Das Tier 2


‘The rocking, shocking, new wave of horror!’


Originaltitel: Howling II: ...Your Sister Is a Werewolf (1985)
Regie: Philippe Mora Drehbuch: Robert Sarno & Gary Brandner
Darsteller: Christopher Lee, Reb Brown, Sybil Danning FSK: 18


‘Das Tier 2’… Musste das denn sein? Ein Blick auf die Besetzungsliste und die Antwort lautet: Ja. Denn wo Christopher Lee, Reb Brown und Sybil Danning verkehren, ist für Cineasten zwar oft Schluss, Trash-Fans geraten bei der Erwähnung jener Namen jedoch meist nicht ohne Grund in Verzückung. Wenn Trash auch dein Interessengebiet ist, dann merke auf und lies weiter!


Look, Kids: It's Christopher Lee!

Erinnert ihr euch noch an Joe Dantes ’Das Tier’? Wenn nicht, dann bitte den gesamten Story-Paragraphen überspringen, hier kommen Spoiler auf Schienen!
Gegen Ende gibt es da die berühmte Szene, in der die Protagonistin Karen sich in einen Werwolf verwandelt, um die Menschheit vor deren Existenz zu warnen. Kurz darauf wird sie von ihrem Freund und Mitwisser (in gegenseitigem Einvernehmen) erschossen. Tolles Ende, wenn ihr mich fragt und auch der Ansatz für das vorliegende Sequel.
Bei Karens Beerdigung wird deren Bruder Ben (Reb Brown) von einem graumelierten Gentleman (Christopher Lee, wat machst du denn hier?!) angesprochen, der sich als Stefan Crosscroe, Okkult-Experte vorstellt. Die ungeheuerliche Botschaft für Ben: “Ihre Schwester war ein Werwolf!“ Das ist natürlich schwer zu schlucken, aber dank überzeugender Mundpropaganda hat Crosscroe Ben und Jenny (Anny McEnroe), eine ehemalige Kollegin von Karen, überzeugt:

“Heute Nacht werden sie zurückkehren zu Karens Grab um sie zurückzuholen. Aber ich werde sie beschützen und ihrer Seele die ewige Ruhe geben“
“Wie“
“Mit dieser Silbernadel!“
“Glauben sie etwa diesen Unsinn?“
“Es ist furchtbare Wahrheit, Mr. White. Diese Kreaturen haben ein Oberhaupt. Eine Frau namens Stirba!“

Ganz recht, Stirba. Und Stirba gehört zu einer bislang unbekannten Werwolf-Superrasse, die sogar gegen Silber immun ist:

“Silberprojektile sind wirkungslos bei solchen Kreaturen, nur Titan kann sie töten!“

Orgie der lebenden Knoten
Titan… Titan… Aber mal kurz zurück zu Karen und dem Ende von Teil eins. Ihr wisst schon. Fernsehstudio, Anchorwoman verwandelt sich in einen tuffigen, schluchzenden Werwolf, großes Drama, ihr Kumpel knallt sie mit der Silberbüchse ab.
Wo im Original ein, in seiner Verzweiflung anmutiges Wesen, das Entsetzen im Zuschauer erweckte, kreischt sich in ’Howling 2’ eine unglaubliche Trash-Fratze im Schlabberlook vor einem erbärmlichen Studio-Set den Tollwut-Wolf. Das sind zwei Szenen, die sich vom technischen Aspekt gleichen wie Gollum aus Peter Jacksons ’Herr der Ringe’ und einer der Jutesack-Knautschgesichter aus ’Troll 2’.
Aber das war ja erst der Anfang. Jetzt sollte es erst richtig losgehen.
Denn nachdem Karen (der laut Backcover die Silberkugeln wieder aus dem Leib entfernt wurden … hö?) mit der besagten Silbernadel penetriert, und ihr der ewige Frieden beschert wurde, muss Stirba, die Herrin der Werwölfe endlich das Mondlicht ausgepustet werden. Wohin müssen wir also, um die Hündin zu finden, Mr. Lee?

“In das dunkle Land… TRANSYLVANIEN!“

UFFZ!
ÄCHZ!
ARGH!
KEUCH!
KREISCH!

Nein, das ist keine Lautumschreibung für eine Werwolfverwandlung, sondern Live-Reaktionen auf ’Das Tier 2’ aka ’The Howling 2: Your Sister is a Werewolf’ aka ’Ick werd zun Schwein!’.

