Jurassic Attack


‘Sie sind zurück, und sie sind hungrig!’


Originaltitel: Jurassic Attack (2013)
Regie: Anthony Fankhauser Drehbuch: Rafael Jordan
Darsteller: Gary Stretch, Corin Nemec, Vernon Wells FSK: 16


"Is' für dich. Irgend so'n Spinner namens Hudson.
Sagt, er will seine 90 Minuten Lebenszeit zurück."

Oh, fuck off!

Ich weiß, ich weiß. ’Jurassic Attack’, was habe ich auch erwartet? Der Titel steht ja quasi schon wie ein großes rotes Warnschild in der Grabbelkiste. Aber man versucht es halt immer wieder mal, einfach so, ohne sich Gedanken zu machen oder vielleicht auch als Test. Gut, denkste dir. Keine großen Erwartungen schüren, denkste dir. Vielleicht ist das ja der eine unter hundert, der was kann. Denkste, dear.

"Genau da! Santo Domingo High School!
Bringen sie mich BITTE dahin zurück."
Okay, niemand schaut sich Filme wie den vorliegenden in Hoffnung auf spannend gestrickte Plotkonstrukte an, aber die Story von ’Jurattacke’ ist dermaßen lahm und derivativ, dass selbst “Get to tha choppah“-The Movie ein zu gewiefter Titel wäre.
Parker Lewis und John Matrix’ alter Erzfeind Bennett schicken als Offiziere verkleidet eine handvoll G.I. Joes in den Dschungel Lateinamerikas, um eine Wissenschaftlerin aus den Händen einheimischer Guerillas zu retten. Die Lady gehört zu jener, in Filmen häufiger auftretenden, Sorte von Wissenschaftlerinnen, die als Zweitfach ’Unterwäschemodeltum’ gewählt hat und läuft auch dementsprechend bekleidet durchs Bild. Offenbar hat sie wichtige Infos zu biologischen Waffen im Ausschnitt, was den wissenschaftlichen Background natürlich wasserdicht macht. Während der Flucht wird ihr Chopper vom Himmel geholt und zu Fuß müssen sich die Machos, ihre halbnackte Fracht, Guerilla-Fiesling Marquez und Professor Zauselkopp, der vor Wochen hier mit dem Flugzeug abstürzte, durch 80 Minuten langweilige Genre-Grütze und uninspirierten Dinosaurier-Pixelbrei schlagen.

"Fünf Scheine auf den Triceratops!"
"Welcher is'n das. Der mit 256 Farben oder der in Super VGA?"

Lustlos, antriebslos, sinnlos – Attribute, die auf so ziemlich jede Zutat von ’Jurassic Attack’ zutreffen. Seien es die lächerlichen Effekte, der papierdünne Plot oder die Darstellungen der Figuren. Und ich wünschte, ich könnte ’Witzfiguren’ sagen, aber das würde voraussetzen, dass man sich über diese uncharismatischen, Bullshit labernden, ausgelutschten Abziehbilder ohnehin schon dümmlicher Klischee-Charaktere amüsieren könnte (der schwarze Hühne im Team heißt Tank). Kann man aber nicht. Ist nix Gehaltvolles da.*

Hat jeglichen Dampf abgelassen:
Vernon 'Bennett' Wells
Na schön, der Film hat da diese eine unterhaltsam unsinnige Einlage, als eine Heatseeker-Rakete aus einer handelsüblichen Bazooka auf einen Helikopter abgeschossen wird, der bereits in 100 Meter Höhe flattert. (Und ja, ich kann mit Gewissheit sagen, dass das Unsinn ist, ich bin jahrelang selbst Heatseeker gewesen.) Aber das ist wirklich das einzige, das mir momentan ’pro Jurassic Attack’ in den Sinn kommt. Die hier dargebrachte Einfalt und Unlust rufen genau selbiges beim Zielpublikum hervor und das möchte ich mir verbitten. Ich bin schon einfältig genug und unlustig bin ich kaum zu ertragen. Das liest doch auch keiner gerne.

“You think my men are gonna let you take me? Just like that?”
”Of course not. That’s why I’m gonna kill all of them.”

Vielleicht gibt es den einen oder anderen Informatiker oder Grafix-Studenten, der sich ob der gezeigten technischen Mittel ein Quäntchen Lachi aus der Brusttasche schütteln kann, aber angesichts der Pixelexplosionen von ’Jurassic Attack’ hört bei mir selbst der hämische Spaß auf. Normalerweise würde man an dieser Stelle Spielbergs 20 Jahre altes Saurier-Epos zum ’Muss doch mittlerweile drin sein!’-Vergleich heranziehen, aber seien wir nicht albern. Ich nehm da die passendere Referenz: Dass 21 (!) Jahre nach dem ’Rasenmäher-Mann’ noch solche Polygon-Gerippe über den Bildschirm geschoben werden, ist schon ein starkes Stückchen Scheiße. Die Visual-FX dieser Gurke als Visual-FX zu beschreiben, würde voraussetzen, dass etwas ’visuell effektives’ auf dem Bildschirm zu sehen ist. Hier mal ein Beispiel in Bewegung, welches das erschreckende Gegenteil beweist:

DRIVE-BY-RAPTOR!

Im Ernst, dieser Film ließ mich überlegen, ob mein Fernseher nicht vielleicht eine neue Grafikkarte bräuchte. Das können unmöglich volle Details auf höchster Auflösung sein.

Hans Riegels letzter Streich:
Der Lakritz Beetle
Hätte man wenigstens Gummisaurier über den Schirm gejagt – und ja, fake rubber ist IMMER besser als fake CGI, nicht zuletzt, weil die direkte Interaktion mit den Darstellern (so überfordert sie auch sind) möglich ist – aber das einzig ’handfeste’, das sich hier blicken lässt, ist ein Käfer aus Lakritze. Und so stirbt dann auch schnell die Hoffnung, dass man trotz Lahm-a-turgie, Schlimmszenierung und Schaumspiel wenigstens etwas aufs Auge bekommt.
“Get the Job done, or die trying!“

Only they didn’t even try. Wenn alle filmwichtigen Elemente sich ein Schlachtfest um den Titel ’Greatest Underachiever’ geben, offensichtlich keiner der Beteiligten daran interessiert war, einen funktionierenden, unterhaltsamen oder gar – I bewahre! – interessanten Film an den Mann zu bringen und das fertige Produkt nur hundertmal bereits durchgekaute Szenarien zum hundertundersten mal erneut durchkaut…

I said FUCK OFF!

Vielleicht funktioniert dieses Furunkel von einem Film als Background-Movie, als Geräusch mit Bildern, auf die man alle paar Minuten mal linst, während man grad den Abwasch macht oder die Freundin begrapscht. Tatsächlich davorzusitzen und ihm seine vollständige Aufmerksamkeit zu schenken, was mir als Autor dieses traurigen Schmähbriefs obliegt, nee Freunde… das war’s nicht, wofür ich vor all den Jahren unterschrieben habe.


*Außer der vielleicht subversiv gemeinten Szene, in der die blonde Military-Schnitte (die sich später halbnackig macht, um im Höhlenteich zu baden) der brünetten Wissenschaftlerin (ich muss mit Haarfarben arbeiten, andere Charaktereigenschaften liegen nicht vor) mit Blick auf ihre Möpse vorwirft, dass sie ja wohl niemals wegen irgendwelchen Biochemie-Daten entführt wurde.


Hudson