Die Wiege des Bösen


‘There's only ONE thing wrong with the Davis baby...
It's Alive.’


Originaltitel: It's Alive (1974)
Regie & Drehbuch: Larry Cohen
Darsteller: John P. Ryan, Sharon Farrell, James Dixon FSK: 18


Das Wunder der Geburt kann manchmal unvorhersehbare Ausmaße annehmen.
Da kommen plötzlich Zwillinge aus der Mutter gepurzelt oder auch mal ein Kuckucksei mit anderer Hautfarbe. Bedenkt man jedoch das Los von Familie Davis, kann man diese Situationen nur als Bagatellen bezeichnen.

Stellt hier eigentlich keiner
die Frage 'Junge oder Mädchen?'
Leonore Davis merkt gleich, das etwas nicht stimmt, als sie mit Wehen ins Krankenhaus eingeliefert wird. Die Geburt ihres Sohnes vor einigen Jahren ging völlig anders vonstatten. Die Ärzte beruhigen sie. Es sei nur ein außergewöhnlich großes Baby. 10 Minuten später sind alle im Kreissaal, mit Ausnahme der Mutter, tot. Das Baby, eine entstellte Kreatur, ist geflohen.
Am Boden zerstört, von den Ärzten geoutet, aus dem Job gekantet, von der Presse belästigt und vom Umfeld geschmäht weiß Frank Davis nicht mehr wohin mit seinem Zorn, der Angst und der Machtlosigkeit.
Während Obrigkeiten, Ärzte, Politiker, die Polizei und die Presse sich das Maul zerreißen und den Kopf zermartern, was nun mit dem ’Ding’ geschehen soll, will das Davis-Baby nur dahin, wohin früher oder später alle Kinder gehen: Nach Hause…

Schauder! ’It’s alive’ ist eine meiner frühesten Erinnerungen, was Horror angeht und er hat mich nachhaltig geprägt, bis dahin, dass ich auch heute Monster-Babies alles andere als witzig finde (also schön, das hyperactive ’Braindead’-Kerlchen ist die Ausnahme!).
Ich geb ja zu, dass der hier präsentierte Säugling einen unleugbaren Trashfaktor besitzt, der dem Film nicht unbedingt gut tut. Und auch Dialoge wie:
“Du willst doch damit nicht sagen, dass ich hier alles stehen und liegen lassen soll. Jetzt sofort… in dieser Minute?“
“Tja, was soll man da machen Frank. Du kennst doch O’Connors aus der Rechnungsabteilung. Er hat ein geistesschwaches Kind. Man hat ihm auch nahe gelegt, die Arbeit niederzulegen. Deshalb redet niemand über ihn schlecht oder beleidigt ihn.“

Frau am Rande des
Nervenzusammenbruchs
“Hier ist doch nicht die Rede von einem geistesschwachen Kind. Das weißt du doch. Wir sprechen von einem Monster unbekannter Art.“ sind verdammt starker Tobak. Doch Regisseur Larry Cohen (’American Monster’) mischt diese scheinbar haarsträubenden Elemente, mit der wahnsinnig stimmunsvollen Musik von Bernard Hermann (der 2 Jahre später den ähnlich klingenden Score zu ’Taxi Driver’ fabrizierte) und einer düster-pessimistischen Atmosphäre zu einem einzigartigen Horror-Erlebnis.
Ganz großes Lob geht an dieser Stelle an den kürzlich verstorbenen John P. Ryan, der den verzweifelten Vater mit einer ergreifenden Intensität spielt, die wahrhaftig mitreißt. Da kommt keiner seiner Kollegen hinterher, auch wenn Sharon Farells (’Der Komet’) Spiel ähnlich bewegend ist.
Auch geizt der Film weder an sozialen Kommentaren (die Behandlung der Davis-Familie durch die Außenwelt), hat eine recht eindeutige Meinung zu verantwortungslosen Pharmakonzernen (das Baby ist das Resultat einer Hormonbehandlung) und birgt sogar gewisse humorvolle Aspkete (eine Szene, in der ein Dutzend Polizisten ein harmloses Baby mit ihren Waffen bedrohen).

Wer schon immer wissen wollte, wie es bei ’Rosemarys Baby’ weitergegangen wäre, wenn Polanski nicht ausgeblendet hätte, kommt um ’It's Alive’ nicht herum. Im Ernst, Leute; angehende Horror-Spezis und Anhänger des sabbernden Grauens im Strampler sollten sich von der ’Wiege des Bösen’ ins Nirvana des Entsetzens schaukeln lassen. Und an alle, die sich über (angebliche) Geschmacklosigkeit, (etwaigen) Unsinn und (rein hypothetische) Lächerlichkeit aufregen: Kids… It may be alive, but it’s only a movie!

Hudson