Hungrige Skorpione


‘Call it bravery...Call it courage...Call it guts - Whatever you call it - They've got it!’


Originaltitel: Cinque del Condor, I (1985)
Regie: Umberto Lenzi Drehbuch: Roberto Leoni
Darsteller: Antonio Sabato, Ivan Rassimov, Werner Pochath FSK: 16


Ob Standbilder feiernder Tanz-Horden und ausgelassene Samba-Rhytmen die richtige Auswahl für den Vorspann eines Action-Filmes namens ’Hungrige Skorpione’ ist?
Wenn der Name des Regisseurs ’Umberto Lenzi’ ist, kann die Antwort nur ’ja’ lauten.
Immerhin wird gleich vornweg der Dominikanischen Republik für Assistenz und Mitarbeit gedankt.

Die Story wirkt zuerst konfus, entpuppt sich bald jedoch als banal.

Diese Dirigentin will das MG
nicht als Instrument akzeptieren.
Ein ehemaliger Presidente der Bananen-Republik XY, der mit Hilfe der Amis gestürzt wurde, wird von eben jenen um Hilfe gebeten, da sich sein Nachfolger als noch üblerer Diktator herausstellt. Gerade gibt sich El Presidente einverstanden, da läutet auch schon das Telefon. Sein Sohn wurde gekidnappt. Er soll gefälligst im Exil bleiben, sonst würde das Früchtchen gepflückt werden. Den Amis bleibt keine Wahl: Ein verwegener Haufen muss her, der den Knaben rausboxt.
Das ’Geschwader Kampfkoloss’ ist bald zusammengetrommelt und zieht nach schnarchigem Kurz-Briefing gen Süden. Unterwegs wird noch die heiße Schwester eines Sprengstoff-Spezis aufgelesen, die offensichtlich selber weiß, wo der Zünder hängt.
Dann sind wir auch schon im Dschungel, wo Lenzi die Restbestände eines alten Barbaren-Film-Dorfes (wahrscheinlich von Kollege D’Amato) durch fiese Truppen plündern lässt. Der erste Einsatz unserer ’Wild Bunch’ gestaltet sich also gleich ungewollt komisch, als nicht nur getroffene Opfer von Stroh-Dächern direkt auf im Gras ausgebreitete Matten fallen und eine Frau mit Hasenzähnen Baby-Bündel-Bomben wirft. Mit Flitzebogen und Paragleitern ausgerüstet, schwofen die ’Hungrigen Skorpione’ immer tiefer in den Dschungel, während zu Hause schon die ersten Intrigen gesponnen werden…

“Versuch zu überleben! Ich hab keine Lust, deine Weiber zu trösten.“

"Ey, Paco! Du kannst
die Würstchen holen!"
Umberto Lenzi, der mit Filmen wie ’Lebendig Gefressen’ und ’ER - Stärker als Feuer und Eisen’ zu fragwürdigem C-Ruhm gelangte, hat mal wieder auf’s Fass gehauen und einen waschechten ’Men on a Mission’-Film abgeliefert.
Diese gibt es allerdings auch wie Sand am Meer. Ob Klassiker wie ’Das dreckige Dutzend’ und ’Stoßtrupp Gold’, oder Neuware wie das exzellente koreanische ’Silmido’.
’Hungrige Skorpione’ wirkt im Vergleich wie ein Putzerfisch zwischen den Kiefern eines Großen Weißen und wartet gerade mal mit hirnlosem Krawumm und Kulissen-Vielfalt auf. Die verpflichteten Darsteller spielen ihre Charaktere nach dem Regelbuch der Rollen-Klischees (da lassen ihnen die Namen ihrer Figuren schon fast keine andere Wahl: Müller, der fiese Deutsche, Paco, der lustige Mexikaner und Mario, der geile Italiener). Die Kombination aus schwitzenden Armen, steifen Mimen und Sprüchen der Marke “Es ist nur ein Kratzer!“ oder “Wir haben keine Zeit zu Trauern. Los, schaufelt ihm ein Grab!“ fördert weder das Niveau, noch die Unterhaltung. Der scheinbar nicht existierende Soundtrack wird gen Abspann dann vom wohl schrillsten Eunuchen-Pop-Song diesseits von ’Modern Talking’ auf die unerträgliche Spitze getrieben (“You an I we fight and die. Goodbye my friend cause this could be the end…“). Gott sei dank, war auf meiner Video-Fassung nach 30 Sekunden Schicht im Schacht.

Der alltägliche Hüttenzauber des Dschungel-Krieges

Also noch mal Klartext: Dümmlicher Action-Schrott in vietnam-grün, garniert mit knarzigen Synchronstimmen. Für ’Jungle-Warfare’-Spezis vielleicht nicht gänzlich uninteressant… aber ein bissel schämen solltet ihr euch dann schon!

Hudson