Hybrid


‘The Outer Limits of Horror’


Originaltitel: Hybrid (1997) Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Sean O'Bannon
Darsteller: John Blyth Barrymore, Brinke Stevens, J.J. North FSK: unbekannt


“You know anything about computers?”
“Yeah, two things: Jack and Shit! You might wanna speak to Milo, he always keeps his hand on his joystick.”

Endlich ist es wieder soweit. Meine liebste Zeit des Flausenjahres ist gekommen. Jeder Filmliebhaber hat sicher irgendwo seine heimlichen Favoriten oder Filmemacher, auf deren Werke er ganz besonders gespannt ist. Bei mir kommt dieser Moment, wenn mir ein bisher unbekannter Streifen von Fred Olen Ray in die Finger kommt. Freddy O. ist, zumindest wenn's um den B-Film geht, einer der kultigsten, ulkigsten und beharrlichsten Leute seines Fachs und weiß mich in den meisten Fällen gut zu unterhalten. Dabei setzt Ray meistens auf die Joe Bob Brigg'sche Formel für einen guten Drive-In-Film: Blood, Breasts & Beasts. Willkommen bei 'Hybrid'!

Cheers, Fred!

Die Eröffnungssequenz des Films besteht ausschließlich aus Stock-Footage. Wir sehen Space-Schlachten aus verschiedenen Roger Corman-Filmen (von 'Mutant' bis 'Battle Beyond the Stars'), die mit 'ner Menge explodierender Autos zusammengeschnitten wurde, so als würden die Raumschiffe mit Lasern auf Karren schießen. Sogar der 'Space Hunter' aus dem gleichnamigen Fred-Olen-Ray-Streifen läuft mal durchs Bild. Diese kleine Montage endet (you guessed it) mit dem Ende der Welt.

Come on, vogue!
Let your body move to the music
Endzeit, Baby. Nach einem kleinen Intro, in dem Nikki Fritz ('The Bare Wench Project') und ihr Freund in einer düster-spacigen Location vom Titel gebenden Monster getötet werden (Gummiklaue im Gesicht nach fünf Minuten - way to go, Fred) ist es an der Zeit, unsere Hauptfiguren vorzustellen. Und weil das mit der Stock-Footage im Vorspann schon so gut lief, wieso nicht einfach das Fahrzeug aus 'Straße der Verdammnis' in die eigene Endzeit-Wüste schneiden und als das Gefährt unserer Protagonisten, einer kleinen Gruppe von Abtrünnigen Space-Söldnern, ausgeben? Unter letzteren befinden sich Dr. Leslie Morgan (gespielt von Scream-Queen Brinke Stevens, ’Soroity Babes in the Slimeball Bow-O-Rama’), ihre Krankenschwester (J.J. North, 'Attack of the 60 Foot Centerfold') und der hartärschige Ex-Sträfling Sgt. Blaine (Peter Spellos). Als diese in der Wüste auf den Einzelgänger McQueen treffen, der auf der Suche nach seinem Sohn ist, folgen sie ihm zu einem verlassenen Forschungs-Center, in dem sie sich ein paar Antworten erhoffen. Dort angekommen, dämmert der Gruppe allerdings schnell, dass sie nicht allein sind. Irgendwo auf dem Stützpunkt lauert eine mordlustige Kreatur auf neue Opfer...

Ich gebe zu, die Story liest sich nicht so gut, wie sie im Film funktioniert. Wer beim Lesen übrigens in Erinnerungen an die Mutanten-Gurke 'CreepZone' mit Linnea Quigley schwelgte, hat nicht ganz falsch gelegen. Laut IMDB.com ist 'Hybrid' ein Remake dieses Films, was ich aber trotz einiger Parallelen nicht ganz glauben möchte. Das wäre dann allerdings einer der Fälle, in denen ich das Remake eindeutig vorziehen würde.

