In meiner Wut wieg ich vier Zentner


‘The fastest gun in the West joins with the most brutal hands in the East!’


Originaltitel: Là dove non batte il sole (1974) Regie: Antonio Margheriti Drehbuch: Miguel De Echarri & Barth Jules Sussman
Darsteller: Lee Van Cleef, Lieh Lo, Patty Shepard FSK: 18


Gauner Dakota (Lee van Cleef, ’Zwei glorreiche Halunken’) ist auf bestem Wege, dem Chinesen Wang dessen Reichtum aus dem Tresor zu klauen. Blöderweise kommt Wang genau in diesem Moment um die Ecke und wird vom TNT mit ins Nirvana gerissen. Der Sheriff und seine Mannen brauchen nicht lang und Dakota sitzt im Kitchen. Aus dem Safe werden allerdings nur 4 Fotos von nacktärschigen Damen und ein Glückskeks entnommen.

'A Chinese Kitsch Story'
Wangs Neffe Ho (Lo Lieh (’Hard Boiled 2’) hat im fernen China auch ganz ähnliche Probleme. Der oberste Kriegsherr der Region, lässt seine Familie gefangen nehmen und schickt Ho selbst (nachdem der natürlich erst einmal seine ausgiebigen Kung Fu kenntnisse an den Landsknechten demonstriert hat) nach Amerika, um den geborgten Reichtum des Onkels zum Gläubiger zurück zu bringen. Im Land der grenzdebilen Revolverhelden kommt Ho natürlich bald in Schwierigkeiten (ein Chinese in Amerika! Wo gibt’s auch sowas) und macht im Knast die Bekanntschaft mit Dakota. Beiden gelingt die Flucht und von nun an, machen sie sich gemeinssam auf die Suche nach dem großen Schatz, dessen Karte scheinbar auf allerlei Weiberärsche verteilt ist. Und natürlich sind sie nicht die Einzigen, die bei besagten Hinterteilen vorbeischauen…

"Dakota, du Sohn einer Dame die Liebe für Geld macht!"
"Sag ruhig Hurensohn! Das geht schneller."

“Was ist das den für eine China-Brühe?“
“Keine Brühe, China-Tee!“
“Ich dachte schon, die Pferde hätten hier reingepisst!“

Da hatten die Shaw Brothers (’Das Blut der roten Python’) wohl den ’Der Mann mit der Kugelpeitsche’ gesehen und dachten, ’Mensch, das können wir auch!’
Schließlich hatten sie mit dem kauzigen ’Die Sieben Goldenen Vampire’ im Jahr zuvor schon bewiesen, dass man Fernost-Kloppereien in jedwedes Genre einbinden kann.
Die Macher fahren einiges aus, um den Zuschauer 90 Minuten lang zu unterhalten.
Da wird vom Galgen gesprungen, Casinos leer gespielt, Züge überfallen, Slapstick-Nummern eingestreut und vor allem Sprüche geklopft (“Bitte, Sir. Waren sie nicht in Eaton anno ’75?“ “Nein, in Sing-Sing im selben Jahr.“ “Aha, sicher eine Privatschule, die nur nicht so bekannt ist.“). Dazu zwei handfeste Bösewichter (Manic Street Preacher im Ledermantel und fäusteschwingender Power-Indianer), wie sie im Comic-Buche stehen, Kung Fu-Fights aus der hohen Schule des Shawscope und ein deftiges Finale, in dem Lee van Cleef dann noch eine antike Gatling-Gun auf den Pferdekarren spannt und halb Dodge-City damit niedermäht.

Way to go, Lee: Show 'em!!!

’Shanghai Noon’? Pffft! Lee van Cleef und Lo Lieh hauen und schießen im Wilden Westen alles kurz und klein. Da bleibt kein Auge trocken. ’In meiner Wut wieg ich vier Zentner’ nicht nur ein herrlich dämlicher Titel, sondern ein Film von leichtfüßigem Genre-Blending und Spaß-Kino in Reinkultur. Anschauen und weghauen.

Nool