabe, die ewigen Predigten des Dschungel-Gurus und auch krummes Dialog-Werk auf Seiten der Protagonisten (“Wenn wir diese Vorfälle aufklären, haben wir viel für die Tiger erreicht.“) lassen den Zuschauer zwischen Stirnrunzeln und Langeweile verharren und die überraschende, letztlich aber völlig unbefriedigende Auflösung hilft dem Film auch nicht weiter.
Wenn dann nachdem ’Kaal’ zu Ende ist, tatsächlich noch eine Tanz/Gesangs-Einlage mit den ’besten’ Szenen des Filmes und den Hauptdarstellern höchstpersönlich vor der Windmaschine hinterhergeschmissen wird, ist das einfach nur noch daneben.

Ja, kommt, is gut jetzt!

Leute, ich will keinem ’Bollywood’-Verehrer an den Karren pissen, aber wenn ihr mit den Methoden und Darstellern des indischen Film-Mekkas nix anfangen könnt, dann versucht gar nicht erst, den überlangen, verkitschten ’Kaal’ durchzustehen und schaut euch besser den weitaus gelungeneren Raubtier-Schocker ’Der Geist und die Dunkelheit’ an.


Hudson