Der Terminator lässt grüßen
'Hybrid' funktioniert als spaßiges B-Movie auf der ganzen Linie. Die Tatsache, dass beispielsweise 'CreepZone' trotz ähnlicher Voraussetzungen nicht ganz so gut funktioniert hat, rechne ich Fred Olen Ray und seinen Darstellern an. Der Film verfügt über eine wirklich sympathische Cast, ist für diese Art von Story erstaunlich pfiffig geschrieben und bringt eine Menge Humor und Insider-Witze mit. Gerade die Besetzung hat untereinander eine schöne Chemie, was ihre Figuren glaubhafter macht. Ganz klares Highlight ist an dieser Stelle Peter Spellos (hier als G. Gordon Bear unterwegs). Wer ein paar von Fred Olen Rays oder auch Jim Wynorskis Filmen kennt, wird Spellos bereits in verschiedenen Rollen erlebt haben. Sei es als der trottelige Turbo in 'Insel der Riesen-Dinosaurier', der Schul-Inspektor in 'Demolition High' oder der unkaputtbare Hausmeister in 'Hard to Die'. Und wenn ich eins spätestens hier festgestellt habe, dann: Der Mann ist ein wirklich fähiger Schauspieler. Selbst wenn er Nebenrollen in weniger guten Filmen (wie FORs 'Maximum Security') hat, kann er mit seiner Ausstrahlung einiges rausholen. Und in 'Hybrid' gehört ihm jede Szene, in der er zugegen ist. Der übergewichtige Hard-Ass Baine (eine Rolle, die zehn Jahre vorher vielleicht an Sig Haig gegangen wäre) ist ihm auf den Leib geschneidert. Besonders hat mir seine Beziehung zu Brinke Stevens Figur gefallen, die auf Grund einer alten Geschichte im ständigen Konflikt mit ihm ist. Auch Brinke Stevens weiß hier zu gefallen. Sie hält an ihrer Backstory (die eines verstorbenen Geliebten, der auf ihr Verschulden durchgedreht ist und Spellos angegriffen hat) fest und verleiht damit einer Figur Tiefe (in einem Kostüm, das Madonnas 80s-Brustpanzer beinhaltet).

Christopher Ray, y'all
J.J. North, die in den 90ern eine Reihe von B-Movies gemacht hat (ihre Laufbahn endete als Zombie-Biker-Babe im unsäglichen 'Hellblock 13'), sieht wie immer aus wie ein Vorzeige-Playmate. Sie ist von einer guten Schauspielerin zwar etwa so weit entfernt, wie ich von einem vernünftigen Filmgeschmack, wirkt mit ihrer naiven Mall-Girl-Delivery aber irgendwie süß und ist oft genug nackt, als dass man ihr böse sein könnte. Wer sie als Rays 'Attack of the 60 Foot Centerfold' erlebt hat, weiß wovon ich rede. Ted Monte ('Komodo vs. Cobra'), John Barrymore III ('Masseuse') und Tim Abell als McQueen ('Curse of the Komodo') machen anständige Jobs in ihren Rollen, für die Art von Film, mit der wir es hier zu tun haben.
Auch erwähnenswert sind Cameos von Horror-Urgestein und FOR-Favorit Robert Quarry ('Teenage Exorcist' , 'Beverly Hills Vamp' , 'Spirits'), Michelle Bauer als Centerfold an der Wand und Fred Olen Ray selbst, als Brieftaschen-Foto von Brinke Stevens Freund. Vielleicht gilt das nur für mich, aber ich hab mich über diese kleinen 'Auftritte' gefreut.

Auch in punkto Spezial Effekte weiß der Film den Trash-Fan zu überzeugen. Der Hybrid (übrigens gespielt von Freds Sohn, der schon elf Jahre vorher das Gummi-Monster in 'Biohazard' spielen durfte und heute selbst Trash-Heuler fabriziert) ist ein kultiges Man-in-Suit-Biest, dass in den Close Ups nett aussieht und ansonsten putzig wirkt. Die Make-Up-Effekte (wenn zum Beispiel ein paar Leichen mit ausgerissenen Augen etc. gefunden werden) sind überraschend gut gemacht. Und wenn wir schon beim Gore-Gehalt sind; eine kleine Portion Blut und 'ne abgetrennte Hand gibt es auch zu sehen.
Die sonstigen Goodies präsentieren sich in Form von einer gratis Dusch-Szene, in der sich Brinke und J.J. gegenseitig einreiben (yay!) und einer schönen Softcore-Sexsezene mit J.J. North und McQueen. Wie ich schon sagte: Fred Olen Ray weiß, was seine Fans sehen wollen.

Even More Cameo Time

Fazit: Hybrid ist die Art von Film, die einen daran erinnert, wieso man B-Movies mag. Biester, Schleim, Kanonen, nackte Frauen und lustige Dialoge. Vielleicht bin ich ein unverbesserlicher Trash-Enthusiast und sehe Fred Olen Rays Filme durch die rosa-rote Brille, aber 'Hybrid' ist in meinen Augen einer der unterhaltsamsten Streifen, die er in den 90ern fabriziert hat. Muss ich noch erwähnen, dass Jim Wynorski als Co-Produzent tätig war? Natürlich nicht. Der Film wurde in Deutschland zwar leider nicht veröffentlicht, aber wenn ihr mal die Gelegenheit habt, schlagt zu!



PS:

Monster Rape!


Spooner