Bloodnight

aka

Intruder


‘If this one does not scare you, you're already dead!’


Originaltitel: Intruder (1989)
Regie: Scott Spiegel Drehbuch: Lawrence Bender & Scott Spiegel
Darsteller: Elizabeth Cox, Renée Estevez,Dan Hicks FSK: ungeprüft


“Meine Damen und Herren, in 15 Minuten schließt der Supermarkt!“

Und zwar für immer. Der Schuppen ist fast pleite und soll an die Stadt verkauft werden. Die Mitarbeiter müssen bis in die Nacht hinein Überstunden schrubben. Doch allzu spät soll es nicht werden, denn vor der Tür wartet ein irrer Stalker, frisch aus dem Knast entlassen und voller Verlangen nach seiner Liebsten, die hier als Kassiererin arbeitet und dummerweise nichts mehr von ihm wissen will. Es dauert nicht lange, bis es zum unangenehmen Handgemenge zwischen dem Typen und einigen Angestellten des Supermarktes kommt. Doch bei einer simplen Rangelei soll es nicht bleiben. Als die Nacht anbricht kommt es zwischen der Mopro-Abteilung und den Backwaren zu blutigen Morden…

Todesfalle Inventur

Schaut man sich die Inhaltsangabe von ’Intruder’ so an, kommen gleich Gedanken an John Carpenters ’Assault’ herbeigedüst. Nur, dass es sich hier eben nicht um eine ’Polizeistation’ handelt, sondern um einen ’Supermarkt’ und die unheimlichen ’Vigilantes’ durch einen einzelnen, dafür aber psychopatischen Gewalttäter ersetzt wurden. Sicherlich kein uninteressantes Konzept, wenn man sich das Gros der Slasher so anschaut. Aber kann Scotty Spiegels ’Intruder’ tatsächlich seinen eigenen Beitrag zu dem recht formelhaften Sub-Genre leisten?
Als Antwort kommt von mir ein klares: Jein.

Sam Raimi rafft was
Retrospektiv ist zuallererst einmal die Beteiligung so vieler Talente zu bestaunen: Regisseur und Autor Spiegel (’FDTD 2: Texas Blood Money’, auch Produzent von ’Hostel’ und ’2001 Maniacs’) bekam Unterstützung von Produzent und Co-Autor Lawrence ’Long Hair Yuppie Scum’ Bender (’Pulp Fiction’, ’Kill Bill’) und von Regisseur Sam Raimi (den ich hier wohl niemandem vorstellen muss! Wenn doch: Get out of my fuckin’ Site!), der hier eine der Nebenrollen übernahm. Außerdem mit an Bord: Raimis jüngerer Bruder Ted (und alle: “Joxer the Mighty“) und das unausweichliche sowie immer beliebte Cameo von Mr. Bruce Campbell himself.
Man sieht vor allem der Kreativ-Abteilung an, dass es sich hierbei um professionelle Erstlingswerke handelt. Damit ist nicht gemeint, dass der Film unheimlich professionell ist, sondern dass er ein erster Schritt auf dem Weg zu professionellen Karrieren war.
Trotz technisch solider Inszenierung birgt ’Intruder’ einige Elemente, mit denen ich mich nicht wirklich anfreunden kann.
Was hier richtig nervt, ist 1.) die furchtbar aufgesetzte Horror-Musik (für die laut imdb angeblich keiner verantwortlich ist), die so gewollt doch leider gar nicht gekonnt daher kommt, dass es die Grenze zur Peinlichkeit erreicht und 2.) die ewig gleichen Einstellungen des Killers, bzw. seiner Hand, die ein Stich- bzw. Hieb-Werkzeug hält und kurz vor dem zuschlagen ist. Was sollte das? Ikonisch wirken? Sicher, aber doch bitte nicht 7 mal innerhalb einer Dreiviertelstunde!

Ted Raimi rafft nix
Außerdem hat der Killer die merkwürdige Angewohnheit, Körperteile seiner Opfer in irgendwelchen Verpackungsmaterialen unterzubringen, was auf der einen Seite zwar witzig ist und seinen psychopatischen Charakter verdeutlicht, aber andererseits irgendwie gar nicht in den Film passen will. Einen Spannungsmangel kann man ’Intruder’ jedoch nicht vorwerfen. Die Location hat eindeutig das gewisse Etwas, welches viele Vertreter dieser Art Film vermissen lassen. Besonderer Wert wurde hier auf harte Effekt-Kost gelegt. Die ist zwar nicht allzu oft zu bestaunen, wenn aber der Killer zu einem außergewöhlichen Mordmittel greift, dann wurde das von der KNB-FX-Group (’Army of Darkness’) auf’s expliziteste dargestellt.
Die Akteure glänzen durch Unauffälligkeit und sind sicherlich nicht die Speerspitze amerikanischer Schauspielkunst. Für ’Thumbs up’ sorgen hier allerdings ’Evil Dead 2’-Veteran Dan Hicks, der in einer ’sich interessant entwickelnden Rolle’ eine recht gute Figur macht und die kleineren Parts der beiden Raimis. Sam ist ja eher selten bis gar nicht vor der Kamera zu sehen, fällt hier aber alles andere als negativ auf.
Sowohl der Twist vor dem letzten Drittel, als auch das böse Ende wissen zu gefallen.

Ja komm, is gut jetzt!

Fazit: 'Intruder' kann man sich gut und gerne geben, wenn man a.) Slasher-Fan ist b.) auf Hartgesottenes steht und c.) grad nix besseres im Angebot ist. Das mag nicht unbedingt empfehlenswert klingen, dennoch bietet der Film ein interessantes Setting, nette Insider-Chameos und brachiale Gore-Momente.

Hudson