"Ah, ein Stadtmensch!
Sie glauben wohl auch,
das wir hier oben etwas
altmodisch sind?
Aber das stimmt nicht!"
Meine Fresse, ich habe lange keinen Streifen mehr gesehen, der mir so das Keuchen aus der Lunge gezerrt hat. Hier ist wirklich alles entweder Over the Top, Under the Radar oder Out of the Blue!
Fangen wir mal mit den Darstellern an. Während Anny McEnroe noch relativ unauffällig daher kommt, holzt Reb Brown im Denim Dress durch die Sets, wie Charles Bronson durch’s Ghetto. Christopher Lee bleibt britisch korrekt, betont jeden Satz und gibt den salonfähigen Okkultismus-Experten mit düsterem Geheimnis, der zur Vorbereitung seines Anti-Werwolf-Terror-Briefings auch schon mal eine eigens angefertigte Wandzeitung mit Bildern diverser Verdächtiger zur Besprechung mitbringt. Cream of the Crop ist Sybil Danning, unser Schatzi aus der Exploiter-Schublade. Die vertreibt sich fortwährend die Zeit mit ihrer keuchenden Werwolf-Gefolgschaft im Schlafzimmer des Satans, gekleidet in diversen ’Bondage meets Barbarella’-Fummeln, die Pornobrille im Gesicht und ein Skeletor-Zepter in der Patsche, auf dem ein ausgestopfter Gremlin hockt, bei dessen Anblick Trash-Anhänger sofort anfangen zu beten: ’Bitte werd lebendig! Bitte werd lebendig!’. Natürlich engagierte man Miss Danning zu diesen Zeiten hauptsächlich aus einem Grund: Ihre Oberweite. Und die wird hier auch reichlich gelüftet. (Im Abspann wird eine Szene, in der Sybil ihr Kleid vom Leib reißt ganze 17 mal wiederholt! Ja, es ist diese Art von Abspann!)

THE MANY FACES OF STIRBA!!!

Später lässt sie einem Typen mittels Magick die Augen aus dem Kopf ploppen. Ein irrer Effekt und nicht der einzige, in diesem Spektakel der Irrationalitäten, auch wenn Rumänien nur aus ein paar dreckigen Waldstraßen und zwei Sets besteht:
1. Eine lange Markt-Straße auf der sich Idioten (“Wir feiern das Fest der Liebe, wegen des vollen Mondes.“) Gaukler, Gauner, Puppenspieler und die Werwolf-STASI herumtreiben. Und 2. Stirbas Palast, eine Lasterhöhle voller Werwölfe, die aussehen wie vom ’Planet der Affen’ importiert, Freaks mit Ritterhelmen, Folterausrüstungen und sleazigen Orgien-Szenen, die mich irgendwie an die gute alte Sauerei in ’Munkars’ Palast vom ’Todesjäger’ erinnerten. Ungewöhnlich (sprich bescheuert!) ist auch die Schnitttechnik, die hier angewendet wurde. Mitten in Dialoge werden krude Einstellungen hineingezaubert und nach einer Sexszene schwenkt man sofort auf eine gelangweilt aus dem Fenster schauende Oma. Übrigens gibt es da auch eine Art Musikvideo/Live-Auftritt des Musikers Steve Parsons mit seinem Song ’Howling’, ein zwar recht gelungener Eighties-Jauler, der jedoch immer wieder zu den unmöglichsten Gelegenheiten mitten ins Geschehen geschnitten wird. Der Cutter (übrigens derselbe, der auch bei Carpenters ’Halloween’ und ’Critters 2’ am Schneidetisch saß) muss ein echter Witzbold gewesen sein.

Reb Brown: “Was ist das?“
Chris Lee: “Das sind unsere Waffen. Krisam, das geweihte Öl, Wachs von den heiligen Kerzen, um unser Gehör zu schützen, ein Dolch, geschmiedet aus Titan und ein Kelch, der das heilige Blut Christi enthielt.“
Reb Brown: “Haben wir keine konventionelleren Waffen?“
Chris Lee: “Oh doch. [zeigt auf eine riesige Klinge] Auch die ist aus Titan. Weihwasser und das [holt eine Schrotflinte raus] gehörte Vassila.“
Reb Brown: “Das nehme ich. Ich kenn mich damit aus.“

"Kann ich aus dieser Horror-Story vielleicht noch aussteigen?"
"Sie werden dafür bezahlt!"

In einer seiner absurdesten Szenen klaut ’Das Tier 2’ bei ’Wenn die Gondeln Trauer tragen’. Das war der Punkt, bei dem ich wusste: Dies ist nicht nur die übliche, gern gesehene Trash-Granate. Nein, dies ist eine C4-Sprengladung, eine Napalmwand, der nukleare Bombenteppich des schlechten Geschmacks. Ein Superheuler unter greinenden, jammernden Genre-Kollegen. Bow down, you fuckers! Here comes ’Howling II: Stirba - Werewolf Bitch’!

PS: Der Original-Titel des Film lautet tatsächlich ’Howling II: Stirba - Werewolf Bitch“
PPS: Ach hier hat Eli Roth die ganzen osteuropäischen Klischees für ’Hostel’ geklaut.


Hudson