Hostel


‘Welcome To Your Worst Nightmare’


Originaltitel: Hostel (2005) Regie & Drehbuch: Eli Roth
Darsteller: Jay Hernandez, Derek Richardson, Eythor Gudjonsson
FSK: ungeprüft/ SPIO/JK


’Hostel’, ein Film über drei lüsterne Ami-Boys, die im tiefen Ost-Europa in einen Puff geraten, der für Perverse bestimmt ist, die sich mit dem Vögeln nicht mehr abfinden wollen, sorgte zu seiner Kinopremiere für allerlei Aufruhr. Zu viel Aufruhr, für einen Film, dessen Grundidee auf der Entdeckung einer zwielichtigen Internet-Seite basiert. Aber lest selbst:

’I like a blunt or a big fat cone, but my
double barrel bong is gettin' me stoned’
Der schüchterne Josh (Derek Henderson), der lockere Paxton (Jay Hernandez) und der dauergeile Isländer Oli (Eythor Gudjonsson) feiern wie wild durch die Straßen (und Cofee-Shops) Amsterdams, wo man als durchschnittlich aussehender Ami natürlich alles abgreifen kann, was zwei Beine und nichts dazwischen hat. Nach einem Besuch im Rotlichtviertel (mittlerweile sind die Räumlichkeiten allerdings blau ausgeleuchtet), wo jeder jedem beim Poppen und Kiffen zuschaut, treffen die drei auf einen zwielichtigen Typen, der ihnen das ultimative Reiseziel verrät: Eine Jugendherberge (nennt man heutzutage ’Hostel’) bei Bratislava, wo alle Weiber aussehen wie im Spätprogramm von DSF und so willig sind, wie Sybille Rauch in ’Eis am Stiel’ (weil es dort angeblich keine Kerle gibt… hört, hört). Ab zum Bahnhof und den erstbesten Zug in die Slovakai genommen, in dem man gleich auf einen merkwürdigen Geschäftsreisenden triftt, der die Gerüchte bestätigt (hmmmmm, ob der wohl später noch von Bedeutung ist???)
Angekommen am Ziel der Begierde, wird man auch gleich von zwei leckeren, osteuropäischen Schönheiten namens Svetlana und Natalia (was sonst?!) begrüßt und der nächtlichen Party-Welt vorgestellt. Hier gibt es nicht nur heiße Damen und heiße Clubs, sondern auch bitterböse Kinderbanden, die bedrohlich aus den Schatten auftauchen und die Touristen um Kaugummis anbetteln.

Die geilen Gassen Bratislavas
Später am Abend, nachdem sich die US-Bürger von ihrer besten Seite gezeigt haben (“Ich bin der King mit dem Ding!“), landen die Jungs in den Betten des Hostels, wo dann gevögelt wird, bis der Hahn kräht (ganz geziemt auf Ami-Art mit Schlüpper bekleidet! But what about the provocation!?)
Am nächsten Morgen ist Oli weg. Nach kurzer aber intensiver Suche und der seltsamen SMS: “Ich geh nach Hause!“ entscheiden Josh und Paxton: “Sein Problem!“ (’That’s what friends are for!’)
Was sie nicht wissen: Oli ist in die Fänge eines perversen Schuchen-Rings geraten, die sadistischen ’Folter-Touristen’ für Geld die Möglichkeit geben, an wehrlosen Opfern ihren bestialischen ’Spaß’ zu haben. An Überleben ist hier nicht zu denken.
Es braucht nur eine Nacht und ein paar manipulierte Drinks bis sich auch Josh und Paxton in den widerlichen Katakomben der Folterstätte wiederfinden…

Genau wie ’Cabin Fever’ kommt auch ’Hostel’ zu allererst im Gewand einer typischen ’College-Drug-Fuck-Comedy’ daher, driftet nach dem ersten Drittel in Richtung Thriller, um dann schließlich zur derben Gross-Out-Schlachteplatte zu ’verkommen’.

Tool-Time!
Und ähnlich wie in Eli Roth’s Erstling wird uns das Geschehen auf eine beinahe grotesk überzogene Art und Weise präsentiert, dass einem das Fragezeichen noch während der Credits im Auge hängt.
Sieht man mal von der absurd drastischen Gewaltdarstellung ab, häufen sich hier Klischees, wie auf dem Bauernhof der Bockmist: Dauergeile Bettmiezen, Killer-Kids, russische Zwei-Meter-Schuchen, Ostzonen-Lokalkolorit bis zum Abwinken und alle stecken unter einer Decke, ob Hure, Bulle oder Bürger. Es verblüffte mich beinahe, dass Roth seinen buckligen ’Reste-Verwerter’ die übrig gebliebenen Leichenteile nur in einen Heizofen schippen und nicht etwa grobe Mettwurst daraus produzieren ließ.
Dabei ist ’Hostel’ handwerklich durchaus brauchbar. Roth versteht es, seinen Film zu fotografieren, hat mit George Folsey (’American Werewolf’) einen ausgezeichneten Cutter an Bord und mit ’KNB’ (’Tanz der Teufel 2’) eine der besten FX-Groups überhaupt.

