Horror-Expess


‘Your Non Stop Ride to Hell Boards at 8 P.M.’


Originaltitel: Horror Express (1973)
Regie: Eugenio Martín Drehbuch: Arnaud d'Usseau & Julian Halevy
Darsteller: Christopher Lee, Peter Cushing, Alberto de Mendoza FSK: 16


Die Gentlemen des Gruselfilms

Christopher Lee und Peter Cushing, alte Freunde und Weggefährten, und jeder für sich eine Koryphäe des fantastischen Films, trafen 1972 einmal mehr aufeinander und zwar im titelgebenden Zug der spanischen Billig-Produktion ’Horror Express’. Und ob ihr’s glaubt oder nicht; Kojak reiste auch mit.

1906: Auf einer Reise in die Manschurei findet der Anthropologe Sir Alexander Saxton (Lee) ein gefrorenes Höhlenwesen, von dem er glaubt, dass es sich dabei um den ’Missing Link’, das fehlende Glied zwischen Mensch und Affen handelt.

Diät: Gletscherkrone
In der Hoffnung seinen großen Durchbruch in der Londoner Scientist-Society einläuten zu können, lässt Saxton den Eisblock mit dem Trans-Sibirischen Express durch Asien karren. Was für ein Zufall, dass sein Kollege/Rivale Dr. Wells (Cushing) ebenfalls mit an Bord ist. Und auch dieser interessiert sich sehr für Saxtons Fund. Um so mehr, als das Eis schmilzt und sich seltsame Todesfälle im Zug häufen, deren Opfer stets mit weißen, blutigen Augen enden.
Scheint das verantwortliche Biest zunächst die aufgetaute Zombie-Mumie mit rotglühenden Augen zu sein, merken wir bald, dass mehr dahinter steckt. Nämlich eine aufgetaute Zombie-Mumie mit rotglühenden Augen, die ihre ’aufgetaute Zombie-Mumie mit rotglühenden Augen’-Eigenschaften auf diverse Wirtskörper übertragen kann. Jetzt sind die britischen Wissenschaftler gefragt, doch deren Untersuchungen werden von einem rüpelhaften russischen Befehlshaber (Telly Savalas!) gestört…

Und die machen sich auch bald an die Arbeit, mittels einer Schädeldecken-OP, der Sezierung eines Monster-Augapfels und tiefgründiger Gespräche über die Einwirkung der Sonnenstrahlen auf das Liebesleben der Pflastersteine … naja, wissenschaftlich zumindest in diese Richtung gehend.

"Who loves ya, baby?"
Der ’Horror-Express’ vollzieht einige Story-Wendungen und Genre-Blendungen, die für den B-Film-Fan eine wahre Freude sind. Hier gibt es Monster-Horror mit ’Bodysnatcher’-Anleihen, furchtbar albernen Wissenschafts-Humbug (die Szene, in der man durch ein Mikroskop Bilder in der Augenflüssigkeit des Monsters sieht), einen wahnsinnigen Ra-Ra-Rasputin-Mönch, ein kleines aber feines Zombie-Finale, amüsanten ’Culture Clash’ zwischen Briten, Russen und Amis und ein wirkich stimmiges Zug-Setting.
Da dieses Dach des gleichermaßen unterhaltsamen und wirrsinigen Filmes von der majestätischen Performance des Dreamteams Lee (hier mir dickem Schnäuzer) und Cushing (dessen Frau kurz zuvor gestorben war und der von Lee erst hatte überredet werden müssen, hier mitzuspielen) gestützt wird, hat man eine Old School Horror-Trash-Granate, der man sich schwerlich entziehen kann.
Allein die (viel zu kurze) Show, die Savallas hier abzieht ist Oscar-reif. Oscar-reif, sag ich!
Die (ganz offensichtliche) Modelleisenbahn und die Indoor-Sets des Zuges waren Überbleibsel der Produktion ’Drei Halleluja für vier heiße Colts’ (ebenfalls von Eugenio Martín und ebenfalls mit Telly Savallas). Als I-Tüpfelchen gibt’s einen klassischen Horror-Soundtrack, der die Begriffe ’klassisch’ und ’klirrend’ hin und wieder verwechselt.

“What is in there?”
“Fossils.“
“What’s a fossil?”
“A stone.“

'Like eyes in the sunshine...'

Der ‘Horror-Express’ fährt auf den sicheren Schienen eines höchst amüsanten B-Film-Vergnügens. Keineswegs auf dem Klassiker-Level anderer Lee & Cushing-Events aus der Hammer-Schmiede, sondern ein kleiner zurückgebliebener Bruder derselben, den ein echter Liebhaber des Genres jedoch nicht minder lieb haben dürfte.


Hudson