FilmFlausen.de - Weekend of Horrors Interview: John Jarratt
                          




FilmFlausen Interview:

John Jarratt





Dies sind die Abenteuer des Flausen-Korrespondenten Dennis "Spooner" Vehlen, der mit seinem AAA-starken Diktiergerät, seit nun fast schon einem Jahrzehnt unterwegs ist, um alte Genre-Haudegen zu interviewen, neue Gerüchte aufzuspüren und journalistische Integrität zu missbrauchen. In ranzigen Korridoren, weit entfernt von jeglicher Zivilisation, kramt sich der Spooner zu Filmen vor, die noch nie ein Mensch zuvor gesehen hat (außer unsere Leser).

Wer das Interview auf Englisch lesen will, klickt hier)

Spooner: Alles klar, hier sind wir nun mit dem australischen Schauspieler John Jarratt! Ich würde mit Dir heute gerne über drei australische Filme sprechen...

John Jarratt: Drei!

S: Der erste davon wäre ‚Picknick am Valentinstag‘ – meiner Meinung nach ein wunderschöner Film, der allerdings keinerlei Sinn ergibt. Meine Frage ist also, wie bereitest du dich als Schauspieler auf deine Rolle vor, wenn im Film selbst niemand wirklich weiß was vor sich geht?

J: (dreht sich zur Kamera) ‚Picknick am Valentinstag‘ ist von 1974. Vierzig Jahre ist das her – und er erwartet, dass ich mich an all das erinnere? (lacht) Ach... Ich war erst zweiundzwanzig. Ich wusste nicht, was ich tue. Ich habe zwar mit Peter Weir, einem großartigen Regisseur, gearbeitet, aber ich war als Schauspieler noch ziemlich grün hinter den Ohren. Meine Herangehensweise war nicht die gleiche, die ich heute habe. Ich habe versucht bei der Arbeit möglichst viel zu lernen, und ich hatte Glück, dass Peter Weir mir dabei geholfen hat. Ich habe die Dinge nicht so sehr in Frage gestellt, wie ich es heute tue.

S: Peter Weir war als Regisseur selbst noch relativ unerfahren; das war einer seiner ersten Filme, richtig?

J: Es war sein zweiter Film. Er hatte vorher einen Film namens ‚Die Autos, die Paris auffraßen‘ und einige größere Werbesports und sowas gedreht.

John Jarratt in 'Picknick am Valentinstag'
S: Okay, er war also...

J: Er war etwa dreiunddreißig Jahre alt, ja. Und er ist immer noch im Geschäft. Ich bin auch immer noch dabei, und ich bin schon zweiundsechzig! (tut als würde er wegnicken)

S: Du hast also keine besonderen ‚Picknick‘ -Geschichten auf Lager?

J: Das waren die Siebziger. Die meiste Zeit über waren wir high. Ich erinnere mich nichts mehr. (lacht)

S: Das ist doch auch ne nette Geschichte! Also, der nächste Film – ich habe dir bereits vor dem Interview gesagt, dass ich ‚Dark Age‘ ziemlich gut finde.

J: Oh ja. Tarantino mag diesen Film auch sehr. Ich persönlich halte ihn für nen Scheißfilm. Ich finde nicht, dass er besonders gut ist. Aber er mag ihn. Viele Leute lieben ihn sogar. Ich meine... du magst ihn ja auch!

S: Ich finde ihn allerdings nicht so gut wie ‚Horror-Alligator‘ – Hast du den schon mal gesehen?

J: Nah.

S: Ein wirklich cooler Film. Ich habe dich in dieser tollen Dokumentation ‚Not Quite Hollywood – The wild untold story of Ozploitation‘ gesehen, wo du darüber geredet hast, dass das Krokodil bei ‚Dark Age‘ nicht funktioniert hat...

J: Ja, ganz recht! Wir hatten dieses Krokodil, das von den gleichen Leuten gemacht wurde, die auch ‚Der Dunkle Kristall‘ gemacht hatten, und sie haben dafür 250.000 Dollar ausgegeben, damals 1985. Ich habe es auf den Semitruck gebracht und letztendlich ins Wasser gelegt und es ging nur „Pffffssssh“ und es war hinüber. Sie haben es dann zurückgebracht und noch mal von vorne angefangen. Die künstlerische Abteilung hat dann also einen Krokodilkopf besorgt, in den sie zwei Stäbe gesteckt haben und ein Taucher unter Wasser hat ihn bewegt und es ging *schnapp, schnapp, schnapp*. (lacht) Das hat dann wesentlich besser funktioniert, als das 250.000 Dollar Krokodil.

