Hollywood Man



Originaltitel: Hollywood Man (1976) Regie: Jack Starrett
Drehbuch: Tom Farese, Ray Girardin, Dominic Gombardella & William Smith
Darsteller: William Smith, Jennifer Billingsley, Ray Girardin FSK: 18


The Man, the Myth, the Smith
Rafe Stoker ist Schauspieler und hat mit seinen letzten Bikerflicks in Hollywood recht anständig Kasse gemacht. Sein neuestes Projekt will sein Produzent jedoch nicht finanzieren. Motorradfilme seien angeblich out. Wir alle wissen, dass das Blödsinn ist und Rafe weiß es auch. Verzweifelt wendet er sich an den zwielichtigen Angelo, der schießt ihm die Kohle vor, verlangt allerdings einen fristgerechten Drehschluss und Sicherheiten von Rafe. Sicherheiten, wie die Rechte an seinen alten Filmen, alle Tantiemen und sein Haus in Beverly Hills. Zögernd willigt Stoker ein und macht sich enthusiastisch an die Dreharbeiten. Doch Angelo hat seine eigenen Pläne. Er heuert den sleazigen Gangster Harvey an, der mit seinen Schergen den Dreh um jeden Preis stören soll, um schließlich den Film und Rafes Hab und Gut abzustauben…

“Hey, Barkeeper, was ist denn mit eurem Pool-Table los.“
“Spiel doch Taschenbillard, du abgetakelte Nutte!“

Regisseur Jack Starrett (’Vier im rasenden Sarg’) inszenierte ’Hollywood Man’ nach einem Drehbuch seiner beiden Hauptdarsteller William Smith und Ray Girardin, deren Charaktere nicht unterschiedlicher sein könnten. Während Stoker, dessen Figur höchstwahrscheinlich auf Erfahrungen Smiths mit der Filmbranche basiert, ein Herz für seine Arbeit zeigt und sich mit einer sympathischen Crew (u. a. Mary Worunov, ’Frankensteins Todesrennen’) umgibt, kennt Harveys Gang nur Mord, Notsucht und Beleidigungen.

Schuss ins Blaue
Letzteres wird in ’Hollywood Man’ leider einen Tick zu häufig zelebriert, u. a. mittels eines ’Running Gags’ in dem ein besonders brutales Gangmitglied immer wieder ’aus Versehen’ jemanden mit bloßen Händen umbringt. Davon abgesehen war der Film mit einem offensichtlich niedrigen Budget geschlagen, dass sich nicht nur im Script, sondern bei den technischen Aspekten (beispielsweise durch die auffällige Abwesenheit irgendwelcher Sets oder Action) bemerkbar macht.
William Smith muss hier viel mehr einstecken, als austeilen, geht mit dem Druck von außen tatsächlich eher zurückhaltend um. So kennt man ihn gar nicht, aber es beweist, dass der Mann mehr drauf hat als fiese Brutes auf Rädern zu spielen.
Smith, Ikone des B-Films, nebenberuflicher Bodybuilder und Conans Vater, wird hier ausgerechnet von Homer Simpson-Sprecher Norber Gastell synchronisiert.
Ähnlich unpassend ist der schnulzige Titelsong, dessen sülzig-süße Schlagertöne zwischendurch immer wieder über Biker-Szenen gelegt werden und zu intensivem Stirnrunzeln einladen. Und warum in solchen 70er Jahre-Schinken immer gleich eine handvoll Vergewaltigungsszenen eingebaut werden mussten, um die Ruchlosigkeit der Schurken zu beweisen, wird mir wohl immer ein Rätsel bleiben. Vielleicht lag es am Trinkwasser.

“Weißt du, was dein Fehler ist, Tex? Du schluckst viel zu viel.“
“Und du wichst viel zu wenig!“

Stunt ins Blaue

Die Idee war nicht schlecht, die Schauspieler sogar noch besser, dennoch bleibt ’Hollywood Man’ ein erzählerisch und technisch unausgegorener und zuweilen leider auch reichlich unsympathischer Streifen. Da hätte ich lieber den Film gesehen, den Rafe Stoker und Company versuchen auf die Beine zu stellen.


Hudson