Pleasures of Flesh - Sündiges Verlangen


‘Deep. Dark. Deadly.’


Originaltitel: Inner Sanctum II (1994) Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Steve Armogida & Fred Olen Ray
Darsteller: Michael Nouri, Tracy Brooks Swope, Sandahl Bergman FSK: 18


Drei Jahre nach seinem sleazigen Smud-Thriller 'Inner Sanctum' ließ es sich Fred Olen Ray nicht nehmen, eine Star-besetzte Fortsetzung hinterher zu hämmern. 'Inner Sanctum II' - in Deutschland als 'Pleasure/s of Flesh' bekannt - schließt storytechnisch dicht an den Vorgänger an.

I was in Star Trek 5...
might as well work with
Fred Olen Ray now
Die Geschichte von Jennifer Reed, die am Ende des ersten Teils (Spoiler Alarm!) ihren eigenen Ehemann töten musste, da dieser versucht hat, sie zu ermorden, um an ihr Geld zu kommen, setzt kurze Zeit nach diesen Geschehnissen wieder ein. Jennifer (diesmal von Tracy Brooks Swope gespielt) hat den Rollstuhl hinter sich gelassen und gelernt, ohne ihren Mann zu leben. Unterstützt wird sie dabei von ihrer neuen Krankenschwester Jane und ihrem Psychiater Dr. Lamont (David Warner!). Um ein paar Erbschaftsangelegenheiten des nun toten Baxter Reed abzuklären, kommen dessen Bruder Bill (Michael Nouri, 'The Hidden - Das unsagbar Böse') und dessen Frau Sharon (Sandahl Bergman, ’Conan der Barbar’) zu Besuch. Jennifer hat sich zwar körperlich erholt, wird aber immer noch von Alpträumen ihres mittlerweile zombiefizierten Göttergatten geplagt. Sie beginnt zu glauben, dass Zombie-Bax noch aus dem Grab zurückschlagen will. Doch auch Bill ist nicht so unschuldig, wie er scheint und will zusammen mit Baxters alter Flamme Anna (erneut von Margaux Hemingway gespielt) mehr als nur sein Erbe kassieren. Und welche Rolle spielt seine frustrierte Frau?

Gratuitous Evil Ash Cameo
Wie bereits im Vorgänger gilt auch in 'Pleasure of Flesh' das Motto: Trust No 1. Alle Figuren werden bewusst undurchsichtig inszeniert, jeder hat seine kleinen Geheimnisse und ein Twist jagt den Nächsten. Zwar gibt es in diesem Film ein paar Figuren mehr, aber der Fokus liegt größtenteils auf Jennifer, Bill und der neuen Krankenschwester, die ihren Job allerdings gewissenhafter macht als Tanya Roberts im ersten Teil. Das erste was in diesem Film auffällt, ist die Umbesetzung der Hauptfigur durch Tracy Brooks Swope (die später noch in Rays C-Actionflick 'Crash Dive 2' auftreten sollte). Swope spielt Jennifer auf eine völlig andere Art und Weise, als Valerie Wildman vorher. Sie legt die Rolle wesentlich stärker und offener an und obwohl ihre Figur viel zu kreischen hat, wirkt sie zu keinem Zeitpunkt so paranoid, hilflos und bitter wie Wildman. Das ist angesichts des Drehbuchs allerdings hilfreich, da die Figur neuen Mut im Leben gefunden hat und die verstörte Jennifer als Heldin nicht funktioniert hätte.
Insgesamt wirkt der ganze Film, verglichen mit dem fast klaustrophobischen Vorgänger, ein Stück 'freundlicher' und weit weniger düster. Alles wirkt hier etwas routinierter, was aber nicht unbedingt besser ist. Der Film hat zwar eine gewisse Spannung, erreicht allerdings keine vergleichbare Intensität mit seinen Hauptfiguren.

Aber Augenblick! Das hier ist immer noch ein Sleaze-Review, also - was wird in Sachen Erotik geboten? Erneut lässt Fred sich bis zur ersten Sex-Szene nur zehn Minuten Zeit, was mich persönlich immer wieder an seine Zuverlässigkeit als Regisseur erinnert. In dieser Szene zeigt die sonst eher unbekannte Jennifer Ciesar als Schwester, was sie hat. Ciesar ist in diesem Film definitiv die heißeste weibliche Darstellerin und auch die mit den meisten Nacktszenen (bei aller Liebe zu Sandahl Bergman, aber wollen wir sie wirklich noch außerhalb ihrer Unterwäsche sehen?*).

