Hollywood Chainsaw Hookers
Mit Motorsägen spaßt man nicht


‘They charge an arm and a leg!’


Originaltitel: Hollywood Chainsaw Hookers (1988) Regie: Fred Olen Ray
Drehbuch: Fred Olen Ray & T.L. Lankford
Darsteller: Gunnar Hansen, Linnea Quigley, Jay Richardson FSK: 18


"The CHAINSAWS used in this Motion Picture are REAL and DANGEROUS! They are handled here by seasoned PROFESSIONALS. The makers of this Motion Picture advise strongly against anyone attempting to perform these stunts at home. Especially if you are naked and about to engage in strenuous SEX. My conscience is clear."
- Fred Olen Ray

Is klar oder?

Einigen Lesern dieser fabelhaften Seite dürfte Fred Olen Ray, Filme-Macher aus Leidenschaft, bereits ein Begriff sein. Und wenn dem so ist, habt ihr vielleicht auch bemerkt, dass der Mann für mich einer der Großen der Moderne ist, wenn es um filmhistorische Relevanz in Sachen B-Movies geht. Mit 'Hollywood Chainsaw Hookers' nehmen wir nun Ray's womöglich berühmtestes Werk unter die Lupe.

Büro-Alltag bei Jack
Der Titel und das Vorwort lassen nicht lange grübeln, um was für eine Art von Film es hier geht. Wir haben es mit einem Kultfilm per Definition und Trash in Reinkultur zu tun und der Film macht von Anfang bis Ende einen Mordsspaß. Die Geschichte beginnt mit dem Verhör einer blonden Nutte (Dawn Wildsmith), welches mit der Vorführung ihres 'Sex Stimulators' (Zitat) – sprich: einer gewaltigen Kettensäge - am Leib der Polizisten endet. Als nächstes erfahren wir von unserer Hauptfigur, dem abgewrackten Privat-Schnüffler Jack Chandler (“Ich, Jack Chandler, bin Privatdetektiv und werde beauftragt, nach vermissten Leuten zu suchen - nicht nach Teilen davon.”) - ganz klassisch mit einem Voice Over seiner Schreibmaschinen-Memoiren - dass er den Auftrag hat, ein junges Mädchen namens Samantha zu finden und dass in L.A. zur Zeit eine Vielzahl herrenloser Leichenteile auftaucht. Bald schon sehen wir, wie die Titel-gebenden Damen zur Sache gehen. Die reizende Mercedes (Michelle Bauer) greift in der Bar einen Kerl ab, nimmt ihn mit nach Hause und kann gerade noch ihr Elvis-Poster mit Plastik-Folie schützen, bevor die Schnetzelei losgeht und sie ihren Freier im wahrsten Sinne des Wortes in den Himmel schickt.

Kultisten-Alltag bei Gunnar
Die Story nimmt ihren Lauf - die Chainsaw Hookers richten ein Blutbad an, Jack Chandler kommt dem vermissten Mädchen langsam auf die Spur und bemerkt, dass sie eine Verbindung mit den mörderischen Miezen zu haben scheint. Dass sich die Huren als religiöser Kult aus dem alten Ägypten, angeführt von Hohepriester Gunnar Hansen (besser bekannt als Leatherface aus dem 'Texas Chainsaw Massacre') entpuppen, der die Motorsägen als “große kosmische Verbindung, die alles vereinigt” betrachtet, zieht dem Ganzen natürlich die Schuhe aus.

Es wäre überflüssig zu erwähnen, dass die Story gleichermaßen bescheuert wie albern ist und sich der Film zu keinem Zeitpunkt ernst nimmt. Hier hageln die Sprüche (“Ich fühlte mich wie im siebten Kartoffelkloß-Himmel, und auch beim Erwachen blieb mir der Anblick von Klößen nicht erspart.”), dümmliche sowie clevere Witzen (Anrufbeantworter bei der Polizei; Plastik-Folie überm Elvis Poster; Schilder mit der Aufschrift "Temple - This Way!" oder "Keep Going - You're Almost There", die zum geheimen Versteck der Sekte führen) und - wie sollte es bei einem waschechten Fred Olen Ray Klassiker auch anders sein, nackte Brüste so weit das Auge reicht. In Sachen Gewalt bekommt man zwar einige Kettensägen-Morde mit spritzender Blutsuppe und Gummi-Körperteilen zu sehen, aber für die Splatter-Fraktion gibt der Streifen vermutlich nicht genug her.

Tagesroutine bei den Hookers
Für FOR-Fans gibt es außerdem eine sehr schöne Besetzung zu sehen. Die Show stehlen zwar eindeutig Rays Muse und Vorzeige-Pet Michelle Bauer, sowie die junge Linnea Quigley als Samantha, doch auch Gunnar Hansen macht als Sägen-Priester eine lustige Figur.
Jay Richardson ist die perfekte Besetzung für den großmäuligen Private Dick Jack Chandler, und macht mit seinen humorvollen Voice Overs (die vor allem nicht immer ganz zum Gezeigten passen), One-Linern (“Haben sie daran gedacht, dass dieses Gebäude eine Menschenopfer-Genehmigung braucht?”; “Deine Mutter hat ne Menge Geld gezahlt, um dich wieder zu kriegen, und zwar nicht als Bratwurst.") und der Tatsache, dass er stets eine Kippe im Mundwinkel, einen Drink in der Hand oder eine schöne Frau in den Armen hat, einfach Spaß. In weiteren Rollen können wir FORs damalige Frau Dawn Wildsmith (Surf Nazis Must Die, Cyclone, Prison Ship, Evil Spawn, and many more) mit blonder Perücke, und Michael 'Dukey' Sonye - Lead Sänger der Rock Band 'Haunted Garage', und bekannt als 'Imp' in 'Beast You' sowie als Autor von Werken wie 'Blood Diner' oder 'Prison Ship' (!) als grinsenden Barkeeper bewundern. Gerade Dukey ist mit seiner Mimik für einige Lacher gut. Bevor ich's vergesse: Auch Fox Harris hat einen Auftritt als lustiger Opi, der Fotos für einen Nackt-Kalender schießen möchte und den Hookers zum Opfer fällt.

There's your fun at the movies

Fazit: „Hollywood Chainsaw Hookers“ ist ein Meister seiner Klasse. Eine erstklassige Cheese-Komödie, die sowohl als Horror-Parodie als auch als Detektiv-Verarsche funktioniert. Wenn die Hauptfigur mit einem Messer bearbeitet wird, daraufhin losschreit und der Priester nur “Bitte, Mr. Chandler! Die Nachbarn...es ist schon spät!” zu sagen hat oder nackte Frauen zu Rock 'N' Roll Gefetze die Kettensäge schwingen, hat das einfach einen besonderen Touch, den nur Fred Olen Ray so hinkriegt.



PS: TFN = Tolle Fick Nummer

PPS:
“Was soll das überhaupt sein, ein Motorsägen Anbeter-Kult, he?”
“Genau so ist es, diesmal haben sie Recht.”
“Ach ja? Und sie predigen den Black & Decker Choral?”
“Unsere Religion stammt aus dem alten Ägypten!”

PPPS:

Dazu sollte es leider nie kommen.



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