Isolation



Originaltitel: Isolation (2005) Regie & Drehbuch: Billy O'Brien
Darsteller: John Lynch, Essie Davis, Sean Harris FSK: keine Jugendfreigabe


Mutanten-Kühe. Zombie-Kühe. Alien-Kühe. Rinderwahn-Horror. Viel Blödsinn wurde im Vorfeld zu Billy O’Briens ’Isolation’ verzapft, der zwar tatsächlich im Kuhstall spielt, aber mit oben genannten Bezeichnungen ungefähr so viel anfangen kann, wie ein Veggie mit einem T-Bone-Steak.

Schnitzel in Vorbereitung
Eigentlicher Kern ist mal wieder der Eingriff in die Genetik durch den Menschen, im Film personifiziert von der Kerrygold-Version eines waschechten 'Mad Scientists', der in eine Kuh des mittellosen Landwirts Dan (John Lynch, ’Alien Jäger’) eine allzu gefährliche Saat pflanzt und die Lunte zu einem unheilvollen Pulverfass entzündet, dessen Explosion nur Gräuel und Tod zur Folge haben kann.
Der Regisseur und Autor O'Brien verlegt seinen Horror dabei also in einen Bauernhof. Nicht jedoch die klassische Variante, mit netten Holz-Koppeln und einer großen Scheune, sondern ein industriell anmutendes, düsteres, dreckiges, stinkendes (ja, man kann es beinahe riechen) Gelände, bei dessen bloßen Anblick die Milch sauer werden kann.
Gesellschaft erhält der einsame Bauer von einem ihm anfangs unerwünschten Liebespaar auf der Flucht, das ihm jedoch bald behilflich sein kann, als besagte Kuh zu kalben beginnt. Was Dan und der junge Jamie dort unter größter Anstrengung aus ihrem Schoß reißen, ist alles andere als ein putziges, harmloses Kalb. Die Tierärztin Orla (Essie Davis, ’Matrix Reloaded’), auch am Experiment beteiligt und mit Dan einst enger verbunden, als es ihre Zweck-Bekanntschaft vermuten lässt, bleibt keine Wahl, als das Vieh zu töten. Eine Untersuchung des Kadavers offenbart Schreckliches. Das Kalb war bereits schwanger. Sechs missgestaltete Föten wucherten im Leib des noch ungeborenen Tieres. Mehr als beunruhigt ist auch der Doktor, der dieses Schlamasel angerührt hat. Die Wachstumsbeschleuniger, die er der Kuh verpasst hat, haben scheinbar eine neue Lebensform erschaffen, die sich mit unüberschaubarer Geschwindkeit fortpflanzen kann. Als unbemerkt eines der Sechs ’Embryonen’ entkommen kann, ist im Kuhstall die Hölle los.

Verrückter Wissenschaftler im Kuhstall.
Klingt Komisch, ist es aber nicht.

Mit ’Isolation’ ist dem irischen Newcomer O'Brien ein knallharter, völlig humorloser, also ernstzunehmender Schocker gelungen, der gesellschaftliche Isolation und menschliche Hybris gleichermaßen behandelt, und in dem immer noch genug Blut spritzt, Schleim tropft und deformierte Gliedmaßen durchs Bild huschen, um auch die Fraktion jenseits des guten Geschmacks zu befriedigen. Trotzdem wird hier in Sachen Creature-Design alles auf die Karte der Anonymität gesetzt. Das Monster bekommen wir nie ganz zu sehen. Dem Zuschauer etwas derartig furchterregendes und widerliches in seiner Gänzlichkeit zu präsentieren, darauf wurde clevererweise verzichtet (auch wenn einige Szenen direkt aus den 'Alien'-Filmen importiert zu sein scheinen).
Den Schauspielern (allen voran John Lynch, gerade noch als Sonnenbrillen-Fuzzi in ’M.A.R.K. 13’ kritisiert, schon hat er mich als wortkarger Bauer überzeugt) sind ihre Rollen wie auf den Leib geschrieben. Die trostlose Landschaft, die sich scheinbar aller Farben entledigt hat, und die finsteren, landwirtschaftlichen Örtlichkeiten erzeugen eine absolut unwohlige Atmosphäre, wie man sie selten zuvor erlebt hat.

Die Taschenlampe reicht bei Weitem nicht.

Aufgemerkt! Der ’Insel-Horror’ ist auf dem besten Weg, sich die Genre-Krone aus den Kolonien zu holen. Mit ’Isolation’ liefert man uns einen weiteren durchweg überzeugenden Schocker, dessen desolate Stimmung (inklusive der wundervollen Abwesenheit von ’Comic Relief’) eine erfrischend grimmige Wirkung auf den Zuschauer haben dürfte, und darüber hinaus ein Schlüsselerlebnis für angehende Vegetarier sein wird.

Hudson