Hoffnung auf Eis


‘Would God approve, or is this Satan's work?’


Originaltitel: The Chilling (1989)
Regie: Deland Nuse & Jack A. Sunseri Drehbuch: Jack A. Sunseri
Darsteller: Linda Blair, Dan Haggerty, Troy Donahue FSK: 16


“Die Geschichte, die sie gleich sehen werden könnte sich in ihrer Gemeinde ereignen. Das moralische und technische Dilemma ist offensichtilich. Wir fragen sie: Würde Gott so etwas gutheißen oder ist es ein Werk des Teufels?“, erklärt uns der Schriftzug im Vorspann. “Die Fakten sind wahr, die Personen erfunden“, steht da weiter.

Dann wollen wir die Fakten mal checken, gelle?

Griff ins Klo?
Das Unternehmen ’Universal Cryogenics’ brüstet sich damit, frisch Verstorbene in Kältekammern zu stapeln, bis eines fernen Tages die Wissenschaft Hot-Dogs mit Hühnchengeschmack und ein Heilmittel gegen den Tod gefunden hat.
Als der Sohn eines guten Kunden (seine Frau ist bereits in Eis verpackt), bei einem Banküberfall erschossen wird (er war der Bankräuber), kommt für den reumütigen, reichen Papa nur die Cryo-Behandlung für dessen Leiche in Frage. ’UC’-Chef Dr. Miller (Troy Donahue) freut sich schon einen Wolf ob des dicken Geschäfts, doch seine Assisstentin Mary (Linda Blair) ahnt, was hinter der Fassade der utopischen Firma tatsächlich abläuft. Nämlich eine riesige Kunden-Verarsche. Die Leichen werden ausgenommen und ihre Organe an die Meistbietenden verschleudert. Danach werden die hohlen Körper in die Gefrierkammern gepackt und gut is. Kryogenetik ist nämlich der größte Mumpitz auf Erden. Das wissen vor allem die Köpfe hinter ’Universal Cryogenics’ und das sind die Fakten, meine Damen und Herren.
Meine Herren, das hätte ein schönes Schlusswort abgegeben. Doch sicher glaubt niemand daran, dass ein Film mit Linda Blair und Troy Donahue in den Hauptrollen ohne weiteren, noch größeren Mumpitz auskommen würde. Dank eines Stromausfalls im Labor tauen die in Alufolie gehüllten Körper auf und schlurfen nun als tödliche Zombies durch die Flure…

“Was fällt ihnen ein, ihren Füller in Firmentinte zu tauchen?“

The boys are back in town!

Erwähnte ich, dass sich die Ereignisse zu Halloween abspielen und daher einige Figuren die Zombies mit “Du kriegst die Motten. Tolles Kostüm!“ ansprechen? In einem abgesperrten Labor.
’Hoffnung auf Eis’ ist so dumm, wie ein Film dieser Art nur dumm sein kann.
Aneinandergereihte Dumpfbacken-Attacken bestimmen die Handlung, unmotivierte Zombie-Laien torkeln in schimmernden Alu-Mänteln duch unterbelichtete Kellergewölbe und drum herum gibt es alles, was Trash-Filme ausmacht: Schießereien, Fickereien, Scherereien und einen Typ, der bei dem Banküberfall mit den Worten “Ich halte das nicht aus. AAAAH!“ in die Schusslinie rennt.

Nicht heulen, Linda!
Die Frisi sitzt perfekt.
Linda Blair (’Witchcraft’) agiert auf Sparflamme, Troy Donahue (’Blood Nasty’) hat den Gashahn noch nicht einmal geöffnet und Genre-Vollbart Dan Haggerty (’Elves’) spielt einen Wachmann, der prima Gabelstapler fahren, Schläuche halten und mit der Shotgun ballern kann.
Das Szenario ist bei ’Return of the Living Dead’ geklaut, die Keller-Sets des Labors, in denen sich der Film ab der Hälfte beinahe ausschließlich abspielt, sehen aus wie die Flure der ’Nostromo’ aus ’Alien’ (einmal kommt sogar ein Zombie von hängenden Ketten herab und greift einen Ahnungslosen. Deja Vu!)
Nun spricht das alles nicht unbedingt für ’Hoffnung auf Eis’, dabei begleitet den Film eine ständige ’Alberne Sau!’-Aura, dass man sich das (Aus)Lachen kaum verkneifen kann. Wer also mal sehen will, wie Linda Blair von ein paar gefriergetrockneten Zombies die Frisur ruiniert wird und Interesse an einer trashig(er)en Mische aus ’CHUD’ und ’RotlD’ hat, der könnte schlechter fahren als mit dieser dämlichen Genre-Gurke.


Hudson