Insel der Ungeheuer


‘Welcome to the Bottom of the Food Chain!’


Originaltitel: The Food of the Gods (1976) Regie: Bert I. Gordon
Drehbuch: Bert I. Gordon & H.G. Wells
Darsteller: Marjoe Gortner, Pamela Franklin, Ralph Meeker FSK: 16


Und wieder einmal heißt es ’Riesentierhorror’ von Bert I. Gordon, dem Genie hinter ’Die Rache der schwarzen Spinne’, ’In der Gewalt der Riesenameisen’ und nun...

...In der Gewalt der Riesenhennen!

Morgan (Marjoe Gortner, ’Star Crash’), ein Footballprofi mit Faible für Voice Overs, fährt mit zwei Kumpels auf eine Insel, um zu Jagen. Im Wald bekommt es einer der Herren mit einer überdimensionalen Wespe zu tun und stirbt (und schwillt!) an den Folgen eines Stiches. Als Morgan auf dem Eiland nach Hilfe sucht, trifft er auf eine seltsame alte Frau, in deren Stall Riesenhühner hausen und die etwas von einer Substanz erzählt, die der liebe Gott seinen braven Kindern auf die Erde schickt, bzw. aus dem Boden sickern lässt. Es stellt sich heraus, dass auch die Tiere auf der Insel ganz gerne von der Götterspeise naschen und zu riesigen Biestern heranwachsen. Bald sehen sich einige Insulaner, Morgan und sein Kumpel, sowie ein Pärchen mit anstehendem Nachwuchs und ein geschäftstüchtiger Lebensmittelfabrikant von überdimensionalen Viechern bedrängt und müssen den Kampf gegen Riesenwespen, Killermaden und eine Horde von gefräßigen Monsterratten aufnehmen…

Ja, er ist hanebüchen, nicht wirklich optimal getrickst und voll von bösen, bösen Klischees, aber eine gewisse Dynamik kann man ’Insel der Ungeheuer’ einfach nicht absprechen.

Made in Blood
Man könnte fragen, warum der Protagonist (ein professioneller Footballspieler, der in wenigen Tagen ein wichtiges Spiel hat) nach dem Tod seines Freundes erneut auf die Monsterinsel fährt; warum die gigantischen Ratten wie Leoparden fauchen, warum die Riesenwespen transparent sind und warum Marjoe schneller mit dem Jeep an der Hütte ist als das Wasser des Damms, den er gerade gesprengt hat…
Aber das bringt alles nichts und warum sollten wir uns auch einen zügig vor sich hin ratternden Tierhorror-Schlock wie diesen hier mit solch müßigen Fragen verderben? Wichtig ist: Die Darsteller sind mit Leib und Seele bei der Sache, beschränken das zwischenmenschliche Gelaber auf das nötigste und lassen lieber Taten sprechen.
Die daraus resultierende Kurzweiligkeit tut dem Film mehr als gut. Eine Hüttenbelagerung wechselt sich mit Streifzügen durch den (übrigens sehr schön anzusehenden) Wald British Columbias ab, Tierhorror trifft auf Katastrophendrama und Marjoes Frisur verfängt sich nicht einmal im Geäst. Alles was ging wurde auch irgendwie mit reingestopft. Die Tricks sind mehr zweckmäßig als alles andere, wenn jener Zweck aber erfüllt wird, hier und da auch noch riesige Rattenpuppen den Protagonisten den Lebenssaft abzapfen und Gortner einen waschechten Cockfight hinlegt, gibt es wirklich kienen Grund, darauf herumzutrampeln.
Ich kann nur hoffen, dass (wie von Gordon versichert) die echten Tierchen beim Dreh unversehrt davongekommen sind, woran die eine oder andere Szene doch Zweifeln lässt.

Ratten greifen Autos an!

Ich sagte es bereits, man kann diesem Film vieles Vorwerfen, aber langweilig ist er nicht. B-Movie-Fans und Naturkundler mit dem Sinn für’s Absurde dürften ihren Spaß haben. Alle anderen wahrscheinlich weniger. Ich selbst kann mich nicht beklagen, danke. Aber ich hab wohl auch so ’nen Soft Spot für diese Art von Film im Hirn.


Hudson