Fatale Leidenschaft


‘Where passion and murder are one...’


Originaltitel: Inner Sanctum (1991) Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Mark Thomas McGee
Darsteller: Tanya Roberts, Margaux Hemingway, Joseph Bottoms FSK: 16


Der Sleaze ist zurück! Und dieses Mal befinden wir uns in guten Händen.
'Inner Sanctum' Teil 1 (oder im deutschen 'Fatale Leidenschaft') macht den Einstieg zum vierteiligen Fred-Olen-Ray-Marathon bei Sleazy Spoon's und ich kann vorweg sagen: Kein schlechter Start. Nach dem Freds vermutlich beste Schaffensperiode mit den 80ern langsam zu Ende ging und in der folgenden Dekade ein bisschen 'Hit & Miss' galt, ist dieser '91 gedrehte Erotik-Thriller eine recht angenehme Überraschung.

“Are you married, Lynn?”
“I was.”
“What happened?”
“He died.”
“I’m sorry.”
“Don’t be. He was a creep."

Inner Butze
Jennifer und Baxter Reed sind kein glückliches Ehepaar. Sie ist von Zweifeln und Minderwertigkeitskomplexen geplagt, er macht's lieber mit seiner Kollegin (gespielt von Margaux Hemingway). Als Jennifer sich eines Nachts mal wieder vernachlässigt fühlt, stürzt sie sich unter Medikamenten-Einfluss die Treppe runter, um Baxter auf sich aufmerksam zu machen. Ab jetzt an den Rollstuhl gefesselt, ist ihr Leben allerdings eine noch größere Hölle als vorher. Baxter hat jegliches Interesse an seiner Frau und ihren ständigen Selbstmordversuchen und Vorwürfen verloren und stellt für sie nun eine Krankenschwester ein - die attraktive Lynn (Tanya Roberts). In ihr scheint Jennifer zunächst eine Vertrauensperson gefunden zu haben, doch nach kurzer Zeit stellt sich heraus, dass auch Lynn ein paar Leichen im Keller hat...

Außer Kontrolle
'Inner Sanctum' ist ein verworrener B-Erotik-Thriller, der dank seiner undurchsichtigen Figuren, häufigen Twists und ein paar prickelnden Sex-Szenen durchaus interessant ist. Die drei Hauptakteure Jennifer (Valerie Wildman, die TV-Ruhm in 'Zeit der Sehnsucht', sowie einige kleine Rollen in Mainstream-Filmen hatte), Baxter (Joseph Bottoms, 'Das schwarze Loch') und Lynn (Tanya Roberts, ehemaliges Bond- & Beastmaster-Girl, außerdem Königin des Dschungels) spielen sich für einen Low-Budget-Streifen ziemlich glaubhaft durch die Sex & Crime-Story. Vor allem Wildman als wehrlose, paranoide Invalide und Bottoms als soziopathischer Ehebrecher haben den ein oder anderen guten Moment und eine gelungene Chemie als unglückliches Paar. Tanya Roberts kann besonders in ihren Nacktszenen punkten, hat aber durch ihren undurchschaubaren Charakter einen Bonus. In den Nebenrollen machen die 1996 verstorbene Margaux Hemingway ('Lipstick' - übrigens die Enkelin von Ernest Hemingway) als Baxters Geliebte und Brett Baxter Clark als mutmaßlicher Auftragskiller eine solide Figur. Und damit auch die FOR-Fangemeinde was zu Lachen hat, gibt Jay Richardson gegen Ende den ermittelnden Bullen. Kurzum, die Darsteller gehen fast ausnahmslos in Ordnung - nur die Figuren sind durch die Bank weg miese Vögel. Aber genau das passt bei einem Film wie diesem und funktioniert mit einer irgendwie unbehaglichen Stimmung.

Aufe Alde
Die stärksten Momente hat 'Inner Sanctum' meiner Meinung nach in seinen Traum-Sequenzen und Sex-Szenen. Gerade die erste Alptraum-Szene, in der Jennifer ihrem Mann beim Sex mit einer anderen Frau zusieht, aber dabei keinen Mund hat, ist wirklich seltsam und düster. Am Ende dieser Szene finden sich, wenn Baxter seiner Frau die Kehle und Pulsadern aufschlitzt, sogar zwei wirklich gut aussehende, realistische Gore-Effekte - wenn auch die einzigen des Films. In einer anderen Traumszene gibt's ziemlich graphischen Sex mit Tanya Roberts zu einem knackigen Rocksong. Was die Sex-Szenen angeht, ist Roberts natürlich der Hauptgewinn. Während Margaux Hemingway nur bei Close Ups auf ihren nackten Körper halbwegs attraktiv wirkt (just my two cents), ist Tanya erotisch und ausgelassen. Interessant ist hierbei, dass sie als Bedingung für ihr Mitwirken am Film darauf bestanden hat, ihre Sex-Szenen selbst auszuarbeiten. Eine dieser Szenen ist am Ende so schlüpfrig ausgefallen, dass sie selbst für's R-Rating geschnitten werden musste. Hätt’ ich gern gesehen, nech.
Auch sind die Nacktszenen über den Film schön zahlreich verteilt und Fred Olen Ray lässt es sich nicht nehmen, die ersten nackten Brüste schon zu zeigen, bevor die Zehn-Minuten-Marke überschritten ist. Der Score stammt übrigens von Chick Cirino, der bei unzähligen Ray- und Wynorski-Filmen komponiert hat und wirkt teilweise etwas zu flapsig für einen Thriller.

Zue Fresse

Fazit: 'Inner Sanctum' ist mit Sicherheit kein zweiter 'Basic Instinct', für Tanya-Roberts-Fans, Freunde des sleazigen B-Psychothrillers und Fred-Olen-Ray-Sammler (oder sollte ich der Einzige sein? Immerhin hab ich mir in diesem Fall mangels deutscher Scheibe extra die Hong Kong DVD besorgt!) eine klare Empfehlung. Stay Tuned for Part Deux!


Spooner