S: Man hört viele Geschichten darüber, wie die Animatronik-Effekte nicht funktionieren. Bei ‚Der weiße Hai‘ hatten sie ähnliche Probleme.

J: Gott sei dank gibt’s heute Computer, eh?

S: Naja. Die sehen dafür eben nicht so gut aus.

J: Ja.

Als Mick Taylor in 'Wolf Creek'
S: Was ich an ‚Dark Age‘ besonders mag, ist dass sie selbst in einem Killer-Krokodilfilm eine Auto-Verfolgungsjagd einbauen konnten.

J: Oh, jaja.

S: Das finde ich bei den australischen Filmen immer schön.

J: Die Aussies werden immer ne Verfolgungsjagd einbauen.

S: Ohne geht es nicht.

J: Wir fahren eben gerne. (lacht) Und wir haben jede Menge Platz!

S: Noch dazu habt ihr in diesen Filmen immer die coolsten Autos!

J: Ja, ja!

S: Selbst in ‚Wolf Creek‘ gibt es diese Auto-Jagden...

J: In ‚Wolf Creek‘ bin ich die ganze Zeit selbst gefahren.

S: Du bist selber gefahren? Coole Sache! Nun, ein anderer Film der mir in deiner Filmographie aufgefallen ist, den ich jedoch selbst nie gesehen habe ist ‚Summer City‘ mit Mel Gibson und Steve Bisley. Hast du dazu irgendwas zu sagen?

J: Ja. Wir haben ihn ‚Bummer City‘ genannt. (lacht) Es war ein echter Reinfall. Ich kannte Mel und Steve von der Theaterschule – da haben wir uns angefreundet. Dort bin ich damals auch an ‚Picknick am Valentinstag‘ und diese Sachen gekommen. Ich kannte sie nur als Freunde, habe ihre Arbeit auf der Bühne gesehen und dachte mir „Diese Typen sind der Wahnsinn!“. In den Sommerferien haben wir ihnen also die Rollen verschafft und angefangen zu drehen. Aber dem Film ging das Budget aus. Es gab alle möglichen Probleme.

S: Okay. War das vor oder nach ‚Mad Max‘?

J: Oh nein, aufgrund von ‚Summer City‘ haben Mel und Steve Bisley überhaupt erst das Angebot für ‚Mad Max‘ bekommen, weil George Miller den Film gesehen hatte.

S: Das ist ja doch was Positives!

Und nochmal Krokos: In 'Rogue'
von 'Wolf Creek'-Macher Greg McLean
J: Ja – mich haben sie (für ‚Mad Max‘) auch gefragt. Aber ich habe an einem Film namens ‚Blue Fin‘ gearbeitet und hatte keine Zeit.

S: Weißt du noch, für welche Rolle man dich haben wollte?

J: Oh, ich bin nicht mal zum Vorsprechen oder dem Screentest gegangen. Sie fragten mich „Willst du diesen Film drehen?“ und ich sagte nur „Nee nee, ich drehe ‚Blue Fin‘“, also bin ich nicht mal dort aufgetaucht. Für George Miller war es nicht einfach, denn das war das erste Mal, dass er Regie geführt hat. Der Produzent hatte das auch zum ersten Mal gemacht, sie hatten kaum genug Geld, sie haben Dinge zerstört... es klang wie ein Horrorfilm.

S: Ja, was man über die Dreharbeiten hört klingt nach totalem Chaos. Aber es hat offenbar funktioniert.

J: Offensichtlich!

S: Wir haben bereits erwähnt, dass Tarantino ein großer Fan von dir ist. Er bezeichnet dich als seinen liebsten australischen Schauspieler. Und du warst seine erste Wahl für die Rolle von Stuntman Mike in ‚Death Proof‘ – ist das korrekt?

