Hydra - Ausgeburt der Hölle



Originaltitel: Serpiente de mar (1984)
Regie & Drehbuch: Amando de Ossorio
Darsteller: Timothy Bottoms, Taryn Power, Ray Milland FSK: 16


Jetzt nehmt endlich die Augen vom Cover und lest, was ich dazu zu sagen habe!

Irgendwann in den Achtzigern:

"Darf ich mich vorstellen: Ray,
der Mann mit'm Röntgenhut!"
Ein amerikanischer General entscheidet beim ’betreten aus dem Fenster kucken’, dass eine Atombombe im Meer zu entsorgen ist. Dass sich solche Nuklear-Waffen nicht gut mit der Unterwasser-Fauna unserer Ozeane vertragen, ist ’Godzilla’-Fans längst bekannt. Aber besagter General sieht nicht aus wie ein Kaiju-Freak, sondern wie ein Mann mit ernsten Problemen und deshalb wird seinem Befehl auch Folge geleistet.
Irgendwann später:
An der spanischen Küste sterben Fische in Massen und die, die noch am Leben sind entwickeln eine ungesunde Leuchtkraft im Dunkeln. Als Kapitän Pedro Fontan (Timothy Bottoms) mit seiner, ihm wenig zugetanen Crew, auf neuen Fang hinaussegelt, taucht das durch die Strahlung zum Lindwurm herangewachsene Titelmonster auf und beißt dem Kutter eine Delle in den Bug. Der Mannschaft gelingt die Flucht in knallgelben Gummibooten, doch einige der Matrosen werden von der ’Hydra’ verputzt. Fontan glaubt niemand seine Geschichte, er bekommt das Kapitäns-Patent entzogen und muss einen Weg finden, der Welt die Existenz der ’Hydra’ zu beweisen. Hilfe findet er bei Margeret, die ebenfalls von dem Biest angegriffen wurde, aber erst aus der Klapse gerettet werden muss und bei Prof. Wallace (Ray Milland), einem Meeresbiologen mit Sinn für’s Absurde. Währenddessen beißt die Seeschlange anderswo weiterhin Lücken in die Menschheit…

’Hydra’ hält genau das, was das Cover verspricht. Trashiger Nonsens mit einem Wesen, das Fans bescheuerter Monster-Movies ’s Herzl erwärmen sollte.

Achtet auf die Flügel!
Das Ding quietscht wie ein Wartburg bei der Vollbremsung und hat außer dem größten Klappmaul der Monsterfilm-Geschichte zwei niedliche Flügel-Flossen auf dem Rücken. Dabei wird zu keiner Minute versucht, zu verbergen, dass die ’Hydra’ ganz offensichtlich nur ein Gummi-Modell von der Größe einer Handpuppe ist. Viel zu hastig und ohne jegliches Gefühl für Masse wird das Monster von seinen unfähigen Puppenspielern bewegt.
Das Gros der Angriffe erfolgt nach ewig gleichem Muster. Hydra taucht auf. Opfer schreien. Der lächerliche Rumpf schnellt nach unten. Schnitt. Wir sehen einen Menschen im Maul eines tatsächlich originaltgetreuen (!) ’Hydra’Kopfes zappeln. Zur Abwechslung gibts einmal die Attacke auf einen Leuchtturm, einen Hubschrauber und eine Modelleisenbahn zu sehen. Am liebsten frisst Hydra aber Schmuggler, Penner, und Selbstgespräche führende Seebären.
Die Schauspieler passen sich dem Niveau des Titelmonsters an. Klar ist Oscar-Preisträger Ray Milland (’Der Mann mit den Röntgenaugen’) eine Bereicherung für jede Besetzung, was aber Timothy Bottoms (’Rückkehr vom River Kwai’) und Taryn Power (’Sinbad und das Auge des Tigers’) hier vortanzen, ist schwerlich zu kategorisieren. Die Szenen, in denen Bottoms im Gerichtssaal verurteilt wird, oder später Taryn aus der Klapsmühle befreit sind so unglaublich dilettantisch geschrieben und verwirklicht, dass einem beim Zuschauen der Gedanke an eine Comedy-Sendung kommen mag.

"EINE NEUE RUNDE, EINE NEUE WAHNSINNSFAHRT!"

Fazit: Amando de Ossorio (Regisseur der ’Reitenden Leichen’-Saga) serviert uns hier einen unglaublich verkohlten Monsterbraten, der eigentlich in den technischen Dunstkreis eines Ed Wood gehört. Bei Handpuppen-Riesenmonstern und Fischern mit Pudelmützen kommen Trash-Ratten erst aus ihren Löchern gekrochen. Alle anderen verlassen das sinkende Schiff.


Hudson