FilmFlausen.de - Weekend of Horrors Interview: Christina Lindberg
                          




FilmFlausen Interview:

Christina Lindberg






Anlässlich des zweiten Weekend of Horrors 2011 hatten unsere Außenkorrespondenten Goatscythe und Spooner die Gelegenheit, Genre-Lady Christina Lindberg zu interviewen. Viel Spaß beim Frage und Antwort-Pingpong mit der Dame, die man 'One Eye' nannte...


Goatscythe: Hier sind wir nun beim Interview mit Christina Lindberg. Hallo.

Christina Lindberg: Hallo.

Goatscythe: Sind Conventions noch neu für dich oder weißt du mittlerweile, was dich beim Treffen mit deinen Fans erwartet? Ich habe nämlich gelesen – ich glaube es war in den USA – dass ein japanischer Fan nur dorthin geflogen ist, um dich zu sehen, ein paar Autogramme abzugreifen und dann wieder direkt zurück geflogen ist.

Christina Lindberg: Das stimmt. Genau so war’s. Während der letzten Jahre war ich auf vielen Conventions, aber die besten waren in den Staaten, weil ‘Thriller – A cruel picture’ dank Quentin Tarantino so sehr bekannt ist.

Goatscythe: Ich weiß!

Christina Lindberg: Also hat sich der Fan womöglich daran erinnert. Er und seine 42 anderen Freunde. Denn als er kam, brachte er 42 Bilder und hatte eine Liste mit 42 unterschiedlichen Namen. Und für jeden seiner Kumpel brachte er ein Foto mit, dass ich jeweils persönlich siginiert hatte, weißt du. Und dann fragte ich ihn, wofür die seien und er sagte: Naja, ich kam heute direkt vom Flughafen und fliege morgen zurück nach Tokyo. Also ist er morgens nach Chicago und am nächsten Tag wieder zurück. Ist schon ein bisschen verrückt, aber auch sehr, sehr schmeichelhaft.

Goatscythe: Wie ist das so, als Kultdarstellerin zu gelten? Meinst du, das hast du Quentin Tarantino zu verdanken?

Christina Lindberg: Ja, auf eine gewisse Art. Ich meine, es ist typisch amerikanisch, großzügig zu sein, verstehst du. Er erzählt der Welt, dass Figuren aus ’Thriller’ ihn inspiriert haben, aber er gibt auch zu, dass er sich bei Elementen aus japanischen Filmen und so bedient. Aber seitdem er damit rausgerückt ist, sind in den Staaten eine Menge Kopien von ‘Thriller’ verkauft worden. Es ist unglaublich.

Christina in Sex & Fury
Goatscythe: Ja, die sogenannte Limited Edition ist tatsächlich limitiert auf 25.000 Stück.

Christina Lindberg: Ja.

Goatscythe: Man würde niemals so viele Kopien in Deutschland verkaufen können, weil die Leute hier den Film kaum kennen.

Christina Lindberg: Nein. Eventuell, in deutscher Sprache. Denn die Deutschen sind sehr, naja… sie wollen, dass die Darsteller deutsch sprechen.

Goatscythe: Das ist ‘ne komische Angewohnheit der Deutschen, aber ich glaube das liegt daran, dass von Anfang an Synchronisationen angefertigt wurden.. Wir sind damit aufgewachsen und einige dieser Synchros haben bereits Kultstatus.

Christina Lindberg: Ja, ich weiß. Ist ziemlich witzig für einen Schweden, sich das anzuschauen.

Goatscythe: Das kann ich mir vorstellen. (grinst)

Christina Lindberg: Deswegen ist es schon ein Vergnügen, sich deutsche Filme anzuschauen.

Goatscythe: Ja. Laut der Internet Movie Database, war ‘Thriller’ von seinem Regisseur als kommerzieller Erfolg angedacht, nicht aber als das, was man allgemeinhin als guten Film bezeichnen würde.

Christina Lindberg: Ja.

Goatscythe: Weil er, glaub ich, seinen ersten Film finanzieren wollte, der dann floppte.

Christina Lindberg: Ja, das war ein Kinderfilm. Was natürlich ziemlich seltsam ist.

Goatscythe: Klar. Und ‘Thriller’ ist ja ein größtenteils ruhiger, aber sehr angespannter Film. Bei weitem nicht die Art von Gewalt, die das Kinopublikum damals gewohnt war. War ‘Thriller’ wirklich ein finanzieller Erfolg, als er damals in Schweden veröffentlicht wurde?

Christina Lindberg: Nein, war er nicht, weil er gleich verboten wurde. Also haben sie ihn zusammengekürzt und zeigten ihn für eine Woche in Kinos in Stockholm. Er war kein Erfolg. Aber dann wurde er im Ausland veröffentlicht und machte da eine Menge Geld.

They didnt call her One Eye for nothing
Goatscythe: Tatsächlich?

Christina Lindberg: Ja. Und dann verschwand der Film für Jahre in der Versenkung. Die Leute vergaßen ihn.

Goatscythe: Ja, leider.

