The Hills Have Eyes - Hügel der blutigen Augen


‘The lucky ones die first.’


Originaltitel: The Hills Have Eyes (2006) Regie: Alexandre Aja
Drehbuch: Alexandre Aja, Wes Craven & Grégory Levasseur
Darsteller: Aaron Stanford, Emilie de Ravin, Ted Levine FSK: 18


Wer einen Horrorfilm guckt, möchte sich gruseln, Angst erleben, mit der Sicherheit im Hinterkopf, dass ihm nicht wirklich etwas passieren kann. Etwas Ekel darf auch gern dabei sein. Luft anhalten, Augen zukneifen im plötzlichen Buh-Moment ruckartig die Hand des Nachbarn quetschen… das kann schon ein spannendes Filmerlebnis sein.
Aber gerade bei Horrorfilmen ist die Grenze des Erträglichen sehr verschwommen. Wo der Eine noch die Lust am Schock genießt, empfindet der Andere schon Abscheu.
In dem Niemandsland zwischen Unterhaltung und Übelkeit, ist auch der Film ’Hügel der blutigen Augen’ anzusiedeln.

Die Hügel haben Hände!

Es geht um die Familie Carter, die mit ihrem Wohnmobil zum Urlaub nach Kalifornien unterwegs ist. Zur Reiseroute gehört auch eine Fahrt durch die Wüste, von der allerdings nur der alte Herr begeistert zu sein scheint. So beschließt man, die von einem wenig Vertrauen erweckenden Tankstellenwart empfohlene Abkürzung zu nehmen.
Das ist naturlich die Ultimative Fahrkarte ins Verderben. In Horrorfilmen bedeutet eine Abkürzung doch nie, aber auch wirklich nie, etwas gutes.
Schon gar nicht, wenn sie laut Informant „… auf keiner Karte verzeichnet ist.“ So ist es auch diesmal wieder. Die Straße führt ins Leere und mitten ins Jagdrevier einiger ganz übler Gesellen.
Jetzt ist es wohl an der Zeit, erstmal ein paar Hintergrundinfos zu streuen. Diese Wüste war in den 40er-Jahren Schauplatz geheimer, überirdischer Atomtests. Die dort lebenden und arbeitenden Bergleute waren aufgefordert worden, das Gebiet zu verlassen. Bei denen, die geblieben waren, kam es dann natürlich infolge der radioaktiven Strahlung zu Missgeburten und Fehlbildungen.

Bad, Bad Billy Drago.
Nun ist das schon wieder eine Weile her. Die verunstalteten Kinder von damals sind mittlerweile erwachsen geworden, leben versteckt zwischen den Dünen und ernähren sich von abkürzenden Wüstentouristen.
Auch Familie Carter ist da keine Ausnahme. Eine Stachelkette auf der Straße legt das Wohnmobil lahm und schon sitzen sie in der Falle.
Als es dunkel wird, fallen zwei grässliche Kerle über die Ahnungslosen her. Sie vergewaltigen, morden und nehmen, in die Flucht geschlagen, das Baby als besonders leckeren Festschmaus mit.
Für die überlebenden Familienmitglieder ist es damit aber noch lange nicht vorbei. Ganz im Gegenteil… Aber ich möchte nicht zu viel verraten. Wer das Original aus dem Jahre 1977 (Regie: Wes Craven, mit Michael Berryman als fiesem Mutant) kennt, weiß bescheid und allen anderen will ich natürlich nicht die Spannung nehmen.
Aber ich muss gleich vorwarnen, dieser Film ist wirklich nichts für schwache Nerven und feinsinnige Gemüter und wer hier denkt „Mensch, ich hab alle Freitag der 13e-Filme und Scream gesehen… Ich bin echt ein Horrorexperte…“, der kann sich schonmal warm anziehen. Es ist was ganz anderes, wenn lauter bunte, kreischende Plaste-Teenager Einer nach dem Anderen abgemurkst werden, als wenn es um eine ganze Familie mit Vater, Mutter, Kind geht.
Die Familie ist so normal und die einzelnen Charaktere sind nicht so austauschbar. In den Teeny-Filmen geht es auch meist um jagen und gejagt werden. Das ist eine einzige Hetzerei mit viel Blut, viel schreien und viel erschrecken. Bei ’Hügel der blutigen Augen’ ist da noch etwas anderes, was uns schockt. Es sind die Hilflosigkeit und vor allem die Demütigungen. Sexuelle Belästigung und Vergewaltigung oder irgendwelche perversen Sprüche. Da hört es dann bei mir auf, das ist mir zu viel. Und da überlege ich dann, ob sowas wirklich noch Unterhaltung ist, oder nicht doch schon jenseits des

Die widerlichste Kühlbox
aller Zeiten!
guten Geschmacks.
Ich fühle mich dabei nicht unterhalten, gegruselt, was auch immer, sondern (ähnlich wie bei ’The Devil’s Rejects’) sehr unwohl. So, als würde ich jemandem bei seinen sadistischen Phantasien zugucken.
Natürlich führt das aber auch dazu, dass ich mir ein begeistertes Händeklatschen nicht verkneifen kann, als der erste miese Knorpelkopp die Spitzhacke im verbeulten Gesicht stecken hat.

Also, man kann sagen, was man will, spannend ist der Film von Regisseur Alexandre Aja (’High Tension’) allemal. Die Schauspieler (u.a. Lost-Star Emilie de Ravin) sind gut und das Remake wird dem Horrorklassiker durchaus gerecht. Trotzdem gibt’s Punktabzug, weil es für meinen Geschmack einfach zu fies war.
Aber das ist, wie gesagt, mein Geschmack.

Leone