“Herr Ober, ich hatte aber
einen Tisch bestellt!“
Auch den Darstellern mangelt es nicht an Talent. Ihre Wandlung von partygeilen Nullköppen zu besorgten, ängstlichen Verirrten in einem fremden Land ist sehr überzeugend und letztlich das, was mich über 90 Minuten vor der Glotze hielt.
Etwas (für diese Art von Film) ganz Elementares fehlt Roth’s Zweitwerk aber: Es will und will einfach keine beklemmende Stimmung aufziehen.
Kommen wir nun zu dem Grund, weshalb der Film wahrscheinlich gemacht und ebenso wahrscheinlich von vielen gefeiert wird: Die Gewalt.
Es wird richtig eklig. Die Bezeichnung, die auf ’Hostel’ (mehr noch, als auf ähnliche Schmadder-Schocker dieser Art, wie ’Wolf Creek’ oder ’The Hills have Eyes’) zutrifft, ist ’Folter-Porno’. Es werden Gliedmaßen abgehackt, Sehnen durchtrennt, Augen herausgebrannt, Bohrmaschinen, Kettensägen und Skalpelle missbraucht etc. etc.
Das konzentriert sich zugegeben nur auf eine verhältnismäßig geringe Spielzeit. Umso mehr bekommt man jedoch das Gefühl, der gesamte Film wäre um diese Szenen herumgesponnen worden, sodass sogar der Begriff ’Selbstzweck’ schon fast überheblich klingt.

Hab' ich die Kettensäge erwähnt?
Sicherlich gab es in Sachen ’Ausufernder Gewalt’ schon ’alles’ zu sehen, was es zu zeigen gab. Ein populäres Beispiel sind da die Nippon-Exzesse von Vielfilmer Takashi Miike, der hier übrigens einen Kurz-Auftritt als Folter-Kunde hat (How clever of you, sneaky monkeys!). Die Freunde expliziter Trips durch den menschlichen Körper wissen jedenfalls seit Jahren, wo sie Stoff für ihren Katalysator herbekommen können. Das einzige Novum, das man ’Hostel’ demzufolge kreditieren kann, ist, den ’Violent Shit’ unter die Massen zu treiben. Und wie die schwarzen Zahlen dank Marketing-Kampagne (inklusive: “Bei Hostel hat uns einer ins Foyer gekotzt, hohoho!“) bewiesen haben: Es funktioniert. Jedenfalls in Sachen ’Let’s talk about Schecks, Baby’.
Dass Roth die Unterstützung von Quentin Tarantino annimmt, ist nur legitim. Vom Quentmaster selbst ist das zwar kumpel-dufte; nötig (ein Wort, das mit ’Hostel’ überhaupt nicht in Verbindung gebracht werden sollte) hat er so etwas allerdings nicht. Jedem Tierchen sein Pläsierchen, aber vielleicht sollte er sich in Zukunft überlegen, ob er den Filmen seiner Freunde unbedingt einen ’Presented bei Q.T.’-Credit aufkleben muss/will/sollte. (Stichwort: “Haste schon den neuen Tarantino gesehen. ’Horstel’ oder so?!“)
Und auch wenn sich Eli Roth (laut Audio-Kommentar*) selbst als Horror-Regisseur sieht; dass er demnächst mit ’Hostel 2’ in den Startlöchern steht, zeugt wohl eher von Geschäftssinn, als von der Liebe zum Film.



* Detailfreunde sollten sich nicht den Audiokommentar von Eli Roth, Q.T. und Scott Spiegel entgehen lassen (ist übrigens nur einer von vier ’Mein Gott, kann man viel über unseren Film sagen’ Kommentaren). Hier lernt man einige wichtige Dinge:
Erstens: Die Gewalt in ’Hostel’ reflektiert die Kultur.
Zweitens: Amerika ist ein Land, wo Menschen jeder Herkunft und Rasse schließlich Amerikaner werden. Im Gegensatz zu anderen Ländern.
Und Drittens: ...

...das ist eine Handbremse!











Hudson