S: Nein. Ich war die erste Wahl für die Rolle des Barkeepers in ‚Death Proof‘, die Quentin am Ende selbst gespielt hat. Seine erste Idee war eine Aussie Bar, die er die Dingo Bar genannt hätte. So wollten wir es machen, aber unglücklicherweise für mich, hat er es sich anders überlegt und gesagt, dass es für ihn so nicht funktioniert hätte. Er hat die Bar also wieder amerikanisch gestaltet und den Barkeeper selbst gespielt. Ich war also nicht wirklich für die Hauptrolle vorgesehen.

S: Du hast dann allerdings einen der Minen-Angestellten in ‚Django Unchained‘ gespielt...

J: (lächelt) Ja genau!

S: Und du bist in einer Szene mit Quentin Tarantino. Wie ist es für dich als Schauspieler, wenn du zusammen mit dem Regisseur spielen musst?

Jarratt in Tarantinos 'Django Unchained'
J: Oh naja, da ich schon vierzig Jahre lang im Geschäft bin, beeindruckt mich sowas nicht mehr so sehr. Ich habe schon mit fantastischen Leuten gearbeitet; du hast ja zum Beispiel schon Peter Weir erwähnt. Und Quentin ist fantastisch, aber es ist eben auch „mein Job“. Es ist nicht so, als wäre das meine erste Rolle gewesen. Ich habe die Arbeit mit ihm sehr genossen. Er ist ein beeindruckender Regisseur und, wie ich ihn gerne beschreibe, ein wundervoller Mann. Er ist ein ziemliches Genie, weißt du. Er hat sehr viel im Kopf und er weiß genau was er tut. Es ist eine absolute Freude, mit ihm zu arbeiten.

S: Hast du ihm ein bisschen mit seinem Aussie-Akzent geholfen?

J: Ja, das habe ich!

S: Ich finde, er hat es nicht GANZ hinbekommen.

J: (lacht) Eigentlich schon, bis auf „Shut up, blekk“. Das war das erste, was er sagen musste, und ich war an diesem Tag nicht da. Und er hat es mir verdammt noch mal nicht vorher gesagt. Es waren bloß drei Worte: „Shut up, blekk“, aber so wie er es ausspricht war es „Shut up, black“, was genau wie das amerikanische „black“ klingt. Und an der Stelle hat er das Publikum verloren. Aber wenn du von dort an zuhörst, macht er es wirklich gut. Er trifft es ziemlich genau. Es ist bloß dieses „Shut up, black“. Das hat ihn ganz schön aufgeregt.

S: Hast du auch Michael Parks geholfen?

J: Oh, der hat einen amerikanischen Akzent gesprochen.

S: Ja, ich habe mich ein wenig gewundert, wieso in dieser Szene jeder irgendwie anders klingt...

J: Ich war der Einzige mit einem puren Aussie-Akzent, würde ich sagen!

S: Du warst der einzige Australier, richtig?

J: Nun, ursprünglich sollte auch Anthony LaPaglia dabei sein, aber der Termin hat sich verschoben, und als Quentin bereit war, war Anthony nicht mehr verfügbar. Dann sollte sogar Steve Bisley für kurze Zeit mitspielen, aber dann war auch der nicht mehr verfügbar. Die Besetzung hat sich also ein bisschen verändert. Und als ich dann dabei war...

S: Am Ende hat alles irgendwie funktioniert.

J: Ja. Ich meine, es ist eben wie es ist.

S: Okay, die letzte Frage. Gibt es irgendwelche australischen Filme, von denen du denkst, dass mehr Leute auf der restlichen Welt sie sehen sollten?

J: Uhmmm. Ich glaube, die wirklich großartigen Filme, sind auch erfolgreich und bekannt geworden. Mit der Ausnahme eines Films, namens ‚100 Bloody Acres‘, in dem ich vor kurzem mitgespielt habe. Der ist durch illegale Downloads zu Grunde gegangen. Das ist sehr traurig, weil das ein wirklich guter Film war. ‚100 Bloody Acres‘ – ich habe nur einen Gastauftritt darin, aber der Film ist wirklich gut. Wenn ihr also die Gelegenheit habt, ihn zu sehen – KAUFT IHN! (lacht). Mit Geld. Hört mit den illegalen Downloads auf, Kinder. Ihr tötet die Filmindustrie.

John & Spoon

S: Ich danke dir vielmals!

J: Dank dir, Kumpel! Wunderbar!



Spooner





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