Indio



Originaltitel: Indio (1989)
Regie: Antonio Margheriti Drehbuch: Filiberto Bandini & Franco Bucceri
Darsteller: Francesco Quinn, Brian Dennehy, Marvelous Marvin Hagler FSK: 18


“Würde man einem Sterbenden den Atem nehmen? Wieso also zerstören sie die Lunge der Erde?“

Werden dem Zuschauer solche Hippie-Sätze vor den Latz geknallt, kann das meist nur eins bedeuten: Film mit ökologischer Botschaft voraus.
Kombiniert man das mit folgender Story, haben wir die Grundlage für einen sich ernstnehmenden Action-Film:

Exploitation Today
Ein böser, weißer Industrie-Konzern benötigt ganz dringend das Stückchen Dschungel in dem ausgerechnet ein paar Indios vor Generationen ihre Strohhütten errichtet haben. Als alles gute Zureden und Säcke voll Tand und Perlen nicht fruchten, verfügt der weiße Obermotz (Brian Dennehy), das Dorf einfach platt zu walzen und die Meute abzuknallen.
Zeuge des blutigen Resultats wird Halbblut Daniel (Francesco Quinn), Sohn eines Indio-Häuptlings und einer Amerikanerin, der drei Jahre lang im Marine-Corps gedient hat und nun in seine Heimat zurückgekehrt ist.
Als er bei den Behörden fachgerecht Beschwerde bezüglich der Missetat einreichen will, stößt er auf korrupte, hundsgemeine Beamte, die mit der Firma unter einer Decke stecken. Während sie versuchen, ihn aus dem Weg zu schaffen, gerät sein Vater unter die Räder des nächstbesten Bulldozers. Was jetzt kommt, steht in jedem Actionfilm-Grundbuch geschrieben: Daniel entkommt, das Guerilla-Blut in seinen Adern beginnt zu kochen und mit Hilfe von Mutter Natur sagt er den Ausbeutern den Kampf an…

Hm, also mal überlegen: Ein ehemaliger Elite-Soldat wird von Brian Dennehy durch die Wälder gejagt und als das nichts bringt, ruft man den ehemaligen Ausbilder (Marvelous Marvin Hagler) herbei?

"Und Rotkäppchen sagte zum
Bösen Wolf: Unterdrück mich
nicht, sonst hol ich den Indio!"
Da hat Regisseur Antonio Margheriti (’Einer gegen das Imperium’) vielleicht doch die eine oder andere Idee von Ted Kotcheffs ’First Blood’ (aka ’Rambo’) geklaut.
Immerhin packt er seinen Film in nett anzusehende Bilder und einen angenehmen Score. Brian Dennehy spielt ungewohnt nuancen-frei (“Das ist perfekt, wir können die Straße genau durch dieses Dorf bauen.“), Hauptdarsteller Francesco Quinn (Sohn von Anthony Quinn) spielt unauffällig und der einstige Boxer Marvelous Marvin Hagler spielte den Produzenten Interesse vor, sodass sie ihm gleich die Hauptrolle in ’Indio 2’ überliessen.

Die Action (in Gestalt einiger Schießereien und Explosionen) mag nicht über das Skalen-Limit ausschlagen, die Unglaubwürdigkeit der Öko-Message, das Drama um ’Gute Naturburschen vs. Böse Industrielle’ dafür aber umso mehr.
Für einen italienischen Action-Film kann sich ’Indio’ auf jeden Fall sehen lassen. Kein Glücksgriff, aber auch kein Griff ins Wespennest.

Nool