Samen des Bösen


‘Conceived in violence, carried in terror, born to devastate and brutalize a universe!’


Originaltitel: Inseminoid (1981) Regie: Norman J. Warren
Drehbuch: Nick Maley & Gloria Maley
Darsteller: Robin Clarke, Jennifer Ashley, Stephanie Beacham FSK: 18


Norman J. Warren, Norman J. Warren, Norman J. Warren… ah hier: “Norman J. Warren, Regisseur von THE DESTRUCTOR.“ Oh Shiiiiiiiiiiii… da lief der Film aber schon.

Ja und ähm, das hier lief auch schon mal irgendwo...

’Samen des Bösen’ also. Da geht es um die Vergewaltigung eines Menschen durch eine außerirdische Lebensform mit dazugehöriger Befruchtung und daraus resultierender Glottergeburt. Das sollte das Publikum schocken. Nur hatte das Publikum ein paar Jahre zuvor schon einen kleinen Film namens ’Alien’ gesehen, in dem grundsätzlich dasselbe passierte.
Nur halt besser, kreativer und vor allem noch perverser, nämlich durch orale Befruchtung. Leute, ich weiß nicht wie’s euch geht, aber ich glaube, es wird schwer, das zu toppen.
Trotzdem wurde es immer und immer (und immer und immer) wieder versucht. Immer noch. ’Insemnoid’ macht da keine Ausnahme. Helle Raumschiff-Interieurs, Finstere Waber-Höhlen, Helme mit Taschenlampen, eine irritierte Space-Crew, Kontakt mit Alien Material, Contaminazione, da hamwa den Salat.
Die schablonenhafte Story um Weltraum-Archäologen, die nach Kontakt mit Alien-Ma-… ach nee, das sagte ich ja schon im Satz zuvor. Es wird auch nicht besser dadurch, dass ich’s wiederhole, oder? Schablonenhaft eben und keines weiteren Wortes würdig.

One night stand auf Alien-Art

Ab der Hälfte des Films sehen wir dann die verwirrte zukünftige Alien-Mama wieder und wieder durch Korridore und Stollen rennen, mit Tonnen um sich werfen, ihre kreischenden Kameraden verprügeln und mit wild aufgerissenen Augen das Publikum ängstigen.
Eine unüberschaubare Anzahl von flachen Figuren vergrätzt hier jegliche Identifikationsmöglichkeiten, nur ein paar blutige Momente und Gummi-Aliens versprechen kurze Abwechslung inmitten eines Filmes, der keine Versprechungen halten wird.
Die Musik erinnert in ihren besten Momenten an das Schlosslevel aus ’Alex Kidd in Miracle World’, wird zumeist jedoch von einer gekünstelter Geräuschkulisse verdrängt.
Ausstattung und Design liegen leicht über dem Genre-Durchschnitt und das ist auch das Netteste, was ich über ’Samen des Bösen’ (ja wo samen sie denn?) sagen kann.
Wie ausgerechnet die Handkanten-Experten von den Shaw Bros. darauf kamen, diesen Handkäse zu produzieren ist mir ein Rätsel.
Die Kelly Family komponierte Jahre später ihren Hit ’Fell in love with an alien’ inspiriert durch diesen Film.*

Bon Appétit, E.T.

Leute, ich sag’s euch nicht zum ersten und höchstwahrscheinlich auch nicht zum letzten Mal: Wenn ihr Qualität, Kreativität, Horror, Atmosphäre und Kult wollt, haltet euch ganz einfach an das Original. Ridley Scotts Klassiker ist nach wie vor der Maßstab für diese Art von Film. Vergewissert euch ruhig ein weiteres Mal davon, ehe ihr eure kostbare Zeit hiermit verschwendet. Und wer unbedingt ein ’Alien’-Ripoff braucht, der greife bitte zu Roger Cormans weitaus originellerem und ungleich unterhaltsamerem ’Planet des Grauens’. Signing off.



*Ja, das war gelogen. Sorry, ich brauche die Aufmerksamkeit.

Hudson