SANDAHL BERGMAN!
Ob im Nachthemd, in der Badewanne oder in diversen Bettszenen mit dem Gärtner - Jennifer Ciesar macht eine hervorragende Figur. Was aber gesagt werden muss, ist, dass die Sex-Szenen im Vergleich zum ersten Teil weniger kraftvoll wirken, da sie eben doch größtenteils mit Nebenfiguren stattfinden. Eine halbe Vergewaltigung Sandahls durch ihren Mann ist da schon emotionaler, zeigt aber wie gesagt keine völlige Nacktheit. Sandahl Bergman macht insgesamt einen anständigen Job in diesem Film. Wenn sie auch keinen Brustpanzer tragen darf, kann sie immerhin ein paar Gefühlsausbrüche spielen und gegen Ende ein weiteres Mal ihre Kampfkünste vorführen. Außerdem freuen wir uns doch einfach immer, sie zu sehen!
Was Michael Nouri angeht, haben wir eine solide Performance, die an die seines 'Bruders' im ersten Teil erinnert. Einer seiner besten Momente ist, wenn er Jennifers Beine massiert und dabei fast ungemütlich intim wird.
Die wohl größten Namen in Sachen Cast sind allerdings den Cameos und Mini-Rollen vorbehalten. Hier haben wir allen voran David Warner als Dr. Lamont, der eine gewohnt gute Leistung an den Tag legt und den Film mit seiner bloßen Anwesenheit enorm aufwertet. Als Polizisten kriegen wir in einigen Szenen Joe Estevez (hatte wohl gerade ’nen Tag frei am 'Fatal Justice' Set) und Urgestein James Booth zu sehen, die ebenfalls gute Arbeit leisten. Ob Vielfilmer Estevez allerdings das ganze Skript gelesen hat, um in seinen drei, vier Szenen gut zu spielen, stelle ich dezent in Frage. Der vielleicht netteste Cameo des Films geht an FOR-Favorit Robert Quarry ('Beverly Hills Vamp') als Jennifers Anwalt mit Spock-Synchro. Ganz kleine Auftritte haben auch der Meister selbst (der sich sogar im Abspann mit Rollennahmen erwähnt hat, ohne auch nur einen Satz zu sagen), Peter 'Turbo' Spellos ('Hard to Die') und John Blyth Barrymore ('Hybrid'). Die einzige, die außer Hemingway ihre Rolle aus dem ersten Teil wieder aufgenommen hat, ist übrigens Suzanne Ager als Baxters Sekretärin.

Hatte ich noch im Review zu Teil 1 die starken Traum-Sequenzen erwähnt, geht man im Sequel ein bisschen Over the Top. Bereits die erste Szene des Films zeigt einen Alptraum von Jennifer, die auf dem Friedhof das Grab ihres Mannes besucht, der dann als Zombie im käsigen Horror-Make-Up mit Sandahl Bergman tanzt. Insgesamt sind alle Szenen mit Zombie-Baxter eher urkomisch und trashig, als seltsam-düster. Nur eine Szene, in der Jennifer einen Sex-Traum hat und Baxter als Skelett auftaucht, ist ziemlich gut gelungen.

Screaming in all directions

Fazit: 'Inner Sanctum II' ist ein sehr routiniert wirkender Film. Er ist technisch einwandfrei gemacht, gut besetzt und spannend genug inszeniert. Im Vergleich zum ersten Teil verliert er aber auf Grund der weniger fiesen Stimmung. Nach diesem Sequel gefragt hat sicherlich niemand, aber es hätte dann doch auch wesentlich schlechter ausfallen können. Erneut gilt, für Fred-Olen-Ray-Allesgucker und 'Inner Sanctum'-Fans (who am I kidding?) ist der Film durchaus sehenswert.


P.S.: Das größte Manko an meinem persönlichen Film-Vergnügen war, dass ich dummerweise zur geschnittenen deutschen DVD gegriffen habe. Die Schnitte in dieser Fassung sind derartig dreist und dilettantisch gemacht, dass man nicht nur sämtliche Gewaltszenen vermisst, sondern auch von ein paar wirklich störenden Jump-Cuts irritiert wird. Das geht beim Filmgenuss gewaltig auf die Nerven. Geht also sicher, euch die 18er Fassung zu besorgen.


* Anm. von Hudson: Entschuldige mal! Sandahl war 1994 gerade 43 Jahre alt und immer noch fitter, attraktiver und blonder, als die meisten fitten, attraktiven Blondinen ähnlichen Alters in ihrer Branche. Also, um deine Frage zu beantworten: Klar, warum nicht?


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