Das Grauen schleicht durch Tokio


‘Molecular Man Terrorizes the World!’


Originaltitel: Zuijia paidang zhi qianli jiu chaipo (1978) Regie: Ishirô Honda
Drehbuch: Takeshi Kimura & Hideo Unagami
Darsteller: Yumi Shirakawa, Kenji Sahara, Akihiko Hirata FSK: 16


Das Grauen schleicht durch Tokio und wir merken schon am Hauptverb des Titels, dass es sich dabei nicht um Godzilla handeln kann, obwohl der Film von dessen Erfinder Ishiro Honda inszeniert wurde.

Das Grauen schleimt durch's Fenster rein

Als im Tokioter Hafenviertel immer mehr Menschen verschwinden, bzw. Bekleidungsstücke aller Art ohne Besitzer auf der Straße herumliegen, beginnt man bei der Polizei mit dem großen Grübeln.
Außer Kontrolle geratene Nudisten-Parties? Anonyme Spontan-Spenden für die Altkleidersammlung? Nö, es ist eine radioaktive Substanz, die durch die Seemänner eines Kutters an Land gebracht wurde, bzw. durch deren schleimige Überreste, denn das brandgefährliche Zeug löst die Protein-Basis der Herrschaften in blubbernde Schaummasse auf und verabschiedet sich nach dem Erreichen des Ufers ins Abwassersystem.
Das kommt davon, wenn man mit dem Kutter durch ein atomares Testgelände gondelt. Die Polizei ist immer noch am Rätseln, da wird die Nachtclubsängerin Chikako Arai Zeuge eines der bizarren Morde durch die grüne Schlabbererscheinung und muss nun im Schlepptau des ermittelnden Beamten durch die Straßen und Tunnel der Großstadt hechten, auf der Jagd nach/ Flucht vor dem Grauen, das da schleicht…

Get on with it!

… und schleicht und schleicht und schleicht und einfach nicht zu Potte kommt.
’Das Grauen schleicht durch Tokio’ aka ’The H-Man’ war ein weiterer Ausflug Ishiro Hondas in jenes Sub-Genre des Science-Fiction-Filmes, das da mahnen soll vor den atomaren Gefahren. Oder war es vielleicht Hondas frühreifer Kommentar zu diversen Fällen von Geschlechtskrankheiten, die durch die Handelsmarine an den Hafen seiner Heimatstadt geschwappt wurden? Nein, sorry, das war nur der traurige Versuch eines Witzes. Woran aber liegt es, dass der Film so böse auf die Nase fällt?
Es liegt weder an den Effekten (die sind für ihre Zeit sogar recht einfallsreich gefertigt), noch an der Grundstimmung (die ist beängstigend düster), sondern am fehlenden Tempo.
Zwischendurch gibt es einfach viel zu viel Laboratoriums-Gequatsche, langatmiges Recherche-Gedöhns und Füller-Szenen im Nachtclub, so dass die Lust am Folgen der Story bis zum nächsten Auftauchen des ’H-Mans’ (einer Mischung aus Slimer und Spukgespenst) recht schnell flöten geht. Leider gibt es hier auch weder sympathische Stars vom Schlage eines Akira Kubo, noch eine zur Atmosphäre des Films passende Musikuntermalung. Lediglich das Finale bietet noch einmal einen kleinen Kick, wenn ein Mob mit Flammenwerfern gegen das Monster zu Felde zieht.

Froschfolter mit Waldmeisterbrausepulver

Wirklich empfehlen kann ich den Film somit niemandem. Höchstens Hardcore-Honda-Fans und Science-Fiction-Alleskucker dürfen, Sitzfleisch vorausgesetzt, einen Blick riskieren. Mit ’Matango’ verstand es der Meister deutlich besser, den atomaren Schrecken auch diesseits der Gürtellinie gigantischer Riesenmonster-Rampages zu thematisieren.


Hudson