Christina Lindberg: Richtig, aber nun ist er wieder da.

Goatscythe: Er wurde sogar ins Deutsche übersetzt und lief auch im Kino, allerdings ohne die expliziten Szenen. Er wurde ein wenig zensiert.

Christina Lindberg: Okay.

Goatscythe: Ich habe gelesen, dass du ziemlich hart für den Film trainiert hast. Zum Beispiel Martial Arts und Schießübungen mit der Schrotflinte und solche Sachen. Gab's einen Grund, warum du den Film unbedingt machen wolltest?

Christina Lindberg: Ja, naja weißt du, in den meisten Filmen, die ich vor ‘Thriller’ drehte, war ich ein kleines, nettes Mädchen mit möglichst wenig Kleidern am Leib, verstehst du?

Goatscythe: Ja.

Christina Lindberg: Aber ich habe immer mit echten Schauspielern vor der Kamera gestanden, verstehst du. Es waren gute Filme, keine Pornos oder irdenetwas derartiges. Aber weißt du, als ich das Drehbuch zu ‘Thriller’ bekam, dachte ich: Ich mag keine Gewalt. Ich bin eine mehr als feundliche Person. Aber ich dachte schon, das wäre was für mich. Dass ich etwas besonderes draus machen könnte. Also trainierte ich Karate, hab gelernt wie man mit den Gewehren umgeht und ich hatte diese Augenklappe und musste alles mit nur einem Auge machen. Ich musste die Augenklappe jede Nacht und jeden Tag tragen, weißt du… Versuch das mal selbst mit so einer Augenklappe (hält sich das Auge zu)…

Goatscythe: Das verändert das Blickfeld und die Art wie du die Dinge siehst.

Christina Lindberg: … und dann versuch mal, mit deinen Freunden zu kämpfen.

Goaty fuchtelt in der Luft rum; Christina lacht: Genau so. Ist ein klein wenig schwer.

Goatscythe: Bei der nächsten Frage geht’s auch um ‘Thriller’: Als du den Film gedreht hast, wusstest du da von den expliziten Szenen, die es im Film dann gab?

Christina Lindberg: Nein, davon wusste ich gar nichts. Überhaupt nichts. Aber in den 70ern gab’s ein Paar namens Romeo and Julia, die in Schweden von Sexclub zu Sexclub tingelten und es auf dem Mobilar dort miteinander trieben. Dieses Pärchen war es, die für jene Szenen in ‘Thriller’ vor der Kamera standen.

Goatscythe: Das ist ja verrückt. Ziemlich coole Info.

Christina heute
Christina Lindberg: Jaha.

Goatscythe: Du hast auch einige Softsex- und Erotikfilmchen in Deutschland gemacht. Wurdest du extra dafür engagiert oder musstest du zum Vorsprechen? Ich schätze, als erotischer Filmstar hattest du keine Probleme mit Nacktszenen. Wie hast du die Dreharbeiten zu diesen Filmen in Erinnerung?

Christina Lindberg: Für die deutschen ‘Schulmädchen’-Streifen?

Goatscythe: Genau die. (lacht)

Christina Lindberg: Naja, weißt du, es ging um gutes Geld und damals war das halt mein Beruf. Und es war ja auch alles recht professionell gemacht, sehr professionell und diese Filme hatten auch gute Darsteller. Alles professionell, also war es in Ordnung für mich, dabei mitzumachen.

Goatscythe: Okay! Heutzutage haben diese Filme bei gewissen Leuten eine Art Kultstatus in Deutschland, denn die meisten Leute in meinem Alter, so etwa zwischen Anfang 30 und Anfang 40, haben diese Art von Film alle im TV gesehen…

Cristina Lindberg (entsetzt): Wirklich?!

Goatscythe: Und ob! (grinst) Die wurden damals gezeigt… wir hatten zwei private TV-Kanäle, die sowas im Spätprogramm ausgestrahlt haben.

Christina Lindberg: Na klar. Late Night Movies.

Goatscythe: Die meisten von uns haben damals Auszüge dieser Filme gesehen. Also, im Geheimen, wir wollten natürlich nicht, dass unsere Eltern das mitbekommen.

Christina Lindberg: Klar. (grinst)

Goatscythe: Okay! 1973 hast du eine Reise nach Japan gemacht, was in zwei Filmen resultierte.

Christina Lindberg: Hmhm.

Goatscythe: Was mich zu einem meiner Lieblingsfilme bringt, nämlich ‘Sex & Fury’. Zunächst einmal, was war der Grund, nach Japan zu gehen und wie war es, an einer Toei-Produktion mitzuarbeiten, die ja neben Nikkatsu das führende Studio für den damaligen japanischen Exploitationfilm waren?

