Einer gegen das Imperium



Originaltitel: Mondo di Yor, Il (1983)
Regie: Antonio Margheriti Drehhbuch: Robert Bailey
Darsteller: Reb Brown, Allan Collins, John Steiner FSK: 16


Ein toller Harrspray-Rocksong donnert uns da im Vorspann entgegen (erinnert ein wenig an ’Flash..aahaa!’) und schon springt auch unser Held, mit den Worten: „Ich bin Yor, der Jäger und komme aus den Bergen!“ ins Bild. Er trägt eine blonde Perücke und sieht aus wie der Vati von Steve Oedekerk. Ein junges Mädel und ihren lustigen Oheim hat er gerade so vor dem bösen Triceratops gerettet. Dann genehmigt er sich erstmal ein Horn voll Dinoblut, das soll ja angeblich ordentlich Tinte auf den Füller geben.

"Bin ich hier richtig
beim Jurassic Park Casting?"
Kaum wundert sich der Zuschauser, warum die netten Urmenschen alle weisse Felle tragen, kommen auch schon die bösen Urmenschen (Bärte bis an die Stirn) in ihren schwarzen daher. Ohne viele Worte zu verlieren (war ja nicht üblich, damals) machen das Dorf kaputt und entführen das Mädel Ka-Laa in die Stinkende Schlangenhöhle…ihr kennt den Drill! Dort sucht sich der Oberaffe erstmal drei Genossen zum Brunftkampf um die Dame aus, was den drei Herren gar nicht recht zu sein scheint. Sie hätten, glaub ich, auch freiwillig verzichtet.
Yor kommt gerade rechtzeitig an den Klauen eines ’Todesvogels’ herabgeschwebt um Ka-Laa zu retten und irgendwie die Höhle zu fluten. Danach macht sich Yor, der übrigens ein seltsames Amulett trägt, erstmal alleine auf die Socken. Das ewige Frauenretten kann halt ganz schön stressig sein. Zu dumm nur, dass er in der nächsten Szene schon wieder in die Fänge einer Lady gerät. Und zwar in die der Zauberin Ena, welche über ein paar Sandleute in einer Eishöhle herrscht. Es kommt zu dem folgendschweren Dialog: „Dieses Eis lässt uns täglich etwas Wasser gewinnen. So viel wir brauchen, um diese heisse Wüste zu überleben. Und daher werde ich als Göttin verehrt!“ Yor: „Ich sehe in dir zum ersten Mal einen Menschen, der wie ich zu sein scheint.“ (!!!)
Interessant wird es dann tatsächlich nach der ersten Hälfte, als plötzlich Science Fiction Elemente ihren Einzug in den Streifen halten, die in näherer Verbindung zu Yors Amulett und seiner Herkunft stehen. Da gibt es den Oberfiesel ’Il Supremo’ (hahaha), der von John Steiner gespielt wird, welcher uns noch sehr gut als Jaffaaaaar, aus der obertrashigen Ferrigno-Klamotte ’Sinbad - Herr der Sieben Meere’ im Gedächtnis stecken geblieben ist. Dieser herrscht über ein Heer von Darth Vader Klons (nur äusserlich) und weiß auch bestens bescheid, über die restliche Bevölkerung des Planeten: „Die Barbaren müssen ausgelöscht werden!“

Nach 'Sinbad', nun der 2. Streich
von Grimassenmaxe J. Steiner
Flammenschwerter, Gummisaurier, eine Flut aus Fellen, Flussfahrten, 3-Hütten-Dörfer und das kleinste Hünengrab aller Zeiten (sogar noch kleiner als das von ’Spinal Tap’); ’Einer gegen das Imperium’ hat sie alle. Leider aber keine überzeugenden Schauspieler (mit Ausnahme des stoffeligen Onkel Pags). Dialog-Granaten gibt es en masse, da ist:
„Wer bist du? Die neue Gefährtin von Yor?“
„Ja, warum?“
„Weil ich mit Zähnen und Krallen um ihn kämpfen werde!“ nur ein moderat albernes Beispiel. Warum sich die Dame überhaupt aufregt, ist mir schleierhaft. Schließlich hat der Drehbuchautor doch bestimmt, dass Yor laut Gesetz so viele Frauen haben kann, wie er will. Ach ja, das leidige Thema ’Frauen in Barbaren Filmen’: Hier sind sie mal wieder entweder dumm oder stehen im Weg rum. Außerdem werden sie dem Helden an jeder Ecke von irgendeinem Stammesoberhaupt angeboten, wenn sie das vor her nicht schon selbst gemacht haben. Lieber Herr Drehbuchautor, weiß ihre Mutter davon?
Nette Settings und schöne Landschaftsaufnahmen werden zum Ende hin leider gegen industrielle Lagerhallen ausgetauscht, was die Stimmung ein wenig drückt. Wohl auch, weil sich der Score zu sehr in wabernde Synthi-Gefilde verzieht.

Die Evolutionstheorie muss umgeschrieben werden!

’Einer gegen das Imperium’ ist ein verdammt albernes Barbarenfilmchen mit SciFi-Touch und allen Quatschköppen zu empfehlen, die sich einen lustigen Abend machen wollen. Wem nicht der Sinn danach steht, kuckt lieber Tagesthemen.



PS: Die letzte Einstellung ist ein Knaller und hinterlässt einen bleibenden Eindruck.

Hudson