Insel der Verdammten


‘Experience The Year 2000...
And Hope To Hell You Can Escape!’


Originaltitel: Turkey Shoot (1982) Regie: Brian Trenchard-Smith
Drehbuch: Jon George, Neill D. Hicks, David Lawrence, George Schenck & Robert Williams Darsteller: Steve Railsback, Olivia Hussey, Michael Craig
FSK: ungeprüft


‘Kommando des Schreckens’, ‘Blood Camp Thatcher’, ‘Turkey Shoot’, ‘Escape 2000’ … ‘Insel der Verdammten’ hat viele Namen und mindestens doppelt so viel Exploitation in der Zwiebel, um diesen marktschreierischen Titeln gerecht zu werden.

Fahnenappell mal anders

Die nahe Zukunft sieht finster aus und erinnert viel mehr an eine Zeit, die in nicht allzu ferner Vergangenheit liegt. Menschen, die nicht nach den Dekreten des totalitären Staates leben, kurz Misfits, Agitatoren und Freigeister werden ohne viel Federlesen zur brutalen Umerziehung in ein Konzentrationslager verfrachtet. Unter der Leitung des skrupellosen Ordnungs-Faschisten Thatcher werden die Insassen vom sadistischen Personal gezüchtigt, erniedrigt und notfalls gerichtet. Es gibt nur eine geringe Chance auf Entlassung: Thatcher veranstaltet im Beisein wohlhabender Widerlinge regelmäßig eine abartige Menschenjagd auf dem Gelände um das Lager. Überlebenden Teilnehmern soll angeblich die Freiheit geschenkt werden.Drei Neulinge, der Revoluzzer Paul, die unschuldige Chris und die fesche Jennifer, bekommen diese winzige Chance. In der Begleitung zweier Insassen werden sie mit kurzem Vorsprung in den Dschungel entlassen. Ein erbarmungsloser Kampf ums Überleben beginnt…

High Society der Perversionen

“Subversive dürfen sich nicht fortpflanzen, solange ihre moralische Integrität nicht wieder hergestellt ist. Schwangere erhalten einen Schwangerschaftsabbruch und werden danach sterilisiert. Männliche Subversive, die für diese Schwangerschaft verantwortlich sind, werden kastriert.“

Hands ab, Baby Hands ab!
Starker Tobak, ihr lest’s ja selbst. Jedoch folgt dem höchst brisanten Setup eine vor allem spannende, wenn auch teilweise absurde Hetzjagd, die das Gesamtergebnis unweigerlich in reißerische Randgebiete des australischen Action- Kinos befördert. Nicht, dass ich etwas anderes von ’Escalation’-Regisseur Brian Trenchard Smith erwartet hätte und nicht, dass etwas daran falsch wäre, das klassische Thema aus ’The Most Dangerous Game’ in ein neues Gewand zu packen (es sollte nicht das letzte Mal sein).
Ein Jahr vor seinem Kultfilm ’Die BMX-Bande’ (hey, bei uns in der DDR war der Kult!) schickte Trenchard Smith (der in den Neunzigern leider zum Full Time-Trash-Regisseur wurde) Steve Railsback (‘Insect’), Olivia Hussey (‘ES’), Paul Young (‘Chopper’) und John Ley (’Mad Max’) auf eine Hetzjagd durch die australische Version von ’Graf Zaroffs’ Insel. Das sind zwar keine Super-Mimen, jedoch leisten sie ganze Arbeit, wenn es darum geht, den Future-Faschisten (u.a. Roger Ward, bekannt als Mel Gibsons grobschlächtiger Chef in ’Mad Max’) die Stirn zu bieten und angsterfüllt durch’s Gestrüpp zu hetzen. Dazu erklingen passend wuchtige Töne aus der Feder von Australiens Meister-Komponist Brian May (’Road Games’).

Im Ernst, das Vieh heißt Alph!
Nach orwellschen Anspielungen (“Wir werden sicherstellen, dass jeder von ihnen umfassende Möglichkeiten zur Selbstkritik erhält.“) und Schlagwörtern, die nur über knappe Umwege zur NS-Allegorie führen (“Freiheit ist Pflichterfüllung. Pflichterfüllung ist Arbeit. Und Arbeit ist Leben.“), geht es bald noch weniger subtil zur Sache. Kastrierte Wärter mit unerfüllten Vergewaltigungsfantasien, degenerierte Mitglieder der Oberschicht, die ihren letzten Kick in der Jagd auf Menschen finden und schließlich das Foltern und Töten jener Menschen auf möglichst graphische Art und Weise gehören allesamt zu jenen Schauwerten, an denen Zartbesaitete schnell Anstoß finden dürften.
Sei’s drum. Wenn es Richtung Finale geht, verliert der Film ohnehin jegliche Zurückhaltung und setzt auf ein breitgefächertes krawall-Szenario voller Feuergefechte und Explosionen. Warum auch nicht? Bei einem Film, in dem steinreiche Bastarde einen hauseigenen Wolfsmenschen namens Alph (mal kurz auf der Zunge zergehen lassen) für die Drecksarbeit haben, ist schon von Natur aus alles möglich.

Now we're talkin'!

Fazit: ’Insel der Verdammten’ ist weniger heikel, als es zuerst klingen mag. Neben all dem Gleichnis-Tohuwabohu, handelt es sich zuallererst um eine kurzweilige, spannende und bis zur Kante mit Action gefüllte Schundperle, die zwar nicht für sanfte Gemüter geeignet ist, aber umso mehr für gestandene Liebhaber des ’Take-no-Prisoner’-Bahnhofskinos.


Hudson