Im Wendekreis des Söldners



Originaltitel: Tornado (1983) Regie: Antonio Margheriti
Drehbuch: Tito Carpi & Gianfranco Couyoumdjian
Darsteller: Giancarlo Prete, Antonio Marsina, Luciano Pigozzi FSK: 16


Nach ’Jäger der Apokalypse’ und ’Höllenkommando der Ewigkeit’ vervollständigte Antonio Margheriti seine erste ’Dschungelkrieg’-Trilogie mit einem Schlusslicht, dass in Deutschland absurderweise den Titel ’Im Wendekreis des Söldners’ verpasst bekam.

Another lovely day in your jungle neighbourhood

Söldner gibt es hier zwar keine, dafür aber einen knallharten G.I. namens Sal Maggio, dessen Vorgesetzter Captain Harlow nicht nur fahrlässig seine Männer in den Tod schickt, sondern auch bei einer aktuellen Mission Sal und einen verwundeten Kameraden ohne mit der Wimper zu zucken in der grünen Hölle zurücklässt. Nur Maggios Hartärschigkeit ist es zu verdanken, dass die beiden es durch den Dschungel, vorbei an etlichen Widrigkeiten und zurück ins meilenweit entfernte Camp schaffen.
Viel Zeit, sich mit Harlow anzulegen bleibt Sal zunächst nicht, denn schon der nächste Auftrag ruft. Doch nachdem ein Kamerad zu viel gefallen ist, dreht Sal Maggio durch und haut dem Captain einen vor den Latz. Kaum im ’Café Viereck’ eingelocht, gelingt ihm nach einem Angriff durch Charlie die Flucht, nur um im Dschungel kurze Zeit später erneut gefangen genommen zu werden. Diesmal allerdings vom Feind und wer schon mal ’Die durch die Hölle gehen’ gesehen hat, weiß was jetzt kommt. Während Reporter Freeman den Vergehen von Harlow auf den Grund geht, beginnt für Maggio ein gnadenloser Überlebenskampf.

“Du wirst reden. Was solltest du bei uns auskundschaften?“
“Seargent Salvatore Maggio. Dienstnummer 612463. Mein Auftrag war… einen Blödmann zu finden, der ein Gesicht hat wie du!“

"Krieg ist die Hölle. *Schnüff*"

Was die italienische Dschungelkrieg-Küche angeht, gibt es keinen besseren Koch als Antonio Margheriti. Seine Filme zeichnen sich nicht nur durch solide Inszenierungen und schick fotografierte Action-Szenen aus, sondern auch durch stimmige Atmosphäre und die Besetzung vergleichsweise fähiger Darsteller.
Zwar schafft es keiner vom Kaliber der Stars seiner zweiten ’Dschungelkrieg’-Trilogie (’Geheimcode: Wildgänse, ’Kommando Leopard’ & ’Der Kommander’) in den Film, dennoch können Giancarlo Prete (’Last Jaws’, ’Riffs 2’) als zerrissener G.I. auf der Flucht und Antonio Marsina (’Leathernecks’) als gewissenloser Offizier überzeugen. Auch Luciano Pigozzi, der schon in beiden ’Jäger der Apokalypse’-Streifen zu sehen war, leistet einmal mehr gewohnt gute Arbeit. In Nebenrollen sind Vietnamfilm-Veteran Mike Monty (in seiner typischen ’Bad Ass Officer’-Rolle) und Romano Kristoff zu sehen, die beide schon gemeinsam in ’Ranger’ auf die Pauke hauten.
Margheritis Film serviert dem Zuschauer neben klassischer Survival-Spannung und typischer Dschungel-Action mit all ihren MG-Salven, Granat-Gewumms und Napalm-Wänden auch ein paar Einblicke in das Leben der Soldaten abseits des Schlachtfelds. Dabei geht es natürlich kein bisschen weniger reißerisch zu, wenn Kneipenprügeleien eskalieren oder Trick-Sprengsätze dem verblüfften G.I. Joe das Gesicht wegfräsen.

"Ooh... Weint das Baby jetzt?"

Dennoch reichen der Plot und die Charaktere von ’Tornado’ (Originaltitel) über die Maßstäbe des Subgenres hinaus und der Film verblüfft mit einer recht stimmigen Auflösung. Es ist eine jener Szenen, die Fans solcher Streifen in Erinnerung bleiben. Womit Antonio Margheriti einmal mehr bewiesen hat, dass er nicht nur handwerklich ausgezeichnete, solide besetzte und spannende Kriegs-Actioner zimmern kann, sondern einen Schritt weiter geht, um sich vom exploitiven Gros der Genre-Brüder abzuheben.


Hudson