House of the Dead


’Humans versus zombies. Whose sides are you?’


Originaltitel: House of the Dead Regie: Uwe Boll
Drehhbuch: Mark A. Altman & Dave Parker
Darsteller: Jonathan Cherry, Jürgen Prochnow, Clint Howard FSK: 18


Hui. Ist ’House of the Dead’ wirklich so schlimm, wie alle sagen? Naja…

Auf einer einsamen Insel soll ein spektakulärer Rave statt finden. Das können sich unsere 5 zentralen jugendlichen und hippen Schnuckel natürlich nicht entgehen lassen. Wie das aber so ist, bei jungen Leuten, verpassen sie die Fähre und müssen auf den alten Seebär Cpt. Kirk (!, Jürgen oder besser Jurgen Prochnow, der hier ähnlich bekleidet ist, wie sein ’Alter’ Ego in ’Das Boot’) zurückgreifen. Er und sein Maat Salish (olle Clint Howard, im gelben Fischercape und Hut, mit Hakenhand und Spongebob-Synchro, damit auch der letzte kapiert, dass es sich um einen Seemann handelt) schippern die Blagen dann auch für eine enorme Summe auf die Insel. Warum dieses Eiland, das vor der Küste Kanadas liegt, allerdings ’Isla del Muerta’ genannt wird, ist zumindest rein sprachlich fraglich.

'Old McZombie
had a Farm...'
Nicht aber unsinnig, denn tatsächlich hausen dort widerwärtige Untote (mit rotglühenden Augen), die alsbald den ersten, bereits eingetrudelten Raver-Pärchen auflauern und diese abmurksen.
Als unsere 5 Freunde endlich auf der Insel ankommen, sind natürlich alle anderen weg. Der Alkohol und das übliche Partyequipment sind aber noch da, ebenso blutverschmierte Kleidung. Macht nix, Hauptsache Suff und Feten-Beleuchtung!
Also gestalten die 5 eben ihre eigene Feier, was wie üblich schnell zur Pärchenbildung führt. Im dunklen Wald aber huschen schon die ersten untoten Silhouetten durch’s Unterholz, um auch den Rest vom Fest zu schnabulieren…

Und da uns Uwe Boll (der sogenannte Regisseur dieses Machwerks) in den ersten 20 Minuten emotional mit den Charakteren verbunden hat, wird’s jetzt ganz doll spannend … oder?

Äh, nee, eigentlich nich. Mit Spannung und Emotionen hat es der Herr Boll dann doch nicht so am Hut. Viel eher mit ’Splatsch-Ratsch’; Birne Matsch, Heavy-Techno-Mix-Mucke, Matrix-Shots und viel, viel Hast und Schluderei.

Hat man nämlich das eigentlich ganz erträgliche Vorgeplänkel überstanden, kommt’s zu Action Non Stop, was sich jetzt gut anhört, aber spätesten mit dem 30ten Einschuss und Zombie BUH zur totalen Laschpupigkeit verkommt.
Die Zombies greifen an, wo es geht: Im Boot, im Zelt, im Wasser, einmal sogar im titelgebenden ’House’ und so weiter und so fort. Immer wieder huschen Schatten durch den Wald (grusel grusel, spukidusel) und es werden ’Szenen’ aus dem Original Sega-Videospiel eingebaut (Knall-Peng-Ditsch), alles zu Gunsten der schnittechnischen Kontinuität (jedenfalls laut Audiokommentar, auf den ich später noch zurückkomme).
Zwischendurch versucht Boll uns mit kurzen Atempausen, knappen Dialogen und einer extrem albernen Rückblende (die dem Zuschauer eine Vorgeschichte vorgaukeln soll) bei der Stange zu halten. Zu spät, das Gehirn wurde sowieso direkt in der Vidothek mit abgegeben, einschließlich des Teils der ’Unterhaltung’ definiert.

Auch im hohen Alter spielt
Jürgen P. noch den 'Alten'.
Während der zentralen Actionszene gibt es fast genau so viele ’Motion Control’ Effekte und SloMos wie Einschüsse, was im Gegensatz zu dem Zombie Make-Up gar nicht schlecht aussieht. Spätestens wenn eine asiatische Schnecke im Stars & Stripes Body-Suit durch den Kugelhagel hüpft, kann man sich ein Grinsen nicht mehr verkneifen. Dann gibt es wieder Szenen wie jene, in der man ein Laboratorium sieht (das offensichtlich von der Theatergruppe der Klasse 4b aus der ’Boris Masurke’ Gesamtschule designt wurde), in dem der Hauptdarsteller auf folgende Schlussfolgerung kommt:
„Es ist das Blut, das macht sie wieder lebendig!“, nur um 5 Sekunden später ein Einweckglas, voll von der roten Suppe, als Wurfgeschoss gegen anstürmende Zombies zu benutzen. Logo!
Die Schauspieler sind bis auf wenige Ausnahmen aus der Grabbelkiste des Vancouver Arbeitsamtes gefischt und können uns weder ihre Charaktere glaubwürdig ans Herz legen, noch mit Bolls verquerter Regie Schritt halten. Nein, da nutzt es auch nix, wenn man sich ein ’Orlando Bloom Look-a-like’ als Haupt-Nase ans Set holt.
Jürgend Prochnow macht den Harten aus dem Zombiegarten, liefert Keksweisheiten („Ich hab jetzt endlich kapiert, warum die Insel ’Isla del Muerta’ heisst!“ ) säbelt und schiesst sich beidhändig durch die schlecht bemalten Zombiehorden und nippt am Flachmann.
War der (musikalische) Score im ersten Drittel des Films recht stimmig, setzt mit der Action dann nur noch die unerträgliche Mischung von Heavy Metal und Techno ein. Stimmige Gruselmusi sucht man vergebens. Die Kamera ist ständig in Bewegung und fängt anfangs schöne Landschaften ein, um später nur noch dem (wackeligen) ’Draufhalten’ zu dienen.
Flotte Dialoge wie: „Verpiss dich!“ „Warum nennen sie mir nicht ihren Preis und wir überspringen das ’Der Alte Mann und das Meer’ Gefasel?“ „Welchen Teil von verpiss dich hast du nich kapiert?“ können anfangs noch zum Schmunzeln anregen, sind später aber leider selten im Fim zu finden.
Aber wie sagte Dr. Boll so schön im Audiokommentar der DVD: „Ein richtiger Action-Horror-Fan der will keine Dialoge, der will Ballern!“
Und so sei, viel eher als der Film selbst, dem gemeinen Filmfan dieser Kommentar ans Herz gelegt. Ohne weiter auf die Professionalität, den Inhalt und die sprachliche Bewandtheit des Tracks einzugehen, sei hier gesagt, dass dieser wahrlich eine Klasse für sich ist und in die Annalen als schrottigster und somit (unfreiwillig) witzigster Audiokommentar aller Zeiten eingehen dürfte (Noch skurriler als der von ’Dodgeball’!)

Ein warnendes Beispiel
für alle Raver.

Fazit: Es gibt auf jeden Fall schlechtere Filme als ’House of the Dead’, aber viel, viel, viel (mehr) bessere. ’Headshots Galore’ und ’Geknatter en masse’ mit Wummer-Mucke unterlegt, gab es schon in etlichen Filmen zuvor, und auch besser gemacht.
Der Frage aus dem Off, am Ende des Films: „War es das Ende oder erst der Anfang.“, kann ich nur wie folgt antworten: Der Film ist zu Ende. Bolls Untergang in den Köpfen der Genre-Fans hat begonnen.

Hudson