Christina Lindberg: Ich habe zur damaligen Zeit auch als Pin-Up-Girl gearbeitet. Ich ging nach Paris und auf meinem Weg zurück nach Hause – ich habe damals meine Geschäfte selbst arrangiert, ich war gerade mal 20 und habe mich um alles selber gekümmert…

Christina und Stellan Skarsgård in 'Anita'
Goatscythe: Freiberuflich…

Christina Lindberg: Ja! Und dann traf ich ein paar Japaner, die waren von Toei und die fragten mich, ob ich mir vorstellen könnte, in Tokyo und Kyoto Filme zu machen und ich sagte: Ja! Ruft mich an, wenn ich wieder zu Hause in Schweden bin.Und das haben sie gemacht. Und auf ging’s nach Japan, wo ich dann die beiden Filme drehte. Tatsächlich bot man mir an, nach diesen beiden Filmen in Japan zu bleiben und unter Vertrag mit Toei weitere Filme zu drehen, da die Zusammenarbeit so gut lief. Aber dann ging ich wieder zurück nach Schweden, denn ich hatte ein Angebot für den Film ’Anita’ und so weiter und so fort. Außerdem ist es seine echte Schinderei, beim japanischen Film zu arbeiten.

Goatscythe: Ja, ich weiß.

Christina Lindberg: Die arbeiten Tag und Nacht, Nacht und Tag. Und nach drei Monaten war ich komplett erschöpft. Ich dachte, das ist kein Leben für mich. (lacht) Aber ich liebe Japan. Ich liebe Japan!

Goatscythe: Ja, ich auch. Ich will da unbedingt mal hin.

Christina Lindberg: Oh, mach das!

Goatscythe: Ja. Einer meiner Freunde fliegt in zwei Wochen dorthin. Da bin ich echt neidisch drauf, aber es ist so verdammt teuer, nach Japan zu reisen.

Christina Lindberg: Es ist kostspielig, aber mach das!

Goatscythe: Eines Tages werd ich das. Okay, nächste Frage. Du hast die zweite Hauptrolle neben Reiko Ike gespielt, die zur damaligen Zeit ein Sexsymbol in Japan war. Wie war die Arbeit mit ihr? Ich hab gehört, sie hatte einige Schwierigkeiten mit dem Gesetz, unter anderem Drogenmissbrauch, was sie letztlich dazu zwang, das Geschäft anno ’79 aufzugeben.
Christina Lindberg: Sie hatte Probleme…

Goatscythe: Wie war sie?

Christina Lindberg: Man merkte nicht, dass sie Probleme hatte. Überhaupt nicht. Sie war sehr professionell, aber sie war auch sehr zurückgezogen. Japaner sind sehr, sehr privat. Man lernt sie also nicht so gut kennen. Man kann mit ihnen arbeiten, aber sie richtig kennenlernen kann man nicht.

Goatscythe: Also unterhielt man sich nicht viel?

Christina Lindberg: Nein, nein, denn sie sprach ja kein Englisch. Damals sprachen die meisten dieser Leute kein Englisch. Und ich war Europäerin, also war’s ein wenig, als wäre ich vom Mars.

Goatscythe: Das kann ich mir vorstellen.

Christina Lindberg: Es war wirklich schwer für mich, den Kontakt zu anderen Leuten zu finden.

Goatscythe: Du musstest also immer einen Übersetzer an deiner Seite haben?

Christina Lindberg: Ich hatte einen Übersetzer dabei, ja.

Goatscythe: Okay. Eine letzte Frage bleibt uns noch. Ich glaube, ‘Sex & Fury’ hat einige reichlich surreale Einstellungen, dennoch sehr schöne, und es gibt einige recht überwältigende Momente im Film, inclusive deiner episch-tragischen Sterbeszene. Hast du den Film je gesehen, nachdem er herauskam und was hälst du heute von ihm?

Christina Lindberg: Nun, um ehrlich zu sein, habe ich ‘Sex & Fury’ nicht sehr oft gesehen. Ich habe kürzlich erst wieder ein paar Szenen gesehen, aber weißt du, ich finde es gut, dass ich diese Dinge gemacht habe, als ich noch jung war. Ich bin sehr glücklich darüber, dass ich nicht das getan habe, was jeder in Schweden damals tat. Die waren so politisch, so feministisch, also sah mein Beitrag anders aus. Ich hab mein eigenes Ding gemacht Und ich bin heute so dermaßen zufrieden damit, denn ich kann jetzt auf solche Conventions kommen und junge Leute treffen, die genau das machen, was ich damals gemacht habe. Die Regeln brechen. Und das mag ich. Sie finden ihren eigenen Weg durch’s Leben und ich war jung und fand meinen eigenen Weg im Leben, indem ich diese Dinge tat. Natürlich dachten die Leute damals, ich sei verrückt, aber ich finde, dass es ein Spaß war. Und hier bin ich nun heute und sage immer noch, dass es ein Spaß ist.

Goatscythe: So wie… “Schau mich an! Ich bin eine Kultdarstellerin. Die Leute mögen mich!”

Christina Lindberg: Ja, genau. (kichert)

Goatscythe: Das ist großartig! Okay, das war’s auch schon. Ich danke dir vielmals für diese Gelegenheit.

Christina Lindberg: Ich danke dir. Danke!


